Olympia-Aus für Nordische Kombination:Entthronte Ski-Könige
von Volker Grube
Das Olympia-Aus der Nordischen Kombination ist beschlossen. Das IOC wirft eine Traditionssportart aus dem Programm. Doch in jedem Ende wohnt auch die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Bilder aus guten Tagen: Die deutsche Männer-Staffel (Manuel Faisst, Julian Schmid und Vinzenz Geiger, v.l.) gewinnt Silber bei den Olympischen Spielen in Peking.
Quelle: dpa"Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen. Und jetzt bin ich selber einer." Dieses Zitat des Nordischen Kombinierers Georg Hettich geht mir seit 2006, seit diesem Tag, als er völlig überraschend Gold gewann, nicht aus dem Kopf.
Insbesondere nicht in den vergangenen Tagen, je näher der Entscheidungstermin des Internationale Olympischen Komitees (IOC) über Wohl und Wehe dieser wunderbaren Sportart kam. Und nun ist es traurige Gewissheit: Die Könige des Nordischen Skisports haben abzudanken.
Entscheidung wie ein Stich ins Herz
Das IOC sieht die Kombinierer ganz am Ende der Nahrungskette, als Sportart, die das wenigste öffentliche Interesse generiert. Zu wenige Nationen, die in direkter Konkurrenz zueinander um Siege und Platzierungen kämpfen, ein zu eintöniges Wettkampfprogramm. Ganz sicher geht es dabei auch um die schlichte Vermarktungsmöglichkeit - heißt: Mit der Nordischen Kombination ist zu wenig zu verdienen.
Für mich, der diese Sportart, deren Teildisziplinen so unglaublich schwer zu vereinen sind, liebgewonnen hat, ist die Entscheidung wie ein Stich ins Herz. 16 Jahre lang habe ich mit immer größer werdender Leidenschaft tausende Sprünge und hunderte atemberaubende Langläufe kommentiert.
Erik Frenzels ersten Weltcupsieg, sein erstes Olympia-Gold in Sotchi, den unglaublichen Gold-Run des Johannes Rydzek bei der WM in Lahti 2017, als er alle möglichen Goldmedaillen gewann. Die Spiele von Pyeongchang, als die Deutschen Kombinierer alle, wirklich alle Medaillen gewannen. Vinzenz Geigers Olympiasieg in Peking 2022, als er 500 Meter vor dem Ziel an allen vorbeiflog mit dem Norweger Jörgen Graabak im Nacken und von vorne als erster ins Ziel stürmte. Bilder, die ich nie vergessen werde. Schwer zu akzeptieren, dass es das nicht mehr geben soll.
Die Nordischen Kombiniererinnen Nathalie Armbruster, Jenny Nowak, Trine Göpfert und Maria Gerboth im Interview über Gleichberechtigung und Olympia-Träume.
04.02.2026 | 13:11 min102 Jahre währende Ära geht zu Ende
Es wird viele Tränen geben in Oberstdorf, wo gerade die Frauen der Kombination ihr Trainingslager aufgeschlagen haben. Für 2026 hatte man sie schon abgelehnt, nun auch für die Spiele 2030 in den französischen Alpen. Sie haben erbittert dafür gekämpft, endlich Teil des olympischen Traums zu sein.
Ganz besonders hat Vorzeigeathletin Nathalie Armbruster ihr Herzblut vergossen für ihre Sportart einzustehen, Werbung zu machen und immer wieder die für sie schwer zu ertragende Ungerechtigkeit aufzuzeigen.
Die Nordischen Kombinierer beenden Olympische Winterspiele erstmals seit 1998 ohne Medaille. Bundestrainer Eric Frenzel zieht ein Fazit.
19.02.2026 | 3:55 minEine 102 Jahre währende olympische Tradition geht zu Ende für die Männer um Bundestrainer Erik Frenzel, die seit dessen Ära als Athlet um seinen Vorgänger Hermann Weinbuch deutsche Sportgeschichte geschrieben haben.
Wie geht’s nun weiter? Der Weltcup für Männer und Frauen steht. Bis zur WM 2029 in Lahti sind die Frauen und Männer der Kombination dabei und auch in Oberstdorf, das den Zuschlag für die WM 2031 erhalten hat, plant fest mit ihnen.
Nur der ultimative Warnschuss?
Was die Olympischen Spiele betrifft: Es ist vielleicht nur der ultimative Warnschuss, endlich attraktivere Formate innerhalb dieser Sportart zu finden. Für 2034 könnte die Rückkehr ins Programm schon wieder sein. Die Entscheidung darüber wird sieben Jahre vorher gefällt. Nächster Stichtag, bzw. -jahr ist also 2027.
Was für ein Pech für Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger im NoKo-Teamsprint. Nach einem Sturz muss sich das Duo mit Rang fünf begnügen. Erstmals seit 1998 bleiben die Kombinierer ohne Medaille.
19.02.2026 | 6:36 minMit der neuen Führung des Weltverbandes FIS ergeben sich zudem neue Chancen, mit den Verantwortlichen in Lausanne ins Gespräch zu kommen, wurden die Kombis doch unter der Führung des abgewählten Präsidenten Johann Eliasch recht stiefmütterlich behandelt.
Sportart muss sich neu erfinden
Nach den Momenten des Trauerns über die Entscheidung kann nur eines geschehen: Nach vorne schauen und sich neu erfinden. Mit viel Kreativität die Bedenkenträger davon überzeugen, dass die NoKo mehr ist als nur springen und laufen.
Es braucht neue innovative Wettkampf-Formate, die noch mehr Spannung erzeugen. Doch diese Konzepte braucht es schnell, denn innerhalb von etwa zwölf Monaten müssen diese die Zustimmung des IOC finden. Möge es gelingen und die Spiele nach einer Pause erneut beginnen.
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