Wegen FIFA-Plan: Enger Infantino-Vertrauter tritt zurück

Wegen FIFA-Investoren-Plan:Enger Infantino-Vertrauter zurückgetreten

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Gianni Infantino verliert einen seiner engsten Vertrauten: FIFA-Berater Carlos Cordeiro ist zurückgetreten. Als Grund nennt er die Investoren-Pläne seines Chefs.

FIFA-Berater Carlos Cordeiro bei einer Sitzung hinter seinem Namensschild

FIFA-Berater Carlos Cordeiro: "Kann ich nicht tatenlos zusehen."

Quelle: AFP

Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst - nun auch aus dem inneren Kreis. Sein leitender Berater Carlos Cordeiro ist aus Protest gegen dessen Investorenpläne zurückgetreten.

Zuvor hatten schon die Kontinentalverbände UEFA, CONCACAF und AFC Widerstand angekündigt. Infantinos Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes - darunter auch Weltmeisterschaften - an private Investoren zu verkaufen, steht damit vor dem Aus.

FIFA-Präsident Gianni Infantino vor dem Finale der Fußball-WM 2026.

Muss FIFA-Chef Gianni Infantino seinen Investoren-Plan begraben? Nach der UEFA haben auch die Kontinentalverbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika ihren Widerstand bekannt gegeben.

31.07.2026 | 1:36 min

Cordeiro: Infantinos Plan ablehnen

In einer Stellungnahme schreibt Cordeiro: "Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, ehemaliger Banker und lebenslanger Fußballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht."

An Infantinos Plan sei er in keiner Weise beteiligt gewesen und lehne ihn entschieden ab:

Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.

EX-FIFA-Berater Carlos Cordeiro

Deshalb - so Cordeiro - sollte Infantinos Vorhaben abgelehnt werden.

Diese Ansicht vertreten auch Europa, Asien und der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik. Infantino plant, Teile der WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen.

Medienberichten zufolge soll der FIFA-Präsident den Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September gesetzt haben. Die Verbände werden mit hohen Summen und der Aussicht auf eine nochmals erweiterte WM geködert.

Eine einfache Mehrheit soll ausreichen, um die Vorhaben umzusetzen. UEFA, CONCACAF und AFC stellen 136 von 211 stimmberechtigten FIFA-Mitgliedsverbänden.

Norwegerin Klaveness spricht von Erpressung

Lise Klaveness, Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes und hochrangige UEFA-Funktionärin, sieht Infantino massiv beschädigt. "Mein klarer Eindruck ist, dass er sehr viel Vertrauen verloren hat", sagte die als Infantino-Kritikerin bekannte Juristin am Freitag in Oslo. Auch habe der FIFA-Boss seine Kandidatur auf Wiederwahl "durch diesen Vorfall nicht gestärkt".

Dass Infantino den Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist zu seinen Plänen bis zum 19. September gesetzt hat, sei "absolut eine Form der Erpressung, ob strafbar oder nicht. Im besten Fall ist es unangemessen", so Klaveness.

Das Wort "Erpressung" sei auch bei der Zusammenkunft der UEFA-Mitgliedsverbände am Donnerstag gefallen, berichtete sie. Niemand, "kein einziger", habe in Europa von den FIFA-Plänen gewusst.

Sportökonom Christian Deutscher

Ohne die europäischen Teams sei die WM bloß ein internationales Turnier, sagt Sportökonom Deutscher. Eine konkurrierende Weltmeisterschaft eines anderen Veranstalters sei unwahrscheinlich.

30.07.2026 | 11:17 min

Streich: "Mafiöse Strukturen"

Zu den Kritikern weltweit gehört auch der Chelsea-Coach Xabi Alonso: "Fußball muss für die Menschen da sein und darf nicht in privaten Händen liegen. Genau so lieben wir ihn, und wir haben eine großartige Weltmeisterschaft erlebt."

Besonders drastische Worte wählte der ehemalige Freiburger Bundesligatrainer Christian Streich in einem Interview mit "Sky": "Was bei der FIFA abläuft, das ist hochgradig korrupt. Das sind einfach mafiöse Strukturen. Das weiß eigentlich jeder. Und dann muss es auch ausgesprochen werden."

Das ist Mafia-Gehabe, was da abläuft.

Ex-Bundesligatrainer Christian Streich

Kaben: Al-Khelaifi hätte kein Interesse auf Infantino-Nachfolge

Anfang der Woche dürfte Infantino noch davon ausgegangen sein, bei der Wahl im nächsten Jahr ohne Konkurrenz bis 2031 im Amt bestätigt zu werden. Zumal 200 Verbände rund um die WM ein Unterstützerschreiben für ihn unterzeichnet haben sollen.

Inzwischen gibt es bei der UEFA offenbar aber Überlegungen, einen Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken. Nasser Al-Khelaifi, Boss von Paris Saint-Germain und Chef des Dachverbands der europäischen Fußballvereine, soll im Gespräch sein. "Eine gute Idee", findet ZDF-Reporter Nils Kaben, denn Al-Khelaifi sei "im Weltsport sehr gut vernetzt. Aber wir hören aus seinem Umfeld, dass er kein Interesse habe, auf den FIFA-Thron zu steigen".

ZDF-Reporter Nils Kaben im Mittagsmagazin

Nasser Al-Khelaifi gilt bei der FIFA-Wahl 2027 als möglicher Gegenkandidat für Infantino. ZDF-Reporter Kaben hat aber erfahren, dass dieser kein Interesse habe, "auf den FIFA-Thron zu steigen".

31.07.2026 | 3:18 min

Quelle: dpa / SID
Über das Thema berichtete das ZDF am 31.07.2026 um 12:47 Uhr im Mittagsmagazin.

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