Nachteile in der Vorbereitung:Kroatien-Trainer rechnet mit EHF ab: "Absolute Schande"
Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson hat in einer Wutrede vor dem Halbfinale gegen Deutschland die EHF scharf kritisiert. Grund dafür ist die enge Spieltaktung der Kroaten.
Die Rede von Kroatiens Trainer Dagur Sigurdsson im Wortlaut.
29.01.2026 | 2:44 minDagur Sigurdsson kochte innerlich - und als er endlich sprechen durfte, platzte es aus ihm heraus. "Das ist inakzeptabel", schimpfte der Trainer der kroatischen Handballer auf der Pressekonferenz vor dem EM-Halbfinale am Freitag gegen Deutschland in einem knapp dreiminütigen Monolog.
Ich muss diesen Zirkus hier mitmachen. Das ist eine Schande. Die EHF interessiert sich nicht für uns Spieler und auch nicht für das Team.
Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson an die EHF
Der frühere Bundestrainer der deutschen Männer-Handballnationalmannschaft (2014-2017) bezog sich in seiner Tirade auf den vollgepackten Turnierplan für seine Mannschaft. Anders als Deutschland absolvierte Kroatien seine Hauptrundenspiele im schwedischen Malmö und musste zuletzt zwei Tage am Stück spielen.
Kroatien mit herbem Nachteil in der Vorbereitung
Am spielfreien Donnerstag stand für Kroatien der Reisetag nach Herning auf dem Programm, wo die Endrunde ausgetragen wird - und wo Deutschland seit Turnierstart spielt. Die Ankunft nach der 340 Kilometer langen Fahrt erfolgte laut Sigurdsson erst um 14:30 Uhr.
Viel Zündstoff vor dem Halbfinale der deutschen Handballer gegen Kroatien. Trainer Dagur Sigurdsson kritisiert die Europäische Handballföderation (EHF) scharf.
29.01.2026 | 0:47 min"Jetzt fahren wir 45 Minuten vom Hotel zur Halle und wieder zurück. Es ist sechs Uhr, wenn ich zurückkomme. Wir hatten kein Training, wir hatten kein Treffen mit dem Team", polterte der 52-Jährige weiter.
Sigurdsson: EHF eine "Fast-Food-Firma"
In kroatischen Medien kursierten am Donnerstag Bilder, die Spieler auf dem Gang des Mannschaftsbusses liegend während der Anreise zeigen sollen. "Das ist die Bestätigung dafür, dass sich die EHF nicht um die Spieler, nicht um die Teams kümmert. Die sind wie ein Fast-Food-Unternehmen. Die kümmern sich nicht um die Qualität, sie verkaufen nur", beschwerte sich Sigurdsson.
Kroatien gewann in der Hauptrunde mit 27:25 (13:15) gegen Ungarn und sicherte sich das Ticket fürs Halbfinale.
28.01.2026 | 4:03 minEigentlich sei die EHF "wie eine Eventfirma. Die bestellen ein paar Künstler, machen eine schöne Show, eine nette Pressekonferenz", so der 52-Jährige. "Es spielt keine Rolle, dass wir heute Morgen vier Stunden von Malmö hierherfahren mussten. Sie haben uns heute Abend in einen kalten Bus gepackt wie gefrorenes Hühnchen."
So reagiert die EHF auf Sigurdssons Wutrede
Die EHF reagierte etwa zwei Stunden später. "Der Zeitplan ist allen Mannschaften spätestens bei der Auslosung der Endrunde mehr als sechs Monate vor Beginn der Meisterschaft bekannt", heißt es.
Beim letzten Hauptrunden-Sieg gegen Frankreich passte bei den deutschen Handballern viel zusammen. Folglich gab es nach dem Halbfinal-Einzug mehrere Gewinner.
29.01.2026 | 1:09 min"Es wird anerkannt, dass die Mannschaften aus Malmö mit einer schwierigeren Situation konfrontiert sind. Es ist jedoch anzumerken, dass die Mannschaften bei früheren Meisterschaften mit ähnlichen Zeitplänen konfrontiert waren", so die EHF weiter.
Bundestrainer Gislason zeigt Verständnis für Beschwerde
Im deutschen Lager herrschte bereits vor Sigurdssons Ausraster Verständnis für die kroatischen Beschwerden. "Wir sind im Vorteil. Was die Belastung betrifft, haben wir ein Ungleichgewicht im Turnierbaum", sagte DHB-Teammanager Benjamin Chatton am Mittag.
Handball-Nationalspieler Renars Uscins im ZDF-Gespräch über den deutschen EM-Halbfinalgegner Kroatien.
29.01.2026 | 3:43 minDiesen "Wettbewerbsvorteil" gelte es zu nutzen. "Warum, wieso, das müssen andere beantworten. Aus sportlichen Gesichtspunkten sind 24 Stunden bei dieser Schlagzahl schon... Das ist nicht gleich."
Deutschlands Bundestrainer Alfred Gislason pflichtete seinem Landsmann Sigurdsson bei. "Er hat vollkommen recht und es tut mir leid", sagte der 66-Jährige.



