DHB-Team bei EM:Euphorisch ins Halbfinale - dort wartet Kroatien
von Erik Eggers
Angeführt von einem furiosen Spielmacher Juri Knorr entthront ein reifes deutsches Team bei der Handball-EM Titelverteidiger Frankreich. Der Gegner im Halbfinale ist Kroatien.
Deutschland steht im Halbfinale der Handball-EM. Dank einer starken Leistung in der Offensive schlug das DHB-Team Frankreich und spielt weiter um den Titel.
28.01.2026 | 7:20 minDer Kapitän Johannes Golla schrie seine Freude heraus, als die Schlusssirene ertönte, und danach fielen sich die deutschen Handballer jubelnd in die Arme. Denn mit dem 38:34 (19:15)-Sieg hatte das Team von Bundestrainer Alfred Gislason nicht nur den Titelverteidiger aus Frankreich entthront. Auch das Halbfinale der 17. EM im dänischen Herning war damit perfekt. "Das war eine Riesenleistung", freute sich Gislason.
Aus meiner Sicht ist die Mannschaft im Turnierverlauf sehr gewachsen.
Alfred Gislason, Bundestrainer
"Jetzt wollen wir auch Europameister werden", sagte Miro Schluroff mit leuchtenden Augen, nachdem das Minimalziel des Teams realisiert war. Auch sein Kollege Renars Uscins will nun mehr: "Wir wollen unbedingt in dieses Finale." Zugleich wusste er, dass nach einem solchen Höhepunkt auch eine Gefahr droht. "Jetzt gilt es, die Spannung aufrechtzuerhalten", mahnte der Rückraum-Linkshänder.
Kroatien gewann in der Hauptrunde mit 27:25 (13:15) gegen Ungarn und sicherte sich das Ticket fürs Halbfinale.
28.01.2026 | 4:03 minIm Halbfinale gegen Sigurdssons Kroatien
Am Freitag heißt der Gegner dann Kroatien. Diesen Gegner hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in zwei Testspielen vor der EM zweimal souverän geschlagen. Trainiert wird Kroatien vom Isländer Dagur Sigurdsson, der Deutschland 2016 in Krakau zum letzten Titel bei Kontinentalmeisterschaften geführt hatte.
Nach zuletzt durchwachsenen Auftritten war der Glaube des Teams, etwas Großes zu erreichen, offensichtlich etwas verloren gegangen. Nun ist er plötzlich zurück - auch weil Spielmacher Juri Knorr, das Sorgenkind des Teams, nach seiner Einwechslung in der 15. Minute mit einem furiosen Auftritt förmlich explodierte.
Der Lauf des Juri Knorr
Das erste Mal traf Knorr zum 9:7 (17.) und zog dabei noch eine Zeitstrafe für die Franzosen. Aus diesem Treffer holte er so viel Selbstvertrauen, dass er fortan mit viel Tempo auf die Abwehr zulief und einfach weiter warf. "Juri hat dann seinen Geschwindigkeitsvorteil ausgenutzt", sagte Uscins.
Sechs Tore Knorrs aus sechs Versuchen sorgten für eine klare 19:15-Pausenführung. Und nach Wiederanpfiff dauerte es nur 28 Sekunden, bis er seinen nächsten Ball ins französische Tor einschweißte. Kurz darauf, in Minute 34, netzte er im zehnten Versuch seinen zehnten Treffer ein zum 24:19. "Juri war heute phänomenal", lobte ihn Gislason.
Heute hat er das beste Spiel abgeliefert, was ich je von ihm gesehen habe.
Bundestrainer Gislason über Juri Knorr
Der Druck war riesig, doch sie hielten stand. Die deutschen Handballer besiegten im letzten Spiel der EM-Hauptrunde Frankreich und stehen damit im Halbfinale.
28.01.2026 | 1:29 minLeistungssteigerung in der Offensive
Aber als Knorr nicht mehr traf, kamen andere. Zum Beispiel im linken Rückraum Marko Grgic, der seine starke Leistung aus dem Spiel gegen Dänemark bestätigte. Auch Uscins und die Flügelspieler Lukas Zerbe und Lukas Mertens lieferten, als der französische Star Dika Mem (elf Tore) auf 28:27 (48. Minute) verkürzte. "Wir waren das ganze Spiel da", sagte Knorr. Jeder Spieler habe seinen Beitrag geleistet.
Die enorme Leistungssteigerung des bisher labilen deutschen Angriffs kam im rechten Moment, da die Abwehr löchriger war als zuletzt. Abwehrspezialist Tom Kiesler hatte wegen einer Grippe kurzfristig passen müssen. "Er ist aus meiner Sicht der beste Abwehrspieler des Turniers", sagte Gislason.
Bundestrainer:Gislason: "Jetzt wollen wir auch ins Finale"
Selbstvertrauen für die kommenden Tage
Darunter, dass Rückraumstar Dika Mem immer wieder frei zum Wurf kam, litten die deutschen Keeper. Andreas Wolff und David Späth parierten nur 19 Prozent, eigentlich zu wenig auf diesem Niveau. Aber als Wolff in der 48. Minute zurückkam, "da hat er sofort wichtige Bälle gehalten und sehr geholfen", lobte Gislason.
So zogen die Deutschen, die eine abgeklärte und reife Leistung zeigten, in der Crunchtime wieder davon. Und als Julian Köster entschlossen zum 36:32 traf, war diese Partie, die für die kommenden Tage viel erhoffen lässt, endgültig entschieden. "Hätten mir das jemand vor zwei Tagen gesagt, ich hätte ihm den Vogel gezeigt", sagte Knorr und lächelte still in sich hinein.



