Handball-Doku "Köster & Knorr": Knorr will neugierig bleiben

Handball-Doku "Köster & Knorr":Knorr: "Ich will neugierig bleiben"

von Erik Eggers

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Für den Handballer Juri Knorr ist die Europameisterschaft in Dänemark ein halbes Heimspiel. In einer neuen Doku offenbart er seine Zweifel an seinem Wechsel nach Aalborg.

Köster und Knorr - Auf dem Weg an die Handballspitze

Zwei Wege, ein Ziel: Julian Köster und Juri Knorr prägen den deutschen Handball - und wollen bei der Europameisterschaft 2026 in Skandinavien Geschichte schreiben.

09.01.2026 | 43:30 min

Ein Heimspiel liegt vor Juri Knorr. Zumindest ein halbes. Ist der Handballprofi doch seit Sommer zu Hause im dänischen Aalborg, einem gemütlichen Städtchen in der Ebene Jütlands. Und das liegt nur ein paar Kilometer entfernt von Herning, der Spielstätte der deutschen Nationalmannschaft bei der am 15. Januar startenden Handball-Europameisterschaft 2026.

Vokabelheft immer dabei

Inzwischen gibt Knorr sogar schon Interviews auf Dänisch - obwohl viele Konsonanten verschluckt werden und es überhaupt manchmal klingt, als benötige man dafür eine heiße Kartoffel im Mund. Wenn Knorr auf Reisen ist, dann ist aber immer noch sein selbst geschriebenes Vokabelheft dabei.

Bei mir wird es langsam besser, aber es ist keine so einfache Sprache.

Juri Knorr, Handball-Nationalspieler

Die "sportstudio"-Dokumentation "Köster & Knorr" hat den Spielmacher in seinen ersten Monaten im Ausland begleitet. In den Interviews, die dabei entstanden sind, mit Knorr und Freundin Frederike und Schwester Vibe, spricht er offen über schwierige Phasen: "Es gab grad am Anfang schon Momente, in denen ich bisschen dran gezweifelt habe." Der Einstieg sei "schon härter als gedacht" gewesen.

Ungewöhnliche Selbstauswechslung

So laut auch seine Würfe an den Innenpfosten krachen - dieses leise Zweifeln gehört zu seinem Wesen. Unvergessen jene Szene, als sich Knorr im EM-Halbfinale 2024 gegen Dänemark selbst auswechselte, weil er meinte, der Mannschaft nicht mehr helfen zu können. Eine Aktion, die sehr, sehr ungewöhnlich war in diesem beinharten Sport.

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In den ersten Wochen in Aalborg habe ihm, erzählt Knorr, seine Partnerin enorm geholfen. In dieser Zeit habe er gemerkt, "was es bedeutet, wenn man jemand hat, auf den man sich verlassen kann, dem man vertraut, der einen auch versteht". Überhaupt bewundere er seine Freundin für ihre Entspanntheit im Job. "Es ist so, dass ich sie auf der emotionalen Ebene vielleicht häufiger brauche als sie mich."

Fokussierte Karriereplanung

Auf der anderen Seite steht in der steilen Karriere des Juri Knorr, der inzwischen auf über 80 Länderspiele für Deutschland kommt, immer schon der große Ehrgeiz und eine starke Fokussierung auf den Leistungssport. "Juri wusste früher, was er erreichen will", sagt Julian Köster, der zweite Protagonist der Dokumentation, über ihre Zeit in der U18-Auswahl.

Knorr wollte unbedingt gegen die Idole seiner Jugend spielen, gegen Nikola Karabatic, Mikkel Hansen oder Andy Schmid. Und dafür katapultierte er sich schon früh aus seiner Komfortzone, als er, gerade 18 Jahre alt, in die berühmte Nachwuchsakademie des FC Barcelona ging.

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Enorme Erwartungshaltung

Äußerst hilfreich bei der Karriereplanung: der Vater. Thomas Knorr war viermal Meister mit dem THW Kiel, und seine Sprungwürfe aus dem Rückraum ließen ihn die Torjägerkrone bei der EM 1996 gewinnen. Der Sohn hatte auch großes Talent im Fußball. Aber "Handball", sagt Juri, "wurde mir in die Wiege gelegt".

Der große Vater, das sehr frühe Debüt in der DHB-Auswahl, die Rolle als Mädchenschwarm, mit der er fremdelte - Knorrs Weg war nicht leicht.

Er hat immer eine große Erwartungshaltung von außen mit sich herumtragen müssen.

Johannes Golla, Kapitän des DHB-Teams über Knorr

Zeit für Veränderungen

Aber inzwischen, da er in Aalborg in der Champions League wichtige Erfahrungen sammelt und in der Nationalmannschaft auch Typen wie Renars Uscins große mediale Aufmerksamkeit erhalten, spielt es sich für Knorr leichter. Er betrachtet sich ohnehin nicht als Solisten. "Ich sehe mich als Teil des Teams."

Und auch in Aalborg hat er sich inzwischen eingefunden. "Jetzt sehe ich es entspannter", sagt er leise. "Man muss sich Zeit für Veränderungen geben. Ich will auch neugierig bleiben."

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Sportstudio: Handball
Über dieses Thema berichtet die ZDF Sportstudio-Dokumentation "Köster & Knorr - Auf dem Weg an die Handball-Weltspitze" am 09.01.2026 um 05:30 Uhr.
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