Handball-EM: Bundestrainer Alfred Gislason rührt hinten Beton an

DHB-Kader für Handball-EM:Alfred Gislason rührt hinten Beton an

von Erik Eggers

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Bei der Kader-Nominierung für die Handball-EM richtet Bundestrainer Alfred Gislason den Fokus auf die Defensive. Engpässe deuten sich dagegen auf halbrechts in der Offensive an.

Große Überraschungen gab es nicht bei der deutschen Kader-Bekanntgabe für die Handball-EM 2026 in Dänemark, Norwegen und Schweden, wenn man mal von der Nicht-Berücksichtigung des Füchse-Außen Tim Freihöfer absieht. "Ich habe bei der Nominierung großen Wert auf die Abwehr gelegt", erklärte Bundestrainer Alfred Gislason, als er am heutigen Mittwoch in Dortmund den 18er-Kader für die EM im Januar präsentierte.

Der Isländer warnte zwar vor der schweren Auslosung, zeigte sich aber optimistisch: "Wir haben eine gewachsene, aber weiterhin junge Mannschaft", sagte Gislason.

Wir müssen schnell auf unser Topniveau kommen, denn der Modus verzeiht bei diesen Gegnern keine Fehler.

Bundestrainer Alfred Gislason

Das deutsche Team, das während des gesamten Turniers in Herning stationiert ist, hat das schwerste Turniertableau seit vielen Jahren erwischt. Sollte sie sich in der Vorrunde gegen Österreich (15. Januar / ARD), Serbien (17. Januar / ARD) und Spanien (19. Januar / live im ZDF) durchsetzen, warten in der Hauptrunde neben Portugal und Norwegen auch die Topfavoriten aus Dänemark und Frankreich. Nur die ersten zwei der sechs Teams qualifizieren sich für das Halbfinale.

Schwere Gegner für deutsche Handballer

"Das ist kein Los, das man sich wünscht", hatte Torhüter Andreas Wolff (THW Kiel), der letzte verbliebene Europameister von 2016 im Kader, schon vor den letzten Tests gegen Island gestöhnt. "Aber wir können jeden schlagen - auch Dänemark, wenn wir einen perfekten Tag erwischen."

Der Optimismus des Keepers, der wie Rune Dahmke (Kiel) und Jannik Kohlbacher (Löwen) schon bei dem EM-Titel 2016 dabei war, speist sich aus der Hoffnung, dass die Abwehr mit dem aufstrebenden Spezialisten Tom Kiesler, 24, Beton anmischen könnte. Nachdem der Gummersbacher in seinem Debüt am 30. Oktober gegen Island im Verbund mit Kapitän Johannes Golla brilliert hatte, lobte ihn Wolff überschwänglich. "Er ist ein absolutes Monster."

Handballer

Das DHB-Team zeigte sich gestern gegen Island in bestechender Frühform. In Vorbereitung auf die Handball-EM gewannen die Deutschen mit 42:31 und tanken Selbstvertrauen für ihre Mission EM-Medaille.

31.10.2025 | 1:39 min

Abwehr-Monster auf halblinks

Auf der halblinken Königsposition, auf der bis zur EM 2024 der Gummersbacher Julian Köster den Alleinunterhalter spielte, ist die Auswahl groß, dort machten nicht nur dessen Klubkollege Miro Schluroff und noch mehr Marko Grgic auf sich aufmerksam. Wie Schluroff wird nun auch Matthes Langhoff (Füchse) sein Turnierdebüt feiern.

"Matthes ist, wie Kiesler, ein extrem guter Abwehrspieler, der dort vielseitig einsetzbar ist. Aber er hat sich auch sehr verbessert im Tempogegenstoß und in der zweiten Welle", sagte Gislason.

Gislason schätzt Dahmke als Persönlichkeit abseits des Feldes

Auch die recht überraschende Nominierung Dahmkes auf Linksaußen rechtfertigte er mit dessen Fähigkeiten in der Verteidigung. Außerdem sei Dahmke mit seiner Persönlichkeit auch abseits des Feldes für die Mannschaft sehr wichtig. Leittragender dieser Entscheidung ist somit Tim Freihöfer von den Füchsen Berlin.

Als Regisseur war Juri Knorr, der sich im dänischen Aalborg prächtig eingelebt hat, ohnehin gesetzt. Nur die Linkshänder-Position im Rückraum wirft plötzlich Fragezeichen auf. Denn Renars Uscins (Hannover), der Star beim Gewinn der olympischen Silbermedaille 2024, befindet sich in einem Formtief. Auch deshalb hatte der Bundestrainer den Routinier Kai Häfner (Stuttgart), 36, als "Notnagel" in den 35er-Kader aufgenommen.

Juri Knorr

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30.10.2025 | 1:21 min

Fragezeichen im DHB-Team

Uscins wird sich die Position nun teilen mit dem Leipziger Franz Semper. Linkshänder Nils Lichtlein (Füchse) ist zwar in starker Form aus einer Verletzung zurückgekommen, spielt im Klub schließlich meistens auf Rückraum Mitte - und hat den Nachteil, dass er in der Abwehr, auf die Gislason großen Wert legt, einige Defizite aufweist.

Der 18er-Kader des DHB für die Handball-EM:

  • Tor: Andreas Wolff (THW Kiel), David Späth (Rhein Neckar-Löwen)

  • Linksaußen: Lukas Mertens (SC Magdeburg), Rune Dahmke (THW Kiel)

  • Rechtsaußen: Lukas Zerbe (THW Kiel), Mathis Häseler (VfL Gummersbach)

  • Kreis: Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), Jannik Kohlbacher (Rhein Neckar-Löwen), Justus Fischer (TSV Hannover-Burgdorf)

  • Rückraum: Juri Knorr (Aalborg Handbold), Julian Köster, Miro Schluroff, Tom Kiesler (alle VfL Gummersbach), Marko Grgic (SG Flensburg-Handewitt), Renars Uscins (TSV Hannover-Burgdorf), Franz Semper (SC DHfK Leipzig), Nils Lichtlein, Matthes Langhoff (beide Füchse Berlin).

Auch das sprach bei der Nominierung nun für Miro Schluroff, der ein starker Verteidiger ist und außerdem auch auf halbrechts spielten kann. Hungrig auf den Erfolg ist auch er. "Wenn ich auflaufe, dann will ich jedes Spiel gewinnen", sagt er.

Und auch Tom Kiesler zeigt sich ambitioniert vor seiner ersten großen Bewährungsprobe:

Wenn ich ein solches Turnier spiele, dann nicht, um Vierter zu werden.

Tom Kiesler

Alles Wichtige zur Handball-EM 2026
:EM-Hauptrunde: ZDF zeigt zwei deutsche Spiele live

Die Handball-EM 2026 der Männer findet vom 15. Januar bis 1. Februar in Dänemark, Schweden und Norwegen statt. Mit dabei ist auch die deutsche Mannschaft von Alfred Gislason.
von Bastian Grieble
Alfred Gislason (Deutschland, Trainer) und Juri Knorr.
FAQ
Über das Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 17.12.2025 in den Beiträgen "Gislason: "Wir wollen Halbfinale erreichen" um 12:49 Uhr und "DHB-Team mit vier Neuen - aber ohne einen Härtefall" um 13:49 Uhr.
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