Duelle am letzten Gruppenspieltag:Wie die WM mit 48 Teams Tricks und Absprachen provoziert
Durch die Aufstockung auf 48 Teams qualifizieren sich acht der zwölf Gruppendritten für die K.o.-Runde. Was das für skurrile Folgen am dritten Spieltag mit sich bringen könnte.
Michael Gregoritsch wird mit dem ÖFB bereits vor dem Anpfiff gegen Algerien wissen, welche Tabellenkonstellationen möglich sind.
Quelle: IMAGO / Ulmer/TeamfotoWenn Fans in den kommenden Tagen den Fernseher für die Spiele der Fußball-WM einschalten, könnten sie regelmäßig ein relativ ungewöhnliches Szenario beobachten. Statt zwei Teams auf Sieg spielen zu sehen, wird es gleich mehrere Male Konstellationen geben, in denen beide Mannschaften schon vor dem Spiel wissen: Ein Unentschieden, das reicht eigentlich.
Grund dafür sind die Neuerungen im Regelwerk der FIFA bei diesem Turnier. Anders als zuletzt in Katar gilt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich vor dem Torverhältnis. Da nach dem zweiten Spieltag bereits einige Gruppenerste und Gruppenletzte feststehen, wissen einige Mannschaften, dass für das eigene Ziel ein Remis völlig ausreicht.
Angesichts des Quervergleichs von zwölf Vierergruppen im Kampf um die acht besten Dritten dürften dabei die Skurrilitäten von Tag zu Tag zunehmen. Die hinteren Gruppen, die erst am Freitag und Samstag im Einsatz sind, wissen dann nämlich ziemlich genau, wie viele Punkte und welches Torverhältnis es braucht, um einen der begehrten acht Plätze zu belegen.
Lange rennt die DFB-Elf im zweiten Gruppenspiel einem Rückstand hinterher. Doch dann beweist Bundestrainer Nagelsmann mit seinen Auswechslungen ein glückliches Händchen.
21.06.2026 | 10:09 minVorgeschmack bereits zum Auftakt des letzten WM-Gruppenspieltags?
Schon der Auftakt zum dritten Spieltag zwischen Gastgeber Kanada und der Schweiz am Mittwochabend könnte heikel werden. Sowohl Kanada als auch die Schweiz haben in Gruppe B vier Punkte und liegen damit deutlich vor Bosnien-Herzegowina und Katar (jeweils 1). Ein Remis im direkten Duell führt dazu, dass beide sicher die K.o.-Runde erreichen.
Kanada wäre Gruppensieger und würde im heimischen Vancouver bleiben. Die Schweiz wäre Zweiter und bekäme in Südkorea, Südafrika oder Tschechien einen vergleichsweise machbaren Gegner. "Wir wollen gewinnen", sagte Kanadas Verteidiger Derek Cornelius zwar. Er sagte aber auch: "Davon abgesehen müssen wir in den letzten Spielminuten natürlich mit Köpfchen spielen und auf den Spielstand achten."
Im Topspiel der Gruppe J bekommt es Titelverteidiger Argentinien mit Österreich zu tun. Superstar Lionel Messi schreibt ein neues Kapitel Fußballgeschichte.
22.06.2026 | 9:23 minWiederholt kuriose Ausgangssituationen bei WM möglich
Dieses Mitrechnen im Kopf dürfte gleich bei mehreren Paarungen stattfinden. In Gruppe D stehen zum Beispiel der Gruppensieger USA und der Gruppenletzte Türkei fest. Da vier Punkte nicht die schlechteste Ausgangslage für das Ticket zum Sechzehntelfinale sein dürften, könnten sich Australien und Paraguay hier einig werden.
Doch auch der Faktor Zeit spielt eine gehörige Rolle. Die komfortabelste Ausgangslage haben Österreich und Algerien in Gruppe J. Vor dem Duell in Kansas City stehen mit Argentinien der Sieger und Jordanien der Letzte jener Gruppe fest. Da zu diesem Zeitpunkt alle anderen Partien gespielt sind, wissen die Kontrahenten bereits vor dem Anpfiff, welches Ergebnis zum Weiterkommen reicht und welcher Gegner in den jeweiligen Tabellenkonstellationen wartet.
Das Vorrundenspiel der Gruppe I zwischen Frankreich und dem Irak wurde wegen eines Unwetters für über zwei Stunden unterbrochen. Am Ende war es eine klare Angelegenheit.
23.06.2026 | 7:52 minLehren aus der WM-Geschichte
Eigentlich wurde versucht, einer solche Art der taktischen Vorplanung entgegenzuwirken. Bei der "Schande von Gijón" stellten Deutschland und Österreich 1982 nach einem frühen 1:0 der Deutschen, das beiden Nationen zum Weiterkommen verhalf, das Spielen ein. Nach einer globalen Protestwelle änderte die FIFA für das Folgeturnier ihr Reglement und setzte die Paarungen des letzten Spieltages zeitlich gleich.
Durch die gruppenübergreifende Top 3-Regel wird das Taktieren jedoch wieder erleichtert. Das zeigt auch ein Beispiel der vergangenen Europameisterschaft, bei der seit 2016 ebenfalls die besten Gruppendritten die K.o.-Runde erreichen können. Vor zwei Jahren trennten sich bei der EM in Deutschland Rumänien und die Slowakei mit 1:1 - schon vorher war klar, dass beiden Nationen genau jenes Remis zum Einzug ins Achtelfinale genügen würde. Es bleibt abzuwarten, welche Fälle dieser XXL-WM drohen.
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