US-Fußball mit Export-Pipeline: Warum die Zukunft in Europa liegt

Mit "Export-Pipeline" aus dem Mittelmaß:Warum die Zukunft des US-Fußballs in Europa liegt

von Heiko Oldörp

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Die USA sind eine der erfolgreichsten Sportnationen der Welt. Nur im Fußball hängen sie bei den Männern hinterher. Doch es geht aufwärts, wenn auch langsam.

Die US-Spieler Christian Pulisic, Weston McKennie und Folarin Balogun jubeln

Christian Pulisic (Nummer 10) und Weston McKennie gingen als junge Kerle nach Europa und wurden dort Top-Spieler. Links Folarin Balogun.

Quelle: ddp

Die Überschrift hatte es in sich. "Warum haben die USA, die reichste und erfolgreichste Sportnation der Welt, nie einen männlichen Fußball-Superstar gehabt?", fragte "The Athletic" kurz vor Beginn dieser Fußball-Weltmeisterschaft.

Eine berechtigte Frage. Und eine Frage, die viele beschäftigt. Denn die USA sind ja tatsächlich in vielen bedeutenden Sportarten Weltklasse. Und sie sind es auch im Fußball, allerdings bei den Frauen. Die Männer indes kamen bislang nie über das Prädikat maximal Mittelklasse hinaus.

Soccer nicht so tief in Amerikas Gesellschaft verwurzelt

Klar ist: Der Fußball ist in den USA nicht so verwurzelt in der Gesellschaft wie in Südamerika oder Europa. Er galt lange Zeit als Sport der Einwanderer und der Arbeiterklasse. Während in den klassischen Fußball-Nationen die besten Athleten Fußballer werden, streben sie in den USA oft zum American Football oder Basketball.

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Doch Soccer wird immer populärer. Amerika hat mittlerweile knapp drei Millionen registrierte Kicker. Und die Staaten sind weit gekommen seit der Heim-WM 1994. Damals hatten die USA nicht einmal eine Profiliga, die Major League Soccer begann erst zwei Jahre später. Mittlerweile umfasst sie 30 Teams in den USA und Kanada. Lionel Messi (Inter Miami) spielt hier, Robert Lewandowski hat gerade bei Chicago Fire unterschrieben.

Viel erreicht, aber noch weiter Weg zu gehen

Es gibt in dem riesigen Land flächendeckenden Nachwuchs-Fußball. Es gibt Jugend-Akademien. Und es gibt Förderung. Das Top-Nachwuchssystem, MLS NEXT, umfasst 16.000 Spieler verteilt auf sechs Altersgruppen in 151 Vereinen.

Wir haben schon viel erreicht, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Studie der Universität von Samford im US-Bundesstaat Alabama

Aus der Untersuchung geht hervor, dass der Weg in die Nationalmannschaft für Soccer-Spieler 1994 noch so war wie bei fast allen US-Sportarten: Sie spielten vier Jahre an der High School, dann vier Jahre am College und unterschrieben mit 22, 23 Jahren einen Vertrag mit dem US-Soccer-Verband.

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Denn die MLS gab es eben noch nicht - und somit auch keine Nachwuchs-Akademien. 73 Prozent des US-Kaders waren 1994 diesen traditionellen Weg gegangen. Niemand hatte die USA in jungen Jahren verlassen, um seine Entwicklung in Europa voranzubringen.

Klinsmann nannte College-Jahre "verschwendete Zeit"

Das US-Team, das 2002 im WM-Viertelfinale 0:1 an Deutschland scheiterte, hatte noch 18 Akteure, die High School-Soccer gespielt hatten. Ein Großteil des Teams kickte anschließend am College.

Jürgen Klinsmann hatte schon während seiner Zeit als US-Nationaltrainer (2011 bis 2016) die vier Jahre College-Soccer als "verschwendete Zeit" bezeichnet und betont, dass "alle US-Nationalspieler in Europa spielen" sollten.

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Die USA sind diesbezüglich auf einem guten Weg. 58 Prozent des aktuellen 26er WM-Kaders sind in England, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden unter Vertrag. 42 Prozent davon haben die Heimat als Teenager Richtung Europa verlassen und sind in europäischen Nachwuchs-Akademien geformt worden. Einer von ihnen ist Christian Pulisic. Er wechselte als 16-Jähriger zu Borussia Dortmund.

Bundesliga-Nachwuchszentren begehrte Station für US-Talente

Andere Beispiele von Spielern, die einst in deutsche Fußballakademien wechselten, sind Giovanni Reyna (16 Jahre/Dortmund), Weston McKennie (17/Schalke), Joe Scally (18/Gladbach), Chris Richards (18/FC Bayern München). "Alles drehte sich nur um Fußball, den ganzen Tag", erinnert sich McKennie an seine Zeit in der Schalker "Knappenschmiede".

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In den USA nennen sie diesen Weg "Export-Pipeline". Elf der 26 Profis des WM-Kaders sind durch diese Pipeline Nationalspieler geworden. Nur noch 23 Prozent entstammen dem klassischen High-School-College-Profivertrag-Weg. Bei "NBCSports" hieß es deshalb: "Die Tage des traditionellen US-Fördersystems sind vorbei."

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