WM-Kracher gegen Spanien: Österreichs zweite Chance

WM-Kracher gegen Spanien:Österreichs zweite Chance

von Claudio Palmieri, Wien

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Im WM-Sechzehntelfinale gegen Europameister Spanien ist Österreich krasser Außenseiter. Doch nach dem Last-Minute-Drama gegen Algerien wittert die Rangnick-Elf eine neue Chance.

Österreicher Spieler jubeln anch dem Siegtor von Sasa Kalajdzic

Das späte Siegtor von Sasa Kalajdzic hält die ÖFB-Elf zunächst im Turnier. Im Sechzehntelfinale wartet jetzt aber Europameister Spanien.

Quelle: IMAGO / EPA

Das deutsche WM-Debakel gegen Paraguay beschäftigt natürlich auch Österreich. Wer sich in Wiener Cafés nach der Stimmung vor dem Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Spanien am Donnerstag (21 Uhr) umhört, bekommt schnell mal eine Antwort wie: "Najo, wenigstens san ma drei Tog länger dabei ois die Deitschn." Ganz ohne Schmäh geht es eben nicht.

Deutlich fachkundiger greift die Kronen Zeitung das Aus des großen Nachbarn auf. "Einmal mehr setzte sich der 'Kleine' durch, das gibt auch Österreich vor dem morgigen Hit gegen Spanien Hoffnung", spekulierte das Boulevardblatt am Mittwoch auf der Titelseite.

Spätes Kalajdzic-Tor erlöst Österreich

Die Chance des ÖFB-Teams gegen den Europameister: Sie scheint vor allem im Bewusstsein darüber zu liegen, dass es diese Chance beinahe gar nicht gegeben hätte. Nachdem Riyad Mahrez den Nichtangriffspakt zwischen Österreich und Algerien mit dem 3:2 für die Nordafrikaner in der dritten Minute der Nachspielzeit durchbrach, war das Vorrunden-Aus der Elf um den deutschen Teamchef Ralf Rangnick eigentlich schon besiegelt.

Österreich Jubel

Mit einem irren 3:3 gegen Algerien und dem Ausgleichstreffer von Sasa Kalajdzic in der 6. Minute der Nachspielzeit rettet Österreich das Weiterkommen.

28.06.2026 | 0:17 min

Der 3:3-Ausgleich durch den frisch eingewechselten Sasa Kalajdzic in Minute 96 rang dann wohl nicht nur ORF-Kommentator Daniel Warmuth ein lautes "Bist du deppat" ab. "Wir waren… wir waren halt raus für ein paar Minuten und - wir sind noch dabei", sagte Vorlagengeber Michael Gregoritsch kurz danach im ZDF mit tränenerstickter Stimme.

Grillitsch: "Ich glaube, dass das mental sehr gut für uns war"

"Uns ist bewusst geworden, dass es schnell vorbei sein kann", ordnete Mittelfeldmann Florian Grillitsch am Dienstag mit etwas Abstand ein: "Ich glaube, dass das mental sehr gut für uns war." Phillipp Mwene schlug in dieselbe Kerbe. "Es hat uns gezeigt, dass alles möglich ist, egal wie aussichtslos die Situation erscheint", erklärte der Außenverteidiger von Mainz 05:

"Und es hat uns die Gewissheit gegeben: Auch wenn Spanien ein scheinbar übermächtiger Gegner ist, haben wir trotzdem die Chance, weiterzukommen."

Phillipp Mwene

Doch bei aller Freude über die zweite Chance: Es gibt Gründe, warum Österreichs Vorrundenabschluss so dramatisch verlief. Sechs Gegentore in den drei Gruppenpartien gegen Jordanien (3:1), Titelverteidiger Argentinien (0:2) und Algerien sind mehr als die Rangnick-Elf in acht Qualifikationsspielen zuließ (vier).

Michael Gregoritsch

Nach der irren Schlusphase im WM-Spiel gegen Algerien kämpft der Österreicher Michael Gregoritsch im ZDF-Interview mit den Tränen.

28.06.2026 | 0:51 min

Rangnicks Gegenpressing bleibt bislang aus

Nach eigenen Treffern schalteten die als Geheimfavorit gehandelten Alpenkicker zu oft einen Gang zurück - und kassierten fast immer prompt die Quittung. In der Schlussphase gegen Algerien stellte Österreich sein Offensivspiel quasi komplett ein. Mittelfeldroutinier Marcel Sabitzer bezeichnete das Auftreten hinterher nicht zu Unrecht als "teilweise unseriös".

Österreichs Sportpresse kritisiert derweil, dass dem ÖFB-Team das für Rangnick typische Gegenpressing abgehe. ORF-Experte Roman Mählich vermisst "die Gier, Bälle zu erobern", die Rangnicks Spiel ausmache. Die Gegner hätten sich die Spielweise "genau angeschaut", meint der Ex-Nationalspieler, der auch den Ausfall von Offensiv-Ass Christoph Baumgartner beklagt:

Baumi war unser bester Spieler - unser Schlüsselspieler, gegen und mit dem Ball.

Roman Mählich

Sportlich weckt die Lage mehr Erinnerungen an die EM 2021 unter Ex-Coach Franco Foda als an die starke EM 2024, als Österreich vor Frankreich, den Niederlanden und Polen als Gruppensieger in die K.o.-Phase einzog.

In der WM-Partie zwischen Algerien und Österreich kämpfen nach einer Ecke die österreichischen Nationalspieler Stefan Posch und Philipp Lienhart gegen ihre algerischen Kontrahenten um den Ball

In Gruppe J streiten sich Algerien und Österreich um Platz zwei. Eine der Eckfahnen übernimmt eine Hauptrolle, in der Nachspielzeit wird es verrückt.

28.06.2026 | 9:26 min

Herzog: "Wir haben nicht viel zu verlieren"

Das muss kein schlechtes Omen sein. Denn während die Stimmung im ÖFB-Lager vor dem EM-Achtelfinale 2024 einem Idyll glich und das Aus gegen die Türkei für eine kollektive Schockstarre sorgte, sprach vor fünf Jahren - wie auch jetzt - wenig für Österreich. Am Ende zwangen die Burschen den späteren Europameister Italien in die Verlängerung (1:2).

ORF-Experte Andreas Herzog erwartet gegen Lamine Yamal und Co. ein ähnliches Match wie gegen Argentinien, den bisher wohl besten WM-Auftritt - eben weil Österreich das Spiel nicht selbst machen muss. "Wir haben nicht viel zu verlieren", glaubt der frühere Bundesliga-Star: "Wir werden zu zwei, drei Möglichkeiten kommen, und wenn wir die nutzen, können wir eine Sensation schaffen - sonst nicht."

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