Fußball-WM mit 64 Teams? Was dafür und dagegen spricht

Fußball-WM künftig noch größer?:Was für eine WM mit 64 Teams spricht - und was dagegen

Tobias Bluhm

von Tobias Bluhm

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FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Großes mit der Fußball-WM vor: Künftig könnten bis zu 64 Teams am Turnier teilnehmen. Was für und gegen eine Erweiterung spricht.

Kanada, Vancouver: FIFA-Präsident Gianni Infantino geht nach seiner Rede während des 76. FIFA-Kongresses am WM-Pokal vorüber.

Gianni Infantino hat Großes mit dem Weltfußball vor. Doch es gibt Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer WM mit 64 Teams.

Quelle: dpa

An kreativen Geschäftsideen mangelt es bei Gianni Infantino nun wahrlich nicht. Von immer neuen Vorstößen hält den FIFA-Präsidenten auch nicht ab, dass seine Ideen bei Fußballfans regelmäßig auf Ablehnung stoßen. Heftige Kritik zog zum Beispiel der "FIFA-Friedenspreis" nach sich, den er im vergangenen Jahr augenscheinlich allein für seinen Freund Donald Trump erfand.

Wohlwollend könnte man Infantino zugute halten, dass er sein "Produkt Fußball" wirtschaftlich bestmöglich nutzen will. Das unterscheidet ihn nicht von anderen Geschäftsleuten.

FIFA President Gianni Infantino makes comments during the opening ceremony of the International Broadcast Center Monday, June 1, 2026, in Dallas. (AP Photo/Tony Gutierrez)

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Fußball-Puristen hingegen bemängeln, dass bei Infantino längst sportliche Aspekte hinter Profitinteressen zurücktreten. Und so war es ganz besonders für sie nicht überraschend, dass der Schweizer noch während der laufenden XXL-WM mit 48 Teams und 104 Spielen laut darüber nachdachte, das Turnier zum XXXL-Event mit 64 Mannschaften auszubauen (das Finale der WM 2026 zeigt das ZDF am Sonntag ab 19:30 Uhr live).

Kommt es beim Sport-Spektakel vielleicht doch auf die Größe an? Was spricht für und gegen eine weitere Erweiterung des Turniers?

Wie eine 64er-WM für Fußball-Märchen sorgen kann

Zumindest ein sportlich positiver Aspekt einer Erweiterung liegt auf der Hand: Mehr Teams würde mehr globale Teilhabe bedeuten. Ozeanien könnte einen zweiten Startplatz erhalten, Afrika und Asien künftig 13 und zwölf statt neun und acht Mannschaften an den Start bringen.

Mehr Länder würden auch Potenzial für mehr "Fußball-Märchen" bedeuten. Wer hätte schon etwas gegen eine weitere Story à la Kap Verde einzuwenden? Außerdem könnten zusätzliche Partien längere Regenerationspausen zwischen zwei Spielen bedeuten.

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Rechenspiele: WM-Vorrunde im Ligamodus statt in Gruppen?

Zumindest einen Gedanken sind auch einige Rechenspiele wert. 48 Teams erforderten bei dieser WM ein kompliziertes Verfahren, um die besten Gruppendritten zu ermitteln. 495 Optionen gab es vor dem Turnier für die finale Zuteilung der Sechzehntelfinals, die erst am Tag vor der ersten K.-o.-Partie feststanden.

64 Mannschaften würden die Mathematik erleichtern - zum Beispiel mit acht Achter- oder 16 Vierergruppen, aus denen sich die jeweils besten vier beziehungsweise zwei für das Sechzehntelfinale qualifizieren könnten. Das komplizierte Beste-Gruppendritte-Format wäre abgeschafft - eine begrüßenswerte Vereinfachung.

Oder braucht es bei so vielen Nationen doch ein ganz anderes Format, zum Beispiel einen Liga-Modus wie in der Champions League? Fünf oder sechs Vorrunden-Spieltage versprächen Spannung - würden aber auch mehr sportlich fragwürdige Tiebreak-Entscheidungen und bis zu 160 Vorrunden-Spiele bedeuten.

Schon beim bisherigen Modus in Vierergruppen würde die Vorrunde einer 64er-WM nach 96 Begegnungen enden. Selbst das ist viel, hält man sich die 104 Spiele bei der WM 2026 vor Augen - inklusive der gesamten K.-o.-Phase.

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Platznot bei aufgeblähter Fußball-WM

Wo wir beim Thema Aufgeblähtheit wären. Denn egal, nach welchem Format eine größere WM stattfindet: Soll der Zeitraum nicht über die fünf Wochen hinaus ausgedehnt werden, wären im schlimmsten Fall fünf bis sechs Gruppenspiele pro Tag nötig.

Das ermüdet und bringt Austragungsländer in Platznot. Schon in diesem Jahr braucht es 16 Stadien in drei Ländern, bei mehr Teams dürften 20 bis 22 Arenen nötig sein. Es wäre nahezu unmöglich, eine WM in nur einem Land auszurichten. Sogar Deutschland, das eine Bewerbung um die WM 2038 oder 2042 erwägt, bekäme da ohne Unterstützung aus dem Ausland Platzprobleme.

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Finanzielles Wachstum durch mehr Teams unbelegt

Und das, wo noch nicht einmal belegt ist, dass Infrastrukturkosten tatsächlich von möglichen Mehreinnahmen durch zusätzliche Spiele gedeckt werden. Laut Medienberichten ist nicht klar, dass zusätzliche 16 Teilnehmer tatsächlich ein signifikantes finanzielles Wachstum bringen.

Ehe Infantino die Weltmeisterschaft auf 64 Mannschaften erweitert, gibt es also noch eine Reihe unbeantworteter Fragen - und gewichtige Gegenargumente. Wobei ihn dieser Umstand zuletzt selten davon abgehalten hat, seine Ideen trotzdem durchzusetzen.

Quelle: mit Material von SID und dpa
Über die Fußball-WM berichtet das ZDF seit dem 01.06.2026 täglich in verschiedenen Sendungen.

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