WM 2026: Warum Marokko zu den Titel-Favoriten zu zählen ist

Vor WM-Achtelfinale gegen Kanada:Warum Marokko zu den Titel-Favoriten zu zählen ist

von Maik Rosner

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Marokko steht für die Hoffnungen des Kontinents, nachhaltig zu den großen Favoriten aufzuschließen und um den Titel zu spielen. Im Viertelfinale könnte wieder Frankreich warten.

Der marokkanische Cheftrainer Mohamed Ouahbi feiert mit seinen Spielern – Mittelfeldspieler Bilal El Khannouss (Nr. 23), Stürmer Chemsdine Talbi (Nr. 7) und Verteidiger Anass Salah-Eddine (Nr. 26) – nach dem gewonnenen Elfmeterschießen im Spiel der Runde der letzten 32 der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen den Niederlanden und Marokko im Monterrey-Stadion in Guadalupe am 29. 6. 2026.

WM 2026 - Niederlande - Marokko

Quelle: AFP

Wie schnell Marokko Europa im Fußball näher kommt, hatte sich schon bei der WM 2022 in Katar gezeigt. Damals drangen die sogenannten Atlas-Löwen bis ins Halbfinale vor, als erste Mannschaft aus Afrika überhaupt.

Dort unterlagen sie zwar Frankreich 0:2. Auf dem Weg dorthin hatten sie in der Gruppenphase aber Kroatien ein 0:0 abgetrotzt und gegen Belgien 2:0 gewonnen. Im Achtelfinale setzten sie sich gegen Spanien im Elfmeterschießen durch und im Viertelfinale gegen Portugal (1:0).

Marokko reifer als bei WM 2022

Was vor knapp vier Jahren zu wesentlichen Teilen mit einem unbändigen Einsatzwillen möglich wurde, bestätigen die Marokkaner bei dieser WM vor dem Achtelfinale gegen Mitgastgeber Kanada am Samstag in Houston (19 Uhr MESZ) mit feineren Mitteln. Kompletter und reifer wirken sie inzwischen im Auftreten, nicht vorrangig abhängig von der physischen Komponente.

Stattdessen zeigt die Mannschaft des erst seit März amtierenden Trainers Mohamed Ouahbi zunehmend einen Favoritenstil mit viel Ballbesitz und Kombinationsfußball, auch gegen große Gegner wie Brasilien. Besonders deutlich wurde das im jüngsten Sechzehntelfinale gegen die Niederlande, die als Vertreter des alten europäischen Fußballadels beim Aus gegen Marokko auftraten wie ein krasser Außenseiter.

Niederlande - Marokko

Was macht die Oranje-Elf gegen die hoch gehandelten Marokkaner? Nach zwei spektakulären Toren auf beiden Seiten folgt auch hier das Drama vom Elfmeterpunkt.

30.06.2026 | 10:24 min

Marokko dominiert die Niederlande

Die Marokkaner siegten zwar erst im Elfmeterschießen. Dennoch hatten sie das Geschehen klar dominiert, unter anderem mit 70 Prozent der Ballkontakte.

Wie in Katar starteten die Marokkaner auch beim aktuellen Turnier mit einem starken Auftritt und einem Unentschieden, diesmal gegen den Rekordweltmeister Brasilien (1:1). Es folgten die Pflichtsiege gegen Schottland (1:0) und Haiti (4:2).

Lenny Joseph (Haiti) versucht sich im Zweikampf gegen seinen marokkanischen Kontrahenten Anass Salah-Eddine durchzusetzen

Haiti ist bereits ausgeschieden, lässt gegen Marokko jedoch alles auf dem Rasen und erzielt seine ersten Tore bei dieser WM. Beide Teams liefern sich einen spektakulären Schlagabtausch.

25.06.2026 | 9:09 min

Saibaris großer Anteil am WM-Erfolg

Gegen Kanada, das sie bei der WM 2022 im dritten Gruppenspiel 2:1 besiegt hatten, sind sie nun der klare Favorit. Mit einem Sieg könnten sie sich die Chance zur Revanche gegen Frankreich im Viertelfinale erspielen, sofern sich der WM-Zweite von 2022 gegen Deutschlands Bezwinger Paraguay durchsetzen sollte.

Großen Anteil an Marokkos bisherigem WM-Erfolg hat Ismael Saibari, 25. Der Offensivspieler traf in jedem Gruppenspiel einmal und auch im Elfmeterschießen gegen die Niederlande, in denen er der aktuelle Fußballer des Jahres ist.

Bayern Münchens Sportdirektor Eberl schwärmt

Am Mittwoch wurde sein Wechsel von der PSV Eindhoven zum FC Bayern für mindestens 50 Millionen Euro Ablöse bekannt. Sportvorstand Max Eberl bezeichnete ihn als "einen der spannendsten Offensivspieler dieser WM".

Bayern-Neuzugang Saibari

Bei der WM trägt Marokkos Stürmerstar Ismael Saibari die Nummer 11 auf dem Trikot. Bei den Bayern wird der Neuzugang mit der 34 auflaufen - aus einem traurigen Grund.

02.07.2026 | 0:37 min

Durch die WM-Erfolge von 2022 und 2026 nimmt Marokko bei diesem Turnier als wohl stärkster Vertreter des Kontinents auch die Rolle eines Vorreiters ein. Den Eindruck, dass sich Marokkos Nationalteam seit einiger Zeit an der Spitze Afrikas befindet, stützt der Titel des Afrikameisters, wenngleich dieser nach dem skandalösen Finale gegen Senegal am Grünen Tisch zustande kam.

19 von 26 Marokkanern in Europa geboren

Das ändert allerdings nichts daran, dass Marokko inzwischen für die Hoffnungen des ganzen Kontinents steht, nachhaltig zu den großen Fußballnationen aufschließen und um den WM-Titel mitspielen zu können.

Möglich geworden ist das für die Marokkaner auch deshalb, weil die meisten ihrer Spieler ihre Ausbildung in Europa genossen haben. Aus dem 26-köpfigen Kader sind 20 Spieler außerhalb Marokkos geboren und aufgewachsen, 19 davon in Europa.

Vinicius Junior und Brahim Diaz am 13.06.26

Die WM hat ihr erstes Topspiel gesehen. Zwischen Rekordweltmeister Brasilien und Marokko entwickelte sich in New Jersey eine intensive Partie.

14.06.2026 | 6:56 min

Ouahbi startete Trainerkarriere bei Anderlecht

Viele besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. Das gilt auch für Ouahbi, der in Belgiens Hauptstadt Brüssel zur Welt kam und dort seine Trainerkarriere beim RSC Anderlecht startete.

Nun hofft er, mit Marokkos Nationalelf noch mehr zu erreichen als sein Vorgänger Walid Regragui. Der wurde in Frankreich geboren. Erst nach seiner dortigen Spielerkarriere ging er als Trainer nach Marokko, um zu vermitteln, was er im europäischen Fußball gelernt hatte.

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