Enhanced Games: Warum die Doping-Spiele sportlich verpufften

Enhanced Games: Viel Lärm um nichts:Warum die Doping-Spiele sportlich verpufften

von Johannes Fischer

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Nach den ersten Enhanced Games bleibt vor allem Ernüchterung. Sportwissenschaftler Wilhelm Bloch erklärt, warum selbst leistungssteigernde Mittel keine Supermenschen erschaffen.

Unterwasseraufnahme des Schwimmers Marius Kusch im Becken während des Trainings. Der ehemalige Olympia-Sportler trägt eine Schwimmbrille und streckt den Arm nach vorn in Richtung Kamera. Auf dem Oberarm ist ein Tattoo mit olympischen Ringen zu sehen. Im Hintergrund verlaufen die Leinenbahnen des Pools, das Bild ist in kräftigen Blau- und Magentatönen gestaltet, zudem ist ein grafisches Raster-Overlay sichtbar.

Ehemalige Spitzensportler wie der Deutsche Marius Kusch treten in Disziplinen wie Schwimmen, Gewichtheben und Sprinten an, um Weltrekorde zu brechen – dabei ist Doping ausdrücklich erlaubt.

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Die Idee klang nach Zukunft, nach Überschreitung, nach einem sportlichen Aufbruch in eine neue Ära: Menschen, die schneller, stärker, "besser" sind - befreit von den Grenzen des Körpers, befeuert von der Wissenschaft, optimiert bis an die Schwelle des biologisch Denkbaren.

Doch als die Enhanced Games schließlich stattfanden, blieb von dieser Vision vor allem eines zurück: Ernüchterung. "Die Enhanced Games wollten eigentlich Superleistungen zeigen. Tatsächlich blieben die Leistungen aber meistens hinter Olympianiveau zurück - bis auf einen einzigen Weltrekord", bilanziert Sportwissenschaftler und Molekularmediziner Wilhelm Bloch.

Kristian Gkolomeev

Bei den Enhanced Games wird unter medizinischer Aufsicht gedopt. NANO hat den leitenden Arzt der Studie und einen Sporthistoriker zu diesem Experiment befragt.

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Und selbst diese Bestmarke, die der Grieche Kristian Gkolomeev über 50 Meter Freistil verbesserte, sei "knapp gewesen - und zudem mit einem sehr schnellen Anzug erzielt."

Dopingspiele: Wissenschaft oder Show?

Die Idee der "Superleistung" trifft auf eine einfache sportwissenschaftliche Realität: Der Körper ist kein Versprechen, sondern ein Zustand. Und dieser Zustand lässt sich nicht beliebig beschleunigen.

Man kann zwar eine Show machen und Athleten einem Risiko aussetzen, aber das garantiert noch lange nicht, dass dabei Topleistungen entstehen.

Sportwissenschaftler Wilhelm Bloch

Entscheidend sei etwas, das in der Inszenierung der Spiele kaum vorkam: das Niveau der Athleten selbst. Denn jene, die in Las Vegas antraten, waren keine Ikonen ihrer Sportarten mehr, keine Athleten im Zenit ihrer Karriere.

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"Das sind Sportler, die über ihrem Leistungszenit hinaus sind", sagt Bloch. Und genau darin liege der entscheidende Punkt.

Wenn man bei Sportlern von einem Leistungsniveau ausgeht, das nicht mehr auf dem Zenit ist, dann reicht selbst eine Leistungssteigerung nicht aus, um mit Athleten mitzuhalten, die sich in ihrer absoluten Topform befinden.

Sportwissenschaftler Wilhelm Bloch

Es ist eine simple, beinahe unspektakuläre Wahrheit - und gerade deshalb so zerstörerisch für die große Erzählung der Enhanced Games. Auch die wissenschaftliche Fassade der Veranstaltung hält Bloch nicht für tragfähig. Die viel zitierte "kontrollierte Studie" sei in Wahrheit kaum mehr als ein Etikett.

Enhanced Games: Unklare Dosis und keine Kontrolle

"Das lässt sich sowieso nicht halten. Was ist da medizinisch gesichert?", fragt er. Es sei nicht klar definiert, welche Substanzen, in welchen Konzentrationen und Kombinationen eingesetzt wurden. "Das ist eine reine Beobachtungsstudie, die wissenschaftlich kaum Wert hat. Für mich ist das ein Feigenblatt."






Hinter der wissenschaftlichen Sprache steht ein einfaches Problem: Ohne klare Dosis, ohne Kontrolle, ohne Vergleichsbedingungen verliert das Experiment seinen Kern. "Dosis macht die Wirkung", sagt Bloch trocken. Und damit endet die Illusion der Präzision.

Die Geschichte, die sich hier als Zukunft verkauft, wirkt für ihn eher wie eine Wiederkehr. "Das, was dahintersteht, ist nicht neu", sagt er. Und erinnert daran, dass es ähnliche Versuche bereits in der Vergangenheit gab - in anderen Systemen, unter anderen Vorzeichen, aber mit vergleichbaren Konsequenzen.

Haben die Enhanced Games eine Zukunft?

Vor allem aber zweifelt Bloch daran, dass das Format in seiner jetzigen Form überhaupt Bestand haben wird. "Ich glaube, es wird schwierig, diese Spiele nochmal so aufzusetzen", sagt er. Die öffentliche Resonanz sei deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Screenshot: Enhanced Games

Zum ersten Mal finden die Enhanced Games statt. Medizinische Unterstützung in Form von leistungssteigernden Substanzen ist erlaubt. Rekorde werden purzeln. Auch zwei Deutsche sind am Start.

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Eigentlich, so die Idee der Veranstalter, hätte die Welt über nie dagewesene Leistungen sprechen sollen - über neue Dimensionen des menschlichen Körpers. Doch genau das blieb aus. Bloch: "Wenn so ein Konzept nicht funktioniert, wirkt das Ganze irgendwann ein bisschen absurd."

Sollten die Enhanced Games dennoch weitergehen, dann wohl nur mit echten Weltstars und deutlich mehr Geld. "Absolute Top-Leute wird man nicht für 250.000 Dollar bekommen", sagt Bloch. Genau darin liege das Dilemma der Spiele: Sie brauchen Superstars, um relevant zu werden - doch bislang haben diese kaum einen Grund, sich auf das Experiment einzulassen.

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Quelle: Reuters

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Über das Thema berichtete ZDFfrontal am 26.05.2026 ab 21:00 Uhr.

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