Polizeikosten bei Risikospielen:Viele Tücken bei Beteiligung der Vereine
von Christoph Ruf
Die Fan-Kritik am Bundesverfassungsgericht ist nicht repräsentativ. Doch das Urteil, das die Klubs dazu verpflichtet, sich an Polizeikosten zu beteiligen, birgt in der Tat Tücken.
Polizei sichert eine Demo der Fans von Hannover 96 vor dem Niedersachsenderby gegen Eintracht Braunschweig. (Symbolfoto)
Quelle: dpaDie Kritik am Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE) reißt nicht ab: Am vergangenen Wochenende hingen vielerorts Plakate wie jenes, das die Hertha-Fankurve beim Spiel gegen den HSV präsentierte: "BVG: Hüter der Verfassung oder nur der Staatskasse?" war darauf zu lesen.
Eine Woche zuvor gab es in den oberen beiden Ligen flächendeckend Proteste. Tenor wie bei Preußen Münster: "Keinen Cent für eure Sicherheits-Hysterie". Repräsentativ ist das allerdings allenfalls für die Stimmungslage in den Fankurven.
Das Urteil finden viele Menschen plausibel
Die Argumentation des Gerichtes, es sei legitim, "den polizeilichen Mehraufwand bei gewinnorientierten, erfahrungsgemäß gewaltgeneigten Großveranstaltungen in Rechnung (zu) stellen", scheinen viele Menschen plausibel zu finden.
ZDF-Rechtsexperte Jan Henrich spricht über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
14.01.2025 | 2:53 minSelbst die Leserschaft des "kicker" antwortete auf die Frage, ob die Klubs "an den Polizeikosten beteiligt werden" sollten, zu fast 70 Prozent mit Ja. Offenbar teilen also viele Menschen die Einschätzung, dass der reiche Profifußball mehr für Sicherheit ausgeben muss.
Untere Ligen können sich Beteiligung kaum leisten
Der Profifußball hat im vergangenen März wieder einen Jahresumsatz von 4,45 Milliarden vermeldet. Laut DFL haben die Klubs 2023/24 knapp 416 Millionen Euro für ihre Angestellten ausgegeben, der Großteil entfällt auf die Spielergehälter.
Während die vergleichsweise reichen Bundesligisten die höheren Kosten also wohl gut bezahlen könnten, wären sie bei den Dritt- oder gar Viertligisten oftmals existenzbedrohend. Sechsstellige Summen kann sich dort kaum ein Verein leisten.
Wettbewerbsverzerrung droht
Ein weiteres Problem: Während Bundesländer wie Berlin oder NRW die Vereine verschonen wollen, haben andere bereits angekündigt, dass sie dem Bremer Beispiel folgen wollen. Ohne bundeseinheitliche Lösung würde also eine Wettbewerbsverzerrung drohen.
Die DFL hatte derweil in Karlsruhe argumentiert, dass die Sicherheit im öffentlichen Raum eine hoheitliche Aufgabe sei, die nicht "privatisiert" werden dürfen.
Der Streit um die Polizeikosten bei Hochrisikospielen ist durch das Bundesverfassungsgericht beendet worden. Die Bundesländer dürfen die entsprechenden Kosten ab sofort der DFL in Rechnung stellen.
14.01.2025 | 2:02 minIst der Fußball für die Gewalt verantwortlich?
So sieht es auch der Freiburger Soziologe Albert Scherr: "Gewöhnlich werden Wirtschaftsunternehmen nicht direkt für die Kosten zur Verantwortung gezogen, die sie für die Allgemeinheit verursachen." Sonst müssten "sich die Autokonzerne an den polizeilichen Kosten beteiligen, die für die Sicherheit im Straßenverkehr entstehen".
Scherr wirft die Frage auf, "ob die Sicherheitsprobleme im Kontext des Profifußballs von den Vereinen zu verantworten sind, oder dort nur sichtbar werden". Wirklich problematisch seien "die gewaltaffinen Szenen junger Männer".
Verdrängt man diese mittels massiver Polizeipräsenz aus dem Umfeld der Stadien, verschiebt man das Problem an andere Orte.
Soziologe Albert Scherr
Oktoberfest gefährlicher als Stadionbesuch
Tatsächlich passieren rund um Großereignisse wie das Oktoberfest weit mehr Straftaten als bei Fußballspielen. Die Gewalt im Fußball-Kontext findet anderswo statt.
Wer soll die Polizeikosten bei Hochrisikospielen tragen? Jost Peter, Vorsitzender von Unsere Kurve, und Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, im Diskurs.
16.05.2024 | 10:15 minZum Beispiel wenn, wie Ende Oktober geschehen, Rostocker Schläger einen Sonderzug mit Essener Fans auf freier Strecke angreifen. Oder wenn 150 HSV-Hooligans Kölner Fans auf der Reeperbahn attackieren. Der brutale Überfall ereignete sich zum Rückrundenstart.
Dramatisiert die Polizei?
Ein weiterer Kritikpunkt, den Scherr mit den protestierenden Fans teilt, ist die Tatsache, dass einzig und allein die örtliche Polizeibehörde entscheidet, ob ein Spiel zum Hochrisikospiel wird. Oft werde da übertrieben, glaubt Scherr.
Aus Beobachtungen von Demonstrationen wissen wir, dass die Polizei oft von dramatischen Gefahreneinschätzungen ausgeht.
Albert Scherr
Tatsächlich kommt es zuweilen vor, dass Drohnen, Pferdestaffeln und Hubschrauber bei Spielen eingesetzt werden, bei denen sich die Fans beider Lager bestens verstehen. Vor allem bei Derbys kann ein solch massiver Einsatz aber gerechtfertigt sein.
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