Ziel Wiederaufstieg:Spitzenreiter: Was den 1. FC Köln stark macht
von Ralf Lorenzen
Schwach begonnen, stark aufgeholt. Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Köln liegt auf Kurs Wiederaufstieg. Möglich wurde das durch einen flexiblen Trainer und viele junge Spieler.
Den diesjährigen Rosenmontag Anfang März können auch Fans des 1. FC Köln voraussichtlich wieder unbeschwert feiern. Im vergangenen Jahr steckte ihr Klub um diese Zeit bereits knietief im Abstiegskampf der Bundesliga. Aktuell führen die Kölner die Zweitliga-Tabelle an und haben gerade dreimal in Folge gewonnen, zuletzt gegen Schalke 04.
Mahnende Beispiele Schalke 04 und HSV
Die Schalker sind neben anderen ins Unterhaus abgerutschte Traditionsvereine wie der HSV, Hertha BSC, Hannover 96 oder der 1. FC Nürnberg das beste Beispiel, was passieren kann, wenn der sofortige Wiederaufstieg verpasst wird.
Wer aus der Bundesliga absteigt, hängt schnell in Liga zwei fest.
Bolzplatz-Moderator Conan Furlong
Zu Beginn der Karnevals-Zeit im November deutete wenig daraufhin, dass der 1. FC Köln beste Chance hat, diesem Schicksal zu entgehen. Von den ersten zehn Ligapartien gewann Köln nur drei und stand auf Platz zwölf.
"Wir hatten eine schwierige Phase in der Hinserie, und ich glaube, das hat dazu geführt, dass die Mannschaft auch noch mal ein Stück weit enger zusammengerückt ist, so dass man den Fokus aufs Wesentliche legt", sagt Thomas Kessler, sportlicher Leiter der Lizenzspielerabteilung, im Bolzplatz.
Erfolgreicher Systemwechsel
Das Wesentliche bestand vor allem in der Defensiv-Arbeit. Nach zehn Spielen hatten die Kölner bereits zwanzig Gegentore kassiert, in den elf Spielen danach sind nur weitere fünf dazugekommen. Möglich machte das eine Umstellung von der Vierer- zur Dreierkette, die die Balance komplett veränderte. Die Folge: Sieben der letzten elf Spiele gewannen die Kölner 1:0.
"Das ist aktuell unser Erfolgsrezept, dass die Jungs wissen, dass die große Intensität und Leidenschaft, die sie auf den Platz lassen, am Ende auch dazu führt, dass man defensiv gutsteht", sagt Kessler.
Ich glaube, den Jungs macht es mittlerweile auch richtig Spaß, sehr seriös zu verteidigen.
Thomas Kessler, Leiter Lizenzabteilung 1. FC Köln
Sieben Youngster für den Wiederaufstieg
Werder Bremen, der letzte aktuelle Bundesligist, der nach dem Abstieg direkt zurückkam, hatte in der 2. Liga nach einem enttäuschenden Saisonbeginn ebenfalls auf die defensivere Dreierkette umgestellt. In Bremen wurde der Turnaround damals durch einen Trainerwechsel begünstigt, in Köln vor allem durch die Flexibilität von Trainer Gerhard Struber.
"Struber wusste in dem Moment, es geht in dieser zweiten Liga nur ums Überleben", sagt Geissblog-Chefredakteur Marc Merten. "Da geht es darum, auf reine Ergebnisse zu setzen."
Der Weg des FC Schalke 04 führt seit Jahren nach unten. Der Klub steht sportlich wie finanziell am Rande des Abgrunds. Ist der Traditionsverein aus Gelsenkirchen noch zu retten?
07.11.2024 | 14:30 minEine weitere Stärke des im RB-Kosmos ausgebildeten Trainers ist es, junge Spieler zu integrieren. Das war zu Saisonbeginn besonders wichtig, da im Sommer aufgrund einer Transfersperre noch keine neuen Spieler verpflichtet werden konnten. In der bisherigen Saison hat Struber sieben Spieler unter 24 Jahren zu Stammspielern gemacht und teilweise auf ein neues Level gehoben.
"Damion Downs ist eines dieser Beispiele", sagt Sky-Reporter Marlon Irlbacher. "Wie der sich gemacht hat, das ist ein Verdienst von Gerhard Struber, der auch individuell auf die Spieler eingeht."
Ende der Transfersperre bringt Verstärkungen
In der abgelaufenen Transferphase durfte der FC jetzt das erste Mal wieder aktiv werden und hat seinen Kader, der ohnehin der wertvollste in der 2. Liga ist, für insgesamt schs Millionen Euro mit den Abwehrspielern Jusuf Gazibegovic, Joel Schmied und Rasmus Carstensen sowie Stürmer Imad Rondic verstärkt.
"Das war ja immer der Plan: Dranbleiben und dann in der Winterpause mit Neuverpflichtungen noch mal richtig zuschlagen und ganz oben festbeißen", sagt Irlbacher. "Und das ist ihnen jetzt tatsächlich gelungen."
"Finanziell gesehen tragen wir uns natürlich auch noch eine ganze Zeit in der zweiten Liga", betont Kessler. Aber jeder beim FC Köln wisse, dass er in einem Klub arbeitet, "der in die Bundesliga gehört".
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