Häufiger enthalten als gedacht:Wo Alkohol in Lebensmitteln versteckt ist
Die Zutatenliste von Produkten wird meist auf Allergieauslöser, Milchbestandteile oder Zucker gecheckt, die sind auch oft fett gedruckt. Alkohol aber ist nur schwer zu entdecken.
Ein Experiment zeigt: Die Verarbeitung von Alkohol in Lebensmitteln ist für Verbraucher nur schwer zu erkennen.
15.11.2024 | 4:21 minEin Milchbrötchen als Frühstück, eine fertige Bio-Tomatensuppe zum Mittagessen und als Nachtisch ein kleines Schokotörtchen: Hätten Sie vermutet, dass in diesen Lebensmitteln Alkohol stecken kann? Produkte, die durchaus auf jedem Speiseplan stehen könnten - auch auf dem von Kindern.
Es gibt keine Hinweispflicht, die den Produzenten verpflichtet, auf der Vorderseite darauf hinzuweisen, dass Alkohol verwendet wurde.
Marlene Bär, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Deshalb werde Alkohol oft gar nicht oder erst durch einen intensiven Geruch mit dem Öffnen der Verpackung wahrgenommen, erklärt Marlene Bär, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Warum Alkohol in Lebensmitteln verwendet wird
Bei Backwaren wird Alkohol als Konservierungsmittel verwendet. So werden Produkte entweder selbst oder die Innenseite ihrer Verpackung mit Alkohol besprüht, um sie haltbar zu machen.
Alkohol wird auch als Aroma eingesetzt, beispielsweise in Tiramisu oder Weinbrandessig. Aber auch bei Fertiggerichten mit Bratensoße, in Zwiebel-, Gulasch- oder auch Tomatensuppen verwenden Lebensmittelhersteller Alkohol als Aromastoff.
Um ein Verklumpen oder Verkleben von Lebensmitteln zu verhindern, wird Alkohol zudem häufig als Trennmittel eingesetzt.
Alkohol kann sich auf der Zutatenliste auch hinter anderen Namen verstecken. Stehen die folgenden Begriffe in der Zutatenliste, enthält das Produkt Alkohol:
- Ethanol oder Äthanol
- Ethylalkohol oder Äthylalkohol
- Amaretto, Whiskey, Weinbrand, Marsala und andere alkoholische Getränkebezeichnungen
Der eine mag es herzhaft, die andere lieber süß: Welches Lebensmittel uns schmeckt, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei treffen wir oft schon vor dem ersten Bissen Entscheidungen.
14.06.2023 | 43:02 minRegularien von Alkohol in Lebensmitteln
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schreibt auf seiner Webseite, dass grundsätzlich alle Zutaten, die in einem vorverpackten Lebensmittel enthalten sind, anzugeben seien. Weiter heißt es, dass auch Zusatzstoffe und Aromen aufgeführt werden müssen. Regeln für die Angaben des Alkoholgehalts eines Produktes gibt es allerdings nur bei Getränken.
Zusatzstoffe werden mit E-Nummern angegeben. So steht die Nummer E334 für Weinsäure und E1519 für Benzylalkohol. Alkohol als Zusatzstoff werde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft, so Marlene Bär. Wird dieser Zusatzstoff zugelassen, gilt er als Träger von Aromen und befindet sich unter 0,2 Volumenprozent Alkohol. Diese Menge sei weder gesundheitsschädlich noch wahrnehmbar, so die Lebensmittelexpertin.
Alkoholfreie Getränke, die nicht alkoholfrei sind
Anders als bei Lebensmitteln gibt es für Getränke eine Kennzeichnungspflicht für Alkohol, allerdings erst ab 1,2 Volumenprozent. Deshalb kann auch alkoholfreies Bier und alkoholfreier Wein Alkohol enthalten - und zwar bis zu 0,5 Volumenprozent.
Anders ist das bei Getränken, die mit 0,0 Volumenprozent Alkohol gekennzeichnet sind. Sie enthalten tatsächlich keinen Alkohol. Vor allem Schwangeren, Stillenden und auch trockenen Alkoholikern wird geraten, Getränke mit 0,0 Volumenprozent Alkohol zu wählen.
In Lebensmitteln entsteht auf ganz natürliche Weise Alkohol. So kann Sauerkraut durch die Fermentierung, Brot durch die Hefegärung, Bananen durch ihren Reifungsprozess oder auch Apfelsaft und Kefir durch Gärung Alkohol enthalten. Hier übersteigt der Alkoholgehalt allerdings selten den Wert von 0,3 Volumenprozent und wird daher als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.
Ernährung in der Schwangerschaft:Diese Lebensmittel sollten Schwangere meiden
Warum versteckter Alkohol problematisch ist
Viele Lebensmittel enthalten nur wenig Alkohol. Er ist daher meist am Ende der Zutatenliste zu finden. Wird er bereits geschmacklich oder am Geruch wahrgenommen, kann das vor allem bei Kindern und auch für trockene Alkoholiker problematisch sein.
Kinder könnten sich an den Geschmack gewöhnen, was die natürliche Hemmschwelle senkt. (...) Und für trockene Alkoholiker besteht die Gefahr eines Rückfalls.
Marlene Bär, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Auch Schwangere und stillende Mütter sollten versuchen, auf Alkohol als Zutat zum Schutz des Kindes in jeder Form zu verzichten.
Immer mehr trinken bewusst Bier ohne Alkohol. In den letzten Jahren hat sich der Absatz fast verdoppelt. In München gibt es jetzt den ersten alkoholfreien Biergarten. Auch bei Wein- und Sektsorten steigt die Nachfrage.
27.07.2024 | 4:50 minAlkohol in Lebensmitteln meiden
Um Alkohol in Lebensmitteln zu vermeiden, ist es wichtig, die Zutatenliste genau zu prüfen, die Begrifflichkeiten zu kennen und auch bei unverpackten Lebensmitteln etwa beim Bäcker oder in Restaurants nachzufragen.
Für alle, die gern selbst beim Kochen, zum Beispiel Braten- oder Tomatensoßen, mit einem Schuss Wein verfeinern, rät Marlene Bär mal ein Stück dunkle Schokolade statt Wein zu verwenden. Die gibt ein besonderes Aroma und macht die Soße schön würzig.
Vier Phasen der Abhängigkeit:Wann der Alkohol zur Sucht geworden ist
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Mehr zum Thema Ernährung
- mit Video
Trinken statt Essen:Flüssignahrung: Wie gesund ist Liquid Food?
von Bonnie Kruse - mit Video
Allergische Reaktionen vermeiden:Was bei einer Nussallergie zu beachten ist
von Anja Braunwarth - mit Video
Immunsystem stärken:Gesunde und ausgewogene Ernährung im Winter
von Marie Vandenhirtz - mit Video
Löwenzahn, Grapefruit und Co.:Bitterstoffe - Was sie so gesund macht
von Usha Jain
Weitere Gesundheits-Themen
- mit Video
Kein Quecksilber mehr im Zahn:Amalgam-Verbot für Zahnfüllungen ab 2025
von Esther Burmann - Grafiken
Häufigste Diagnosen im Überblick:So oft sind die Menschen in Deutschland krank
von Luisa Billmayer Geruch, Konsistenz und Farbe:Was Ohrenschmalz über die Gesundheit verrät
von Melanie Hillmann- mit Video
Ernährungsteams sollen helfen:Wie Krankenhaus-Essen besser werden könnte
von Susanne Gentsch