AfD-Politikerin trifft Rechtsextremisten:Treffen mit Sellner soll Konsequenzen haben für Kotré
von Nicole Diekmann
Die AfD-Politikerin Lena Kotré hat am Donnerstag den Rechtsextremisten Martin Sellner getroffen. Für Kotré könnte das Treffen nach ZDFheute-Informationen Konsequenzen haben.
Donnerstagabend in Brandenburg: Martin Sellner bei einer Debatte mit AfD-Politikerin Lena Kotré.
Quelle: dpaDonnerstagabend im brandenburgischen Vetschau. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré (AfD) diskutiert mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner das Thema "Remigration".
Dieses Treffen könnte für Kotré nun Folgen haben. Nach ZDF-Informationen war es bereits einige Tage zuvor Thema in einer Bundesvorstandssitzung der AfD, und es wurden Überlegungen angestellt, wie damit umzugehen sei.
Jeder Kontakt zu Sellner sei "Gift" für das Ansehen der Partei, so ein Teilnehmer. Es werde in den nächsten Monaten Konsequenzen für Kotré geben. Ob bei der nächsten Wahl des brandenburgischen Fraktionsvorstandes, dem Kotré angehört, wisse man derzeit aber noch nicht.
Die AfD-Politikerin Kotré hat sich mit einem Rechtsextremen getroffen. Die AfD-Spitze droht mit Konsequenzen, doch Kotré wird weiter für Ärger sorgen, sagt ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann.
23.01.2026 | 0:32 minAfD-Spitze machte Kotré Auflagen
Auch Thema in der Sitzung: Die Sorge vor der Presse. Die werde wohl zahlreich bei der Veranstaltung erscheinen, hieß es. Der Schaden sei also bereits da, und man wolle ihn nicht noch größer machen.
In einem Schreiben, das dem ZDF-Hauptstadtstudio vorliegt, wurde Kotré deshalb dazu aufgefordert, "das mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung übereinstimmende Remigrationskonzept der Alternative für Deutschland (...) offensiv vorzutragen."
Ein Versuch der Schadensbegrenzung.
"Wir sehen das weiter kritisch", sagt der erste parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, zum möglichen Einsatz der Bundeswehr in der Ukraine. Deutschland habe dafür nicht die militärische Kompetenz.
07.01.2026 | 5:49 minSellner: Kopf der Identitären Bewegung
Vor gut zwei Wochen hatte Kotré bekannt gemacht, den Kopf der Identitären Bewegung, Martin Sellner, zu einer Veranstaltung eingeladen zu haben.
Sellners Name ist eng verknüpft mit dem Begriff "Remigration". Seine Definition dieses zum Kampfbegriff gewordenen Konzepts ist laut dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verfassungsfeindlich.
Aus dem Konzept werde deutlich, dass einem Teil der deutschen Staatsbürger "elementare staatsbürgerliche Rechte vorenthalten und diese (dadurch) zur Ausreise angehalten werden sollen", schreibt das Gericht in seinem Beschluss aus dem August 2025.
Auf die gesichert rechtsextreme "Junge Alternative" folgt nun die "Generation Deutschland". Mehr als 25.000 Menschen versammelten sich zu Protesten gegen die Gründung in Gießen.
29.11.2025 | 2:31 minAfD-Spitze intervenierte bereits vor Wochen
Auch die AfD wirbt für Remigration, möchte sich aber in ihrer Definition anders verortet wissen als Sellner. Auf dem Boden des Grundgesetzes nämlich.
Der AfD-Parteivorstand hatte bereits vor zwei Wochen interveniert, als die Einladung Sellners bekannt wurde. Kotré machte einen Rückzieher. Zumindest formell. Stattdessen wurde nun einfach Sellner Gastgeber der Veranstaltung in Vetschau. Zu der er unter anderem Kotré einlud - die dankend annahm.
Zwar verwies Kotré bei dem Treffen, wie angewiesen, auf das Konzept ihrer Partei. Gleichzeitig aber stimmte sie Sellner in wesentlichen Punkten seiner Definition von Remigration zu. Distanzierung sieht anders aus.
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16.01.2026 | 0:29 minKotré traf Neonazi in der Schweiz
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26.10.2025 | 3:21 minWeidel: Kein Kommentar
Kotré, die nach dem Messeranschlag in Solingen 2024 gefordert hatte, ukrainische Kriegsflüchtlinge, Asylbewerber, Asylberechtigte und geduldete Flüchtlinge von öffentlichen Veranstaltungen auszuschließen, begründete die Nahkampfwaffe als Werbegeschenk gegenüber dem ZDF damit, nach ihrer Ansicht könne der Staat seine Bürger im Moment nicht ausreichend schützen, sie müssten deshalb selbst Vorsorge treffen.
ZDFheute hat Parteichefin Alice Weidel nach dem Treffen Kotrés mit Sellner um eine Stellungnahme gebeten. Weidel will sich zu der Veranstaltung allerdings nicht äußern.
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