Sicherheitspolitik im Umbruch:Deutschlands neue Haltung gegenüber den USA
von Bernd Bachran
Bei "Markus Lanz" ordnen Marina Kormbaki und Ben Hodges Merz' Auftritt in München ein - zwischen Bruch mit Trumps Amerika und Sorge um die Zukunft der transatlantischen Sicherheit.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 17. Februar 2026 in voller Länge.
17.02.2026 | 75:56 minDie diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz stand im Zeichen einer sich neu ordnenden Weltlage und eines belasteten transatlantischen Verhältnisses. Während US-Außenminister Marco Rubio die sicherheitspolitischen Prioritäten der neuen US-Administration betonte, kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz einen außenpolitischen Kurswechsel Europas, insbesondere Deutschlands, gegenüber den USA an.
"Diese Ordnung, so unvollkommen sie selbst zu ihren besten Zeiten war, sie gibt es so nicht mehr. Der Führungsanspruch der Vereinigten Staaten jedenfalls ist angefochten, vielleicht schon verspielt", so Friedrich Merz am 13. Februar in seiner Eröffnungsrede zur 62. Münchner Sicherheitskonferenz.
Kanzler Merz hat die 62. Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. In seiner Rede warb er für eine von den USA unabhängigere europäische Sicherheitsstrategie.
14.02.2026 | 2:39 minKormbaki: Merz hat öffentlich mit Trumps Amerika gebrochen
Am Dienstagabend zeigte sich die stellvertretende Leiterin des "Spiegel"-Hauptstadtbüros Marina Kormbaki bei "Markus Lanz" überrascht von der klaren Positionierung des deutschen Bundeskanzlers auf internationaler Ebene. Kormbaki sagte:
Das war ein anderer Merz, den wir da gesehen haben, (…) ein Merz, der eine sehr klare Sprache spricht und einer, der mit Trumps Amerika auf dieser Bühne vor internationalem Publikum gebrochen hat.
Marina Kormbaki, Journalistin
Merz habe in seiner Rede "sehr deutlich gemacht, was auf dem Spiel steht" und betont, "dass Europa der Ort der Werte sein will", so ZDF-Korrespondent Röller aus München.
14.02.2026 | 4:29 minDiesen neuen Weg des Bundeskanzlers im Umgang mit den USA zeigte, so Kormbaki, auch sein Treffen auf der Sicherheitskonferenz mit dem demokratischen Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom. "Nicht irgendein Demokrat, sondern einer, der sich gerade merklich warmläuft für die Präsidentschaftskandidatur."
Dass zeitnah ein Foto des Treffens von Friedrich Merz und Gavin Newsom veröffentlicht wurde, wertete Kormbaki als deutliches Signal. Das Kanzleramt habe es eilig gehabt, das Bild gezielt zu verbreiten, um zu zeigen, dass der Kanzler Newsom in sichtbar entspannter Atmosphäre getroffen habe.
Bundeskanzler Merz appellierte in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz an die USA, angesichts globaler Herausforderungen das transatlantische Vertrauen wieder aufzubauen.
13.02.2026 | 32:16 minMehr interessenorientierte und weniger wertegeleitete Weltpolitik?
Marina Kormbaki verurteilte bei "Lanz" nicht nur die Politik der Trump-Regierung "mit der Absicht, sich selbst und die eigene Familie zu bereichern", sondern besonders, "dass es gar nicht im Verborgenen stattfindet". In diesem Zusammenhang sprach die "Spiegel"-Journalistin vom "amerikanischen Regierungs-Clan".
"Das Wort vom Deal ist ja prägend für die Trump-Präsidentschaft, für die Art und Weise, wie er Politik macht. Mein Eindruck ist, dass man sich in Berlin darauf einlässt." Weiter sagt Kormbaki: "Merz wirbt für ein transatlantisches Verhältnis auf der Basis von Interessen und nicht mehr auf der Basis von Werten."
Kanzler Merz äußerte Kritik an den USA, US-Außenminister Rubio fand zwar verbindende Worte zu Europa, blieb in der Sache aber hart. Partnerschaft ja, aber zu Trumps Bedingungen.
15.02.2026 | 2:33 minEhemaliger US-Oberbefehlshaber Hodges: USA konzentrieren sich nicht mehr auf Europa
Von 2014 bis 2017 war Ben Hodges Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa. Bei "Markus Lanz" fasste er den Zustand des transatlantischen Verhältnisses kurz zusammen:
Die Allianz ist nicht zerbrochen, aber schwer angeschlagen. Die Vereinigten Staaten konzentrieren sich nicht mehr auf Europa oder die Nato.
Ben Hodges, ehemaliger Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa
Zuerst gehe es der aktuellen US-Regierung um Heimat, dann Sicherheit, dann um den Indopazifischen Raum und Transaktionen andernorts und dann erst um Europa. "Das beunruhigt mich, denn es geht mir um den Schaden an unserer gemeinsamen Sicherheit."
Bei der Sicherheitskonferenz mahnte Kanzler Merz, dass Europa unabhängiger von den USA werden muss. Inwiefern die EU das bereits schafft, analysiert ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
13.02.2026 | 1:12 minUS-Militärexperte: "Sicherheit und Stabilität von Europa sind in Gefahr"
Zudem bereitet Hodges Sorge, dass in der Regierung Trump zahlreiche Personen mit erfahrenen ausländischen Regierungsvertretern verhandeln, obwohl sie selbst keinerlei diplomatische Erfahrung besitzen - und dabei grundlegende Fehler machten, etwa indem sie ohne eigene Dolmetscher in Gespräche gehen.
Hodges sagt dazu: "Und die Russen? Denen kann man natürlich nicht trauen. Aber Herr Witkoff tut so, als wären das seine Freunde. Auch mein Präsident [Trump] sagt 'mein lieber Freund Wladimir' und ich mache mir darüber Sorgen. Die Sicherheit und Stabilität von Europa sind in Gefahr."
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