Wohnungsnot in München: Mieten auch für Gutverdiener ein Problem

Wohnungsnot in München:Mietpreise: Wenn Umziehen unmöglich wird

Redakteurin Patricia Schäfer, ZDF-Landesstudio Bayern.

von Patricia Schäfer

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Wer gut verdient, findet auch eine Wohnung - so war das einmal. Doch das stimmt längst nicht mehr. Selbst Menschen mit guten Einkommen haben heute Schwierigkeiten, eine zu finden.

Fyler zur Wohnungssuche an einer Laterne

Bezahlbarer Wohnraum wird in Deutschland immer knapper und Wohnarmut entsteht: Trotz Arbeit reicht das Einkommen kaum zum Leben, weil ein Großteil für die Miete draufgeht.

13.03.2026 | 4:45 min

Wer durch Gesuche auf Wohnungsportalen scrollt, bewegt sich in einer scheinbar perfekten Welt. Die Menschen dort sind solvent, wirken überaus freundlich und sind oft sogar verheiratet - eigentlich der Traum jedes Vermieters. Doch viele scheitern an der Realität.

Wohngemeinschaften als Dauerlösung für Paar

Der Sozialpädagoge Lukas Bauser und seine Freundin, die an einer Münchner Uni arbeitet, suchen seit einem halben Jahr eine gemeinsame Wohnung. Schnell reagieren sie auf jeden halbwegs passenden Alarm im Suchportal:

Wir sind inzwischen nicht mehr sehr wählerisch.

Lukas Bauser

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Manchmal werden die beiden zu Besichtigungen eingeladen - aber trotz professionell gestalteter Unterlagen kommt nichts zurück.

Es ist absolut frustrierend, wenn man merkt, man bekommt aktuell keine Wohnung.

Lukas Bauser, Sozialpädagoge

Er wohnt wie seine 29-jährige Partnerin noch in einer WG. Beruflich ist Bauser in ganz München im Einsatz - ins Umland zu ziehen hat für ihn keinen Sinn. "Inzwischen ist das zu einer Belastung für unsere Beziehung geworden. Bei der Vorstellung, hier eine Familie zu gründen, wird mir Angst und bange", bekennt der 30-Jährige.

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3-Zimmer-Wohnung für Familie mit zwei Kindern

Wenn Kinder kommen, brauchen Familien Platz - aber größere Wohnungen sind rar und unbezahlbar geworden. Sarah und Lukas L. leben mit ihren beiden Kindern Emma, 5, und Konstantin, 2, in einer 3-Zimmer-Wohnung in der Münchner Innenstadt.

Wenn die Kinder größer werden, brauchen die natürlich ihr eigenes Zimmer. Dann werden wir Eltern im Wohnzimmer schlafen.

Sarah L.

Die Suche nach einer größeren Wohnung haben sie aufgegeben: "Für ein zusätzliches Zimmer müssten wir rund 1.000 Euro mehr bezahlen. Das ist absolut nicht drin. Dann rücken wir halt zusammen", sagt die 37-Jährige. Für knapp 100 Quadratmeter zahlen sie 2.600 Euro warm.

Mieterbund: "Locked-in-Syndrom" durch hohe Mieten

Experten haben für diese Situation eine Bezeichnung: "Locked-in-Syndrom". "Menschen ziehen nicht mehr um, obwohl sich ihre Lebenssituation verändert hat. Rentner ziehen aus zu großen Wohnungen nicht mehr aus, weil kleinere noch teurer sind. Und Familien kriegen keine größere Wohnung", sagt Mietrechts-Anwältin Monika Schmid-Balzert vom Deutschen Mieterbund. Das treibt die Preise weiter nach oben.

Flyer für Wohnungssuche

Immer mehr Menschen müssen so viel von ihrem Gehalt für die Miete abgegeben, dass es kaum noch zum Leben reicht. Besonders betroffen sind Menschen in Großstädten, wie in München.

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Laut Stadt München lag der Münchner Mietspiegel 2025 bei einem Quadratmeterpreis von etwa 15,38 Euro (Nettokaltmiete). Zum Vergleich: 2005 waren es noch knapp 8,72 Euro.

Auf Wohnungsportalen wie Immoscout liegt der Wert noch höher. Im ersten Quartal 2026 wird von einem Durchschnittspreis von 20,44 Euro pro Quadratmeter ausgegangen, beim Immobilienmakler Engel&Völkers sind es sogar 25,50 Euro.

Es geht nicht nur um bezahlbaren Wohnraum, sondern darum, überhaupt Wohnraum zu finden.

Monika Schmid-Balzert, Deutscher Mieterbund

Das gelte für alle Gesellschaftsgruppen: "Vom Rentner über Familien, auch mit mittleren Einkommen. Viele Menschen werden tatsächlich vom Münchner Wohnungsmarkt verdrängt", sagt die Expertin.

Neubauten: Quadratmeterpreise bis zu 50 Euro

Überall in der Stadt entstehen Luxus-Neubauten, in denen auch Mietwohnungen angeboten werden. Auch bei Sarah und Lukas um die Ecke, der Quadratmeter zu 50 Euro. "Das können sich normale Menschen doch nicht leisten!", ruft die junge Mutter. "Man bekommt ein beklemmendes Gefühl, weil man weiß: Bezahlbare Wohnungen werden immer rarer."

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Doch auch wer nicht umzieht, wie Patrick Mueller und seine Verlobte Frederike, leidet unter rasant steigenden Mietpreisen. Beim Einzug vor drei Jahren lag die Miete der Doppelverdiener bei 1.600 Euro kalt. Heute zahlen sie 2.000 Euro: Indexmiete.

Sie schieben den Kinderwagen mit ihren einjährigen Zwillingen vor sich her und hängen Flyer an Laternenpfähle in ihrem Viertel. Denn sie glauben nicht mehr daran, auf den Portalen fündig zu werden. "Was wir brauchen, findet man im Umkreis von 30 Kilometern um München einfach nicht", sagt der 35-jährige Art Director. Deshalb wollen sie ganz raus. Wenn Wohnen unbezahlbar wird, verliert eine Stadt die Menschen, die ihre Zukunft sein könnten.

Doku | Die Spur
:Die Mietfalle: Möbliert und abkassiert?

In Großstädten boomt der Markt für möblierte Zimmer und Apartments. Mieter zahlen teilweise horrende Preise. Immer wieder haben die teuren Zimmer Mängel wie defekte Heizung oder kein Warmwasser.
Video28:41
Ein Zimmer mit kahlen Wänden und kargem Einrichtungsstil. Im Vordergrund Mietpreis in rot sowie grünes Spur-Logo

Patricia Schäfer berichtet aus dem ZDF-Studio in München.

Über dieses Thema berichtete "Volle Kanne" am 13.03.2026 ab 09:05 Uhr.

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