Steuern auf Sprit sinken:Tankrabatt startet: Entlastung ja, Begeisterung nein
von Jan Meier
Ab 1. Oktober gilt der neue Tankrabatt. Pendler und Unternehmen hoffen auf niedrigere Kosten. Viele sehen die Maßnahme aber nur als kurzfristige Hilfe.
Am 1. Oktober tritt der von Bundesregierung beschlossene Tankrabatt in Kraft. Die Erwartungen bleiben jedoch gedämpft.
Quelle: Jan Woitas/dpaAb dem 1. Oktober greift der Tankrabatt der Bundesregierung. Aral sicherte zu: Wir geben die Senkung vollumfänglich an die Kunden weiter.
Kraftstoff wird dadurch vorübergehend günstiger. Viele Autofahrer, Pendler und Unternehmer begrüßen die Entlastung. Die Erwartungen bleiben jedoch gedämpft. Viele zweifeln daran, dass der Rabatt die eigentlichen Probleme löst.
Der Bundesrat hat dem neuen Tankrabatt zugestimmt. Ab Oktober sinken die Steuern auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent je Liter. Kritik gibt es weiter an Kosten und Wirkung.
25.09.2026 | 1:57 minTankrabatt keine Dauerlösung
Für Pendler wie Marcel Effenberg kommt die Maßnahme zur richtigen Zeit. Der 30-jährige Qualitätsprüfer fährt täglich 120 bis 140 Kilometer zur Arbeit und gibt monatlich rund 250 bis 300 Euro für Kraftstoff aus.
"Auch 20 oder 30 Euro sind 20 oder 30 Euro, die ich am Ende des Monats mehr habe", sagt der Brandenburger. Gleichzeitig betont Effenberg, dass der Tankrabatt keine dauerhafte Lösung sei.
Es braucht eine nachhaltige Lösung, die uns von dem Energieträger unabhängiger macht.
Marcel Effenberg, Pendler
Nötig seien ein besserer ÖPNV und mehr Elektromobilität.
Ob die Steuersenkungen tatsächlich bei den Verbrauchern ankommen, sei ungewiss, sagt Ökonom Henning Vöpel bei ZDFheute live. Es könne sein, dass Mineralölkonzerne Gewinne für sich verbuchen.
18.09.2026 | 13:24 minViele Autofahrer sehen das ähnlich. Ines Herzog hofft auf eine spürbare Entlastung, bleibt aber skeptisch: "Ich glaub's nicht so ganz, dass es so bleibt. Wenn doch, freu ich mich umso mehr."
Frank Petich hält den Rabatt grundsätzlich für richtig, aber für verspätet.
Das hätte viel schneller kommen müssen.
Frank Petich
Bei Preisen von bis zu 2,20 Euro habe die Maßnahme deutlich stärker geholfen. Jetzt sei sie "immerhin schon was, aber nicht so viel, wie man erhofft hat".
Noch kritischer äußert sich Rene Borchert: "2,24 Euro minus 17 Cent, da bin ich immer noch bei über zwei Euro. Da freut mich nichts, weil es immer noch zu teuer ist."
Vom 1. Oktober bis 31. Dezember soll die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Die Mehrwertsteuer eingerechnet, ergibt sich laut Regierung eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Bundestag und Bundesrat brachten dies unmittelbar vor dem letzten September-Wochenende auf den Weg. Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben.
Quelle: dpa
Logistik-Unternehmen will auf E-Fahrzeuge umsteigen
Auch Unternehmen profitieren grundsätzlich von niedrigeren Kraftstoffkosten. Besonders betroffen ist die Logistikbranche. Bei der UNITAX Pharmalogistik GmbH Großbeeren gehören Diesel und Kühltechnik zu den wichtigsten Kostenfaktoren.
Der ADAC hat sich dafür ausgesprochen, die sogenannte 12-Uhr-Regel an Tankstellen abzuschaffen. Die einmalige Preiserhöhung sei zwar besser vorhersehbar, habe die Preise jedoch nicht gesenkt.
23.09.2026 | 0:21 min"Für uns ist der Dieselpreis einer der Hauptkostentreiber", sagt Geschäftsführer Bernd Schmider. "Je höher der Preis ist, desto höher werden auch die Transportkosten."
Trotzdem sieht Schmider den Tankrabatt kritisch.
Der Tankrabatt wird kurzfristig helfen, das ist ein Pflaster, das aufgeklebt wird. Aber auf Dauer ist das nicht die Lösung.
Bernd Schmider, UNITAX Pharmalogistik
Die Bundesregierung könne "jeden Euro nur einmal ausgeben". Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, Zukunftstechnologien stärker zu fördern. UNITAX habe sich dem 1,5-Grad-Ziel verpflichtet und wolle bis 2032 komplett auf Elektrofahrzeuge umsteigen und dann weitgehend CO₂-neutral arbeiten.
Was der Tankrabatt für die deutsche Wirtschaft bedeutet, ordnet ZDF-Korrespondentin Valerie Haller in Frankfurt ein.
25.09.2026 | 1:09 minFratzscher sieht Tankrabatt kritisch
Skeptisch blicken auch viele Tankstellenbetreiber auf den Start. Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen, verweist auf die angespannte Lage vieler Betreiber: "Das ist ein Verlustgeschäft." Tankstellen erzielten inzwischen nur noch einen kleineren Teil ihres Umsatzes über Kraftstoffe.
Eine Tankstelle verdient an einer Tasse Kaffee im Zweifel mehr als an einer Tankfüllung.
Daniel Kaddik, Bundesverband Freier Tankstellen
Auch DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält wenig vom Tankrabatt. Eine Energiepreispauschale wäre aus seiner Sicht wirksamer.
Manche brauchen das Geld zum Tanken, andere für Lebensmittel. Das wäre das deutlich klügere Instrument.
Marcel Fratzscher, DIW-Präsident
Doch Direktzahlungen oder Steuererleichterungen lehnte die Bundesregierung ab. Ein Tankrabatt komme schneller bei Autofahrern an.
Die Spritpreise in Deutschland sind höher als in den meisten umliegenden Ländern - warum das so ist und was gegen die Teuerung jetzt getan werden soll, erklärt Mirko Drotschmann.
24.09.2026 | 12:55 minDie meisten Befragten freut diese Entlastung. Gleichzeitig überwiegt die Einschätzung, dass der Tankrabatt zwar kurzfristig helfe, die eigentlichen Probleme hoher Energiepreise und der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aber nicht löst. Für viele ist er deshalb vor allem eines: eine Atempause auf Zeit.
Jan Meier berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Brandenburg.
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