Arbeitsmarkt-Debatte bei "Tacke":Kündigungsschutz runter, Wachstum rauf?
von Torben Schröder
Der Arbeitsmarkt in Deutschland soll einen Aufschwung erleben - nur wie? Bei "Sarah Tacke" werden Ideen gesammelt. Es gibt den Blick nach Dänemark, und einen in die Zukunft.
Sarah Tacke klärt die Faktenlage, diskutiert über Verantwortung und Konsequenzen und sucht nach konstruktiven Antworten – mit Claus Ruhe Madsen, Bodo Ramelow, Christina Böhm und Quentin Gärtner.
06.08.2026 | 60:15 min"Mehr arbeiten, weniger krank sein - rettet das Deutschland?", fragt Sarah Tacke in ihrer ZDF-Sendung. Die Antworten zeigen, wie grundverschieden man auf das Thema blicken kann.
Madsen plädiert für weniger Kündigungsschutz
Claus Ruhe Madsen (CDU), Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, bringt das Beispiel seines Herkunftslandes. So viel Flexibilität, so wenig Kündigungsschutz wie in Dänemark - dann würden die Unternehmen auch mal zwei Leute "über den Durst" einstellen. Statt, wie hierzulande aus Angst, sie nicht mehr loszuwerden, zwei weniger.
Schlechte Arbeitsleistung lasse sich viel zu schwer sanktionieren, fügt Christina Böhm, Geschäftsführerin eines in vierter Generation familiengeführten Malerbetriebs, hinzu. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) wiederum sieht zahlreiche Arbeitgeber, vor denen die Arbeitnehmer regelrecht geschützt werden müssten. "Wenn Menschen Angst haben vor der Arbeitslosigkeit, ist die Frage, wie viel bummele ich oder rette ich mich doch in Krankheit, eine, die psychologisch mitwirkt", sagt Ramelow.
Die neuen Arbeitsmarktzahlen zeigen: Weniger Menschen sind arbeitslos, gleichzeitig stagniert die Nachfrage nach Beschäftigten. Dazu wächst der Wunsch nach Teilzeitarbeit – speziell bei Jüngeren.
31.10.2025 | 2:26 minMadsen: Wir müssen ein bisschen mehr leisten
Madsen plädiert für positives Denken. "Wir sind bei weitem nicht faul. Wir sind sensationell gut. Aber die Spielregeln haben sich ein bisschen verändert", sagt der Deutsch-Däne. Wir müssten daher ein bisschen mehr leisten, weil andere - beispielsweise in China - es auch tun.
Wir als Team Deutschland müssen viel stärker die Leute motivieren.
Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein
Sein Vorschlag: Überstunden sollten steuerfrei gestellt werden.
Ramelow verweist darauf, dass die Hälfte der Überstunden in Deutschland unbezahlt sei. Böhm führt das Beispiel von Mitarbeitern an, die mit 190 Stunden am Monatsende mehr netto raus haben als mit 210 Stunden und deshalb, obwohl sie gern mehr arbeiten würden, lieber Überstunden mit Urlaub ausgleichen. So motiviere man niemanden, mehr zu arbeiten, als er muss.
Die Koalition hat sich geeinigt: Mit einem umfassenden Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung wollen Union und SPD Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen.
02.07.2026 | 2:56 minUnternehmerin beklagt Bürokratie
"Bürokratie und Steuern runter" wäre der Wunsch der Unternehmerin. "Wir verwalten uns zu Tode", sagt Böhm. Als Mittelständler könne sie keine ganze Abteilung für die Bürokratie abstellen. Doch wenn sie Berichts- und Dokumentationspflichten nicht erfülle, stehe sie "mit einem Bein im Knast". Politikern fehle manchmal der Realbezug zu den Menschen und zur Arbeitswelt.
"Wenn man die Reformen immer so macht, dass man einen Teil der Gruppen außen vor lässt", sagt Ramelow am Beispiel der privat Krankenversicherten oder der nicht in die staatliche Rente einzahlenden Abgeordneten, "dann halte ich das für eine falsche Herangehensweise." Sein Reform-Ansatz:
Wenn wir die Einnahmen nicht verbreitern und auf alle Schultern verlagern, wird jeder Kompromiss noch mehr dazu führen, dass diejenigen, die wenig haben, noch weniger haben.
Bodo Ramelow, Bundestagsvizepräsident
Eine Kündigung ist kein Scheitern, sondern kann ein Neuanfang sein, den du nutzen kannst, um in dich reinzuhören, dich mit anderen auszutauschen und dir Zeit zum Verarbeiten zu nehmen.
17.04.2026 | 1:29 minDie sinkende Tarifbindung sieht Ramelow kritisch. "Deswegen neigen viele Arbeitnehmer mittlerweile dazu, zu sagen: Der Gesetzgeber soll es machen." Böhm verweist auf den Fachkräftemangel:
Wenn ich meine Leute schlecht behandle, sind die morgen weg.
Christina Böhm, Unternehmerin
Warum, fragt die Unternehmerin, brauche es überhaupt staatliche oder tarifliche Regularien? Madsen wirbt für Rahmenbedingungen und Spielregeln - und darin möglichst viel Freiheit.
KI wird in vielen Firmen genutzt und macht Arbeit effizienter. Doch die Kosten für deren Nutzung sind deutlich gestiegen.
05.08.2026 | 1:32 minZukunftsbranchen finden und Potenzial entfesseln
"Wir müssen uns überlegen: Womit verdienen wir in Zukunft unser Geld?", fordert der Student und Buchautor Quentin Gärtner (Grüne). Es gelte, die Zukunftsbranchen zu finden und das Potenzial zu entfesseln, das Deutschland ganz sicher habe. Die Rahmenbedingungen müssten sich verändern, damit Wachstumsbranchen entstehen können.
Dafür brauche es mehr Wagniskapital für Startups, weniger Kosten für Arbeit, ein auf die Demografie vorbereitetes Sozialsystem - und weniger Regulierung. "Das Geld von jungen Leuten wird für dämliche, billige Wahlgeschenke verzockt", ärgert sich Gärtner. Und das funktioniere noch nicht einmal, wenn man auf die Umfragen blicke.
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