Reaktionen auf CDU- und AfD-Antrag:"Falscher Weg": Knobloch entsetzt über Stolperstein-Verbot
Es hagelt Kritik am Stolperstein-Verbot im sächsischen Heidenau: Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch ist entsetzt, Grünen-Chef Felix Banaszak spricht von einem "Skandal".
Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Im sächsischen Heidenau hat der Stadtrat den Antrag von CDU und AfD gebilligt, keine neuen Stolpersteine mehr zu verlegen.
25.09.2026 | 0:53 minDie Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch (93) hat das Stolperstein-Verbot zum Gedenken an NS-Opfer im sächsischen Heidenau scharf kritisiert. Es sei der "völlig falsche Weg", Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie sei "entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen".
Der Stadtrat hatte mehrheitlich für einen Antrag gestimmt, dass künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich verlegt werden. Stattdessen soll das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden.
In einer bewegenden Rede hat die Holocaust-Überlebende Tova Friedman im Bundestag von ihrem Überleben im KZ Auschwitz berichtet. Sie warnt vor aufflammendem Antisemitismus.
28.01.2026 | 2:47 minStolpersteine: Unangemessene Form des Gedenkens?
Den Antrag hatten Vertreter der AfD, der CDU und der Bürgerinitiative Oberelbe gestellt. In der Begründung hieß es, Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden die Stolpersteine teilweise als unangemessene Form des Gedenkens. Zudem seien die Stolpersteine zeitweise durch Laub, Schmutz oder Schnee verdeckt, man gehe über sie "vielleicht gedankenlos" hinweg.
Auch Knobloch räumte ein: "Ich war nie eine Freundin des Konzepts der Stolpersteine." Ihre Argumente gegen die Stolpersteine seien bekannt, "das Münchner Konzept eines Erinnerns auf Augenhöhe halte ich für sehr viel gelungener", so die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden. Ihrer Ansicht nach ist es unwürdig, dass auf den Namen der Ermordeten auf dem Bürgersteig herumgetreten wird.
Knobloch und Mendel kritisieren Antrag
Darüber, wie man das Gedenken im Detail gestalte, habe es immer Diskussionen gegeben, die bis heute andauerten, "aber eines war doch immer glasklar":
Dezentrales Gedenken, das nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt wird, sondern ihn gerade durchdringt und prägt, ist grundsätzlich entscheidend für eine echte Kultur des Erinnerns.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ruft Zentralratspräsident Schuster dazu auf, Haltung zu zeigen. Angesichts zunehmenden Antisemitismus sei der Einsatz jedes Einzelnen gefragt.
27.01.2026 | 1:42 minAuch Meron Mendel, der Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, zeigt sich differenziert - kritisiert aber auch den Antrag: "Ich würde nicht sagen, dass jeder, der Stolpersteine für keine gute Idee hält, per se ein Antisemit ist."
Aber ich vermute, dass die Motivation der AfD eine andere ist. Von daher würde ich das sehr kritisch bewerten.
Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank
Banaszak zu Stolperstein-Verbot: "Skandal"
Grünen-Chef Felix Banaszak zeigt sich im dpa-Gespräch ebenfalls empört über den Vorstoß. "Dass sich CDU und AfD in Heidenau die Hand reichen, um Stolpersteine im öffentlichen Raum zu verhindern, ist ein Skandal." Gerade angesichts der aktuellen Debatten über den Umgang mit Rechtsextremismus und dem Vormarsch der AfD müsse man alles dafür tun, "um das Gedenken an diejenigen, die verfolgt und ermordet wurden, lebendig zu halten".
Die Begründung, man könne auf den Stolpersteinen herumtreten, ist absurd.
Felix Banaszak, Grünen-Chef
In München haben Menschen ein Zeichen gegen zunehmenden Judenhass gesetzt. Seit Beginn des Gaza-Kriegs nehmen in Deutschland Drohungen und Übergriffe auf Juden deutlich zu.
05.10.2025 | 1:31 minDer eigentliche Skandal sei, dass hier die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus mit Füßen getreten werde. Vielmehr liege genau im Betreten der Steine ihre Stärke, so der Grünen-Politiker. "Sie holen die Namen und Schicksale der Opfer in unseren Alltag und fordern uns auf, kurz innezuhalten." Wer dieses Gedenken aus dem Straßenbild verbannen wolle, müsse sich fragen lassen, warum die sichtbare Erinnerung an die Opfer störe.
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