Holocaust-Überlebende bei "Markus Lanz":Eva Umlauf: Antisemitismus ist "salonfähig geworden"
von Bernd Bachran
Als Kleinkind überlebte Eva Umlauf das KZ Auschwitz. Bei "Lanz" warnte sie eindringlich vor dem wachsenden Judenhass und einer gefährlichen Täter-Opfer-Umkehr.
Sehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 14. Mai 2026.
14.05.2026 | 75:21 minNur 416 von mindestens 230.000 Kindern haben die Hölle von Auschwitz überlebt. Eva Umlauf war eines von ihnen: Zwei Jahre alt, fast verhungert und todkrank wurde sie am 27. Januar 1945 aus dem Lager befreit.
Aus ihrer Familie überlebten nur ihre Mutter, sie selbst und ihre Schwester, die Ende April 1945 noch in Auschwitz zur Welt kam, den Holocaust. Ihr Vater und alle anderen Verwandten wurden von den Nazis ermordet.
Jüdische Gemeinden in Deutschland fühlen sich weiter unsicher. Das zeigt eine Umfrage des Zentralrats der Juden. Antisemitische Vorfälle gegen Gemeinden nehmen zu, etwa in Form von Drohanrufen.
01.05.2026 | 0:48 minHolocaust-Überlebende beobachtet zunehmenden Antisemitismus
In den vergangenen Jahren ist die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland deutlich gestiegen. Am Donnerstagabend erklärte die Holocaust-Überlebende Eva Umlauf bei "Markus Lanz", dass viele Menschen heute mehr Mut hätten, sich offen antisemitisch zu äußern. "Natürlich hat sich was verändert", sagte sie.
Der Antisemitismus war immer schon da, nur jetzt ist er salonfähig geworden.
Eva Umlauf, Holocaust-Überlebende
Jetzt dürfe man das sagen und zwar laut.
Eva Umlauf: Gesetze werden nicht beachtet
Eva Umlauf erzählte von einer langjährigen Freundin, die ihr gegenüber behauptete: 'Juden sind nur reich geworden, weil wir Wiedergutmachung gezahlt haben.' Früher hätte diese Freundin so etwas nie ausgesprochen - heute traue sie sich.
Die Leute trauen sich jetzt und werden dafür nicht bestraft. Wir haben die Gesetze, aber niemand beachtet sie.
Eva Umlauf, Holocaust-Überlebende
Seit dem 7. Oktober sei die physische Sicherheit deutlich zurückgegangen, so der Publizist Michel Friedman. Man könne nicht sicher sein, dass man sicher sei.
08.10.2025 | 5:15 minVon Wrochem: Antisemitismus war immer schon da
Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Oliver von Wrochem, erklärte, dass eine breite Mehrheit der Gesellschaft offen für Antisemitismus sei. Er betonte, dies stelle ein tief verwurzeltes Problem der deutschen Geschichte dar, das bereits lange vor der Zeit des Nationalsozialismus existiert habe.
Antisemitismus ist etwas, was die Menschen offensichtlich in einem Feindbild vereint, um das Gefühl zu haben, dass sie damit das Problem, was sie eigentlich ganz woanders haben, irgendwie lösen können.
Oliver von Wrochem, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Fehlende Trennung von Israel und Juden
Ein Grund, welcher zu Antisemitismus führe, sei die Tatsache, dass "man auch in Deutschland Israel und Juden nicht unterscheide", sagte Eva Umlauf. Viele Menschen würden Juden mit der israelischen Regierung gleichsetzen. "Wir in der Diaspora lebende Juden identifizieren uns aber nicht mit der Politik in Israel."
Für viele seien "die Juden dafür zuständig, dass man in Palästina die Kinder ermordet", führte Umlauf aus. Juden seien für einige jetzt "schlimmer als Deutsche waren". Für Eva Umlauf werden hier Opfer und Täter verwechselt.
Der Angriff auf den Iran sorgt auch in Deutschland für Spannungen. Sicherheitsbehörden warnen vor einem erhöhten Anschlagsrisiko gegen jüdische und israelische Einrichtungen und erhöhen den Schutz.
09.03.2026 | 1:46 min
Eva Umlauf: Juden wird eine Mitschuld an allem gegeben
Markus Lanz wies darauf hin, dass er immer wieder die Erfahrung mache, dass doch viele seiner Gesprächspartner immer ganz bewusst die Unterscheidung zwischen der israelischen Regierung und Menschen jüdischen Glaubens hervorheben. Eva Umlauf sah dies jedoch ganz anders.
Diese Differenziertheit gibt es nicht. Glauben Sie mir, wir sind die Juden und wir sind Mitschuld an allem.
Eva Umlauf, Holocaust-Überlebende
Kritik an der israelischen Politik müsse erlaubt sein, erklärte Eva Umlauf und verwies darauf, dass auch in Israel viele Menschen gegen die Politik von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu demonstrieren.
Der Gaza-Krieg hat die deutsch-israelische Freundschaft auf die Probe gestellt. Wie hat sich die politische Stimmung gegenüber Israel während der vergangenen zwei Jahre verändert?
14.10.2025 | 9:18 minOliver von Wrochem betonte die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber dem Staat Israel als Konsequenz aus den Verbrechen des 20. Jahrhunderts - insbesondere der Shoah und den von Deutschland ausgehenden Massenverbrechen.
Von Wrockem: Differenzierung ist notwendig
Zugleich kritisierte er, dass in solchen Debatten zu wenig zwischen dem Handeln der jeweiligen Regierung und Israel als Staat unterschieden werde, der auch als Folge der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik entstanden sei. Insgesamt fehle es in der Diskussion häufig an der notwendigen Differenzierung.
Haben die deutschen Hochschulen ein Problem mit Antisemitismus? Seit den Kriegen in Gaza und Iran wird Antisemitismus an Unis sichtbarer. Viele jüdische Studierende fühlen sich nicht mehr sicher.
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