Diskussion um Lehrpläne:Schriftlich Dividieren: Was müssen Schüler lernen?
von Cornelia Schiemenz
Müssen Grundschüler noch schriftliches Dividieren lernen? Ein Vorstoß des niedersächsischen Kultusministeriums sorgt für Irritationen. Wie zeitgemäß sind Deutschlands Lehrpläne?
Veraltete Lehrpläne sorgen für Kritik am Schulsystem. Viele gelten als wenig praxistauglich. In Zeiten von KI und Digitalisierung fordern Experten mehr lebensnahe und zukunftsorientierte Bildung.
13.01.2026 | 2:00 minDas Kultusministerium in Hannover hatte gerade verkündet, vom kommenden Schuljahr an in der Grundschule auf schriftliches Dividieren verzichten zu wollen, da regte sich schon Protest. Es folgte umgehend die Klarstellung: "Mit Blick auf die aktuelle Medienberichterstattung zur schriftlichen Division an Grundschulen möchten wir hier nochmal deutlich einordnen: das schriftliche Dividieren wird nicht abgeschafft", so das Ministerium. Es werde lediglich in Grundschulen vereinfacht, und in der weitergehenden Schule in den Klassenstufen fünf und sechs endgültig gelernt.
Niedersachsen betont, dass es sich nicht um einen Alleingang handele. Mit diesen Änderungen im Mathematik-Unterricht würden gemeinsame Bildungsstandards umgesetzt, auf die sich alle Länder im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) verständigt hätten. Fünf weitere Länder hätten neben Niedersachsen bereits Änderungen im Mathematik-Unterricht angestoßen.
Grundschullehrer beobachten einen deutlichen Abfall bei den Basiskompetenzen von Schülern. So sei etwa das Halten eines Stiftes oder Schneiden mit einer Schere bei manchen Kindern ein Problem.
14.10.2025 | 8:53 minDirektorin: Lehrpläne hoffnungslos überaltert
Bildung ist Ländersache, und da beginnt das Problem. Jedes Land wurschtelt vor sich hin. Aber einig sind sich alle: die Lehrpläne müssen dringend überarbeitet werden, nicht nur in Mathematik. Weil antiquierte Lehrpläne längst nicht mehr zur Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen zu passen scheinen, weil vieles heute mittels KI schneller und effizienter zu lösen ist.
Norma Grube, Direktorin an der Heinrich-von-Treba-Oberschule im sächsischen Marienberg bringt es ziemlich knackig auf den Punkt: "Was wir brauchen, ist mehr KI, weniger Kaulquappe". Damit irritiert sie schon mal den einen oder anderen Kollegen. Norma Grube ist FDP-Mitglied, engagiert sich im Bundesfachausschuss Bildung und findet die aktuellen Lehrpläne hoffnungslos überaltert.
Viele Schüler scheitern an den Mathe-Basics. Das Programm QuaMath soll selbstständiges, aktives Denken und Kreativität fördern. Dafür drücken auch Lehrkräfte wieder die Schulbank.
05.03.2025 | 7:24 minLehrerin: Mehr KI im Schulunterricht
"Ich glaube, dass wir gut daran tun würden, zu überlegen, welche Kompetenzen sind von Nöten, um die zukünftigen Probleme und Herausforderungen unserer Gesellschaft zu lösen", sagt die 42-Jährige. Und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Und ganz ehrlich: da fällt die Kaulquappe hinten runter, und KI steht deutlich im Vordergrund."
Grube selbst ist Lehrerin für Ethik und Englisch, verzichtet weitgehend auf Frontalunterricht. Sie versucht, die Kinder projekt- und themenbezogen für Schule zu begeistern. Aktuell produziert sie mit ihrer 10. Klasse einen Schulpodcast. Die Schüler sitzen konzentriert in Gruppen zusammen, suchen gemeinsam Antworten auf Fragen wie zum Beispiel "Wie beeinflussen Medien und die KI unser Verständnis von Menschenwürde?"
Studien melden sinkende Leistungen an Grundschulen. Viele Kinder kämpfen unter anderem mit der Sprache. Eine Schule zeigt Wege für mehr Unterstützung für Lernende.
16.11.2025 | 1:45 minAuch Schüler fordern Reform des Schulsystems
Die Schüler aus ihrer Lebenswelt abholen, das ist Grubes erklärtes Ziel. Und in dieser Lebenswelt dreht sich nun mal alles um Handys, soziale Medien, KI und moderne Technologien. Ihre Schüler weiß sie dabei auf ihrer Seite.
Meik aus der 10. Klasse pflichtet seiner Lehrerin bei: "Ich würde mir wünschen, dass das Schulsystem reformiert wird, dass es mehr aufs Leben vorbereitet. Solche Sachen wie lineare Funktionen sollen einfach aus dem Lehrplan verschwinden. Das brauchen wir nicht," gibt der 17-Jährige sehr direkt zu.
Schulleiter schlagen seit vielen Jahren Alarm, dass es zu wenig Lehrer an Schulen gibt. Die Ressourcen und die Zeit fehlen, um Lehrkräfte einzustellen.
28.11.2025 | 1:45 minSachsen will Bildungsland 2030 werden
Sachsen liegt im aktuellen Bildungsranking auf Platz 1. Böse Zungen behaupten jedoch immer wieder, damit sei der Freistaat nicht mehr als der Einäugige unter den Blinden. Im internationalen Vergleich sind alle Bundesländer abgehängt. Conrad Clemens (CDU), sächsischer Kultusminister, hat das Problem durchaus erkannt. Er hat noch große politische Ambitionen und Sachsen zum Bildungsland 2030 ausgerufen.
Eine Kommission aus Bildungsexperten soll Vorschläge für eine Reform der Lehrpläne erarbeiten. Der Minister gibt allerdings zu: "Die Herausforderung bei der Erarbeitung von Lehrplänen ist, dass es zu lange dauert. Wir haben zu große Intervalle zwischen den neuen Lehrplänen. Die Entwicklung ist gerade sehr dynamisch."
Clemens möchte Sachsen als Bildungsland Nummer eins deshalb ein Update verpassen - mit mehr Kompetenzvermittlung, mehr Selbstständigkeit der Schulen, mehr Beteiligung von Schülern. Es mangelt nicht an Ideen - es mangelt einzig an schneller Umsetzung.
Cornelia Schiemenz leitet das ZDF-Studio in Dresden.
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