Sprengvorrichtungen in Sachsen gefunden:Angriffe auf Stromnetz: Polizei fahndet nach Verdächtigem
Nach mehreren Angriffen auf das Stromnetz haben Ermittler auch in Sachsen Sprengvorrichtungen entdeckt. Die Polizei fahndet nach einem Verdächtigen.
In Sachsen wurden in der Nähe von zwei Umspannwerken Sprengvorrichtungen gefunden.
Quelle: Jürgen Lösel / dpaDie Polizei fahndet weiter mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.
Die Polizei und Staatsanwaltschaft in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen veröffentlichten am Samstagnachmittag im Zusammenhang mit den Vorfällen einen gemeinsamen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des 48 Jahre alten Verdächtigen und baten die Bevölkerung um Hinweise.
Nach der Sabotage an mehreren Umspannwerken und einem Bekennerschreiben wird europaweit nach einem 48-jährigen Tatverdächtigen gefahndet.
04.09.2026 | 1:28 minWohnung des Tatverdächtigen gestürmt
Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des Tatverdächtigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando am Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden. Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen.
Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen
Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister
Das mögliche Motiv
Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um "Klimaterrorismus" eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heißt es: "Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern gefährde Leben.
Keine Ideologie taugt als Ausrede.
Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalen
Auffällig ist, dass sich die betroffenen Orte in der Nähe von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im Süden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur - und sieht dabei Staat und Betreiber gemeinsam in der Pflicht.
03.09.2026 | 1:17 minErster Fundort im Süden Brandenburgs
Am Dienstagmorgen hatte es zunächst im Süden Brandenburgs einen Angriff auf die Stromversorgung gegeben. Dabei soll mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen im Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde gelenkt worden sein. In zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach Angaben des Netzbetreibers nicht.
Zweiter Fundort in der Nähe von Köln
Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon gingen später wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert.
Die versuchte Sabotage in einem Umspannwerk sorgt für Diskussionen über die Umsetzung des KRITIS-Dach-Gesetzes und die Rechte der Anlagen-Betreiber - Herbert Reul im Interview.
02.09.2026 | 5:38 minWeitere Fälle in NRW
Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger dann an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben suchte die Polizei am Freitag auch das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen ab.
Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen größeren Polizeieinsatz. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen zahlreiche Polizeiwagen zu dem Ort an einer Landstraße bei einem Waldstück. Es war auch ein Hubschrauber im Einsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige Stromanlage, die seit längerem außer Betrieb sei.
Neuer Fall in Sachsen
Auch im Osten von Sachsen entdeckte die Polizei insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen. "Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen", informierten die Sicherheitsbehörden. Fündig wurden die Ermittler südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion nahe der Grenze zu Brandenburg.
Am Freitag war es in der Region zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Auslöser waren "behördenübergreifende Informationen" und die Meldung eines aufmerksamen Bürgers. Aktuell werde eine Verbindung zu den anderen Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, informierten die Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Der Einsatz läuft weiter.
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