Affäre um Fördermittel:Berlins Kultursenatorin Wedl-Wilson tritt zurück
In der Fördergeld-Affäre für Projekte gegen Antisemitismus zieht die Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson nun Konsequenzen. Sie kündigte ihren Rücktritt an.
Berlins Kultur-Senatorin Wedl-Wilson ist zurückgetreten. Hintergrund ist ein Skandal um rechtswidrig ausgezahlte Fördermittel für Projekte gegen Antisemitismus.
24.04.2026 | 0:30 minFünf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus muss der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) noch einmal seine Regierung umbilden. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson will im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus zurücktreten. Sie habe Wegner um ihre Entlassung gebeten, teilte die parteilose Politikerin mit.
Sie habe sich dazu entschlossen, um Schaden von dem wichtigen Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus in Berlin abzuwenden, sagte Wedl-Wilson zur Begründung. Sie gehe diesen Schritt aus Verantwortung gegenüber der Stadt Berlin und ihren Bürgern.
Wegner entlässt Kultursenatorin
Wegner nahm das Rücktrittsgesuch von Wedl-Wilson an und dankte der parteilosen Politikerin für ihre Arbeit.
Sarah Wedl-Wilson übernimmt politisch und persönlich Verantwortung - dafür gebührt ihr Respekt.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin
Wedl-Wilson sei es als Kulturstaatssekretärin und seit 2025 als Senatorin gelungen, auch in herausfordernden Zeiten die Qualität der Berliner Kunst und Kultur zu fördern und zu stärken, so Wegner. Und sie habe alles dafür getan, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Stadt zu stärken und gleichzeitig Antisemitismus zu bekämpfen.
Scharfe Kritik des Rechnungshofes
Der Berliner Landesrechnungshof hatte am Donnerstag die Förderung einer Reihe von Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention in Millionenhöhe als rechtswidrig bewertet. In einem Prüfbericht kam er zu der Einschätzung, dass die Kulturverwaltung mit ihren Verfahren zur Bearbeitung und Auszahlung bestimmter Förderanträge gegen die Landeshaushaltsordnung und andere Regeln verstoßen habe.
Die betreffenden Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden dürfen.
Aus dem Bericht des Berliner Landesrechnungshofes
Die Rechnungsprüfer attestierten der Kulturverwaltung unter anderem fehlende Förderkriterien und eine willkürliche Auswahl der Projekte. Nötige fachlich-inhaltliche Prüfungen hätten nicht stattgefunden.
Wedl-Wilson hatte die Mittel freigegeben, nachdem CDU-Abgeordnete zuvor auf eine rasche Förderung der von der Fraktion benannten Projekte gedrängt hatten. Grünen und Linke werfen namentlich zwei CDU-Abgeordneten in dem Zusammenhang unzulässige Einflussnahme vor, was diese zurückweisen. Ein im Dezember eingesetzter Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses beschäftigt sich mit den Vorwürfen.
SPD, Grüne und AfD kritisieren Wegner
Der Spitzenkandidat der Berliner SPD, Steffen Krach, forderte Wegner auf, Wedl-Wilsons Nachfolge "gut und zügig" zu regeln. Als Regierender Bürgermeister und CDU-Parteivorsitzender trage er außerdem die Verantwortung dafür, dass die Fördermittelaffäre weiter lückenlos aufgeklärt werde. Dazu gehöre auch die Frage, "warum er monatelang nicht eingegriffen hat, um die Selbstbedienungsmentalität in seiner Fraktion und das rechtswidrige Handeln zu unterbinden."
Der "Tagesspiegel" wirft dem Berliner Bürgermeister Kai Wegner vor, den Umfang seiner Telefonate am ersten Tag des Stromausfalls im Südwesten von Berlin falsch dargestellt zu haben.
17.03.2026 | 0:41 minVon den Grünen erntete Wegner noch deutlichere Kritik. Dieser habe die CDU-Fördermittelaffäre seit Monaten "teilnahmslos" geschehen lassen, erklärte der Fraktionsvorsitzende Werner Graf.
Das Verhalten von Kai Wegner wird der Verantwortung eines Regierenden zu keiner Sekunde gerecht.
Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen
Nicht nur dem Kampf gegen Antisemitismus, sondern auch dem Vertrauen in die demokratischen Institutionen insgesamt sei "unermesslicher Schaden" zugefügt worden, so Graf. Auch die AfD sieht die "Gesamtverantwortung" für die Vorgänge rund um die Fördergeldaffäre bei Wegner.
Noch kein Jahr im Amt
Die in Großbritannien geborene Wedl-Wilson wurde am 22. Mai 2025 als Senatorin ernannt, sie ist also noch kein Jahr im Amt. Vorgänger Joe Chialo (CDU) war Anfang Mai 2025 zurückgetreten und hatte seinen Schritt mit dem Ausmaß damaliger Kürzungen im Kulturbereich begründet.
Er trug den Sparkurs der Stadt mit. Joe Chialos Image als Vorkämpfer für die Kultur war dahin. Nach seinem Rücktritt setzt der Regierende Bürgermeister auf Sarah Wedl-Wilson. Für was steht sie?
07.05.2025 | 2:02 minFür Berlins Regierungschef Wegner, der eine Koalition von CDU und SPD anführt, ist es bereits der dritte Rücktritt eines Senatsmitglieds seit Amtsantritt im April 2023. Vor Chialo hatte Ende April 2024 bereits Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) ihr Amt aufgegeben, nachdem ihr die Universität Rostock im Zuge einer Plagiatsaffäre den Doktortitel entzogen hatte.
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