Reformvorschläge stoßen auf Kritik:Sozialverbände: Kein Blankoscheck für Kürzungen
Die Reformvorschläge der Bundesregierung lösen teils breite Kritik aus. Sozialverbände warnen vor einer Gefahr für die Demokratie.
Die von Gesundheitsministerin Warken vorgeschlagene Reform der Pflegeversicherung stößt bei vielen auf Kritik. Der Gesetzentwurf setzt auf Einsparungen und Einschnitte.
05.06.2026 | 1:37 minVor den Regierungsberatungen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern warnen Sozialverbände vor einer weiteren Erosion der politischen Zustimmung für die schwarz-roten Reformen. Die aktuellen Debatten über höhere Zuzahlungen oder weniger Altersvorsorge machten den Betroffenen vor allem Angst, "und Angst ist kein guter Begleiter", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.
Engelmeier: Es grummelt deutlich
Die Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland SoVD, Michaela Engelmeier, sagte: "Die sich bisher abzeichnenden Ideen sind vor allem Kürzungen und Einsparungen. Das verdient keinen Blankoscheck." Bentele mahnte: "Die Stimmung ist angespannt, und es grummelt deutlich." Viele Menschen hätten den Eindruck, dass bei den kleinen Leuten gespart werde.
Derzeit muss Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) heftige Kritik für ihre Pflegereform-Pläne einstecken. Für Beratungen zu weiteren Reformen treffen sich die Koalitionsspitzen am kommenden Mittwoch mit den Sozialpartnern im Kanzleramt. Vorbereitungen des offiziellen Zusammentreffens mit Gewerkschaften und Arbeitgebern haben schon vor Tagen begonnen. Ende des Monats soll der Koalitionsausschuss die Weichen für ein großes Paket stellen, wie Union und SPD angekündigt hatten. Themen: Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratierückbau.
Gefahr für Demokratie?
Auf die Frage, ob sie der Koalition angesichts von AfD-Erfolgen und eines Vertrauensverlustes in der Bevölkerung Erfolg wünschten, gaben die Verbandschefinnen eine differenzierte Antwort. "Wir unterstützen politische Reformvorschläge, wenn sie fair und sozial ausgewogen sind und wenn sie das Leben der Menschen spürbar verbessern", sagte Bentele.
Die Bundesregierung ist verpflichtet, dieses Land gerechter zu machen.
Verena Bentele, VdK-Präsidentin
Dann gehe auch der Zuspruch zu extremistischen Parteien zurück. Aktuell komme eine "gerechte Beteiligung" von großen Vermögen am Gemeinwohl aber gar nicht vor, kritisierte Bentele. "Das verringert aus unserer Sicht die Bereitschaft, Reformen zu akzeptieren." Engelmeier sagte, Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger gebe es nur, wenn sie spürten, dass kleine und mittlere Einkommen nicht die Hauptlast trügen.
2027 wird ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro erwartet – Gesundheitsministerin Warken legt einen Gesetzentwurf für die Pflegereform vor. Ohne Kürzungen drohe das Gesundheitssystem zu zerbrechen.
04.06.2026 | 2:58 minEngelmeier sagte: "Ich wünsche der Bundesregierung Erfolg, wenn sie Reformen anpackt, die dieses Land gerechter, handlungsfähiger und sozial sicherer machen." Doch derzeit sehe sie die Gefahr, dass bei sozialer Sicherheit gespart werde. Dafür wäre ein hoher Preis zu zahlen. "Die demokratische Mitte würde weiter erodieren."
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