Brücke kaputt trotz Generalsanierung:Bahnchaos in NRW: "Nach dem Fahrplan gucke ich nicht mehr"
Nach fünf Monaten Großbaustelle sollte in Wuppertal der Bahnverkehr wieder störungsfrei laufen, doch es gibt neue Probleme: Bis September wird es Ausfälle und Verspätungen geben.
Gerade erst wurde die Strecke von Hagen nach Köln nach gründlicher Sanierung wieder freigegeben. Doch kaum rollen die Züge wieder, gibt es neue Brückenschäden und neue Behinderungen.
16.07.2026 | 1:47 minDer ICE nach Köln fällt aus. Der Regionalexpress nach Hagen hat fast eine Stunde Verspätung. Und die S-Bahn? Einmal bitte zum Schienenersatzverkehr. Auf der Anzeigetafel im Wuppertaler Hauptbahnhof reiht sich eine Meldung an die nächste. Viele Reisende zucken mit den Schultern.
"Eigentlich fahre ich zum Bahnhof, und warte, bis ein Zug kommt, der mich dahinbringt, wo ich hinmöchte", sagt Katharina Huwer, die mehrmals die Woche von Wuppertal nach Düsseldorf pendelt.
Nach dem Fahrplan gucke ich nicht mehr.
Katharina Huwer
Marita Speen will nach Köln fahren. Eigentliche Fahrtzeit: 30 Minuten. Aber: "Ich habe heute Morgen in die App geguckt, dann dachte ich: Super, die Züge fallen aus. Dann nehme ich den Überübernächsten."
Die Deutsche Bahn ist zum Sinnbild für Unpünktlichkeit geworden. MrWissen2Go Mirko Drotschmann erklärt, wie es dazu kommen konnte und was jetzt helfen soll, das zu ändern.
09.07.2026 | 10:15 minOpladen: Brücke bis Ende September nur eingleisig befahrbar
Die Bahn hatte die stark befahrene Strecke zwischen Köln, Wuppertal und Hagen seit Anfang Februar für knapp 800 Millionen Euro generalsaniert. Schienen, Weichen und Oberleitungen wurden erneuert.
Am vergangenen Freitag wurden die Arbeiten offiziell beendet. Es sollte endlich wieder Ruhe einkehren. Doch ausgerechnet am Tag der Wiedereröffnung der Strecke stellte ein Sachverständiger auf einer Brücke bei Opladen einen Riss in einer Stahlplatte fest.
Fünf Monate lang war die Strecke zwischen Hagen, Wuppertal und Köln gesperrt. Nach den Sanierungsarbeiten sollen dort nun wieder Züge fahren - zur Erleichterung vieler Pendler.
10.07.2026 | 1:51 minNach Köln: Zwei von drei Zügen pro Stunde fallen aus
Von der Bahn heißt es dazu: Die 1949 errichtete Brücke sei nicht erneuert worden, weil bisherige Inspektionen - zuletzt Ende 2025 - keine Schäden gezeigt hätten. Die Brücke über die Wupper besteht aus zwei Teilen - das heißt, für jedes Gleis gibt es eine eigene Brücke. Das Ziel sei, den kaputten Brückenteil so weit instand zu setzen, dass ab Ende September die Züge wieder über beide Gleise fahren könnten, teilte die Bahn mit.
Bis dahin müssen sich alle Züge das eine Gleis teilen. Nach Köln fallen deshalb zwei von drei Zügen pro Stunde aus. Doch auch nach September werden Züge noch für lange Zeit nur mit verminderter Geschwindigkeit über die Brücke fahren können. Es sei eine umfassende Sanierung nötig, die eigentlich erst in den 2030er Jahren vorgesehen war. Die Arbeiten würden nun aber vorgezogen.
Die Deutsche Bahn will mit KI gegen Kundenfrust vorgehen. Das KI-basierte Assistenzsystem "Kiana" soll künftig schneller über Störungen und Verspätungen informieren.
08.07.2026 | 0:36 minExperte: "Bahn-Management ist überfordert"
Bahnexperte Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin sieht darin kein überraschendes Einzelereignis. "Die Bahn hat momentan sehr viel Geld, sie hat sehr viele Bauarbeiten parallel und dann stellt sich heraus, man hat einfach nicht genügend Ressourcen."
Es ist nicht der eine große Fehler, sondern das gesamte System ist überfordert.
Christian Böttger, Bahnexperte
Jahrelang sei das Schienennetz auf Verschleiß gefahren worden. Viele Anlagen seien alt und störanfällig.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer von den Grünen ist schwer genervt: "Wenn wir den Menschen versprechen, monatelang auf den öffentlichen Nahverkehr zu verzichten, dann muss am Ende auch ein qualitativ hochwertiges Ergebnis herauskommen. Dann muss eine Verlässlichkeit auf dieser Strecke der Fall sein."
Ein bundesweiter Stillstand im Zugverkehr hat gestern zehntausende Fahrgäste betroffen. Ursache war eine Panne im Funksystem der Deutschen Bahn, die den Betrieb zeitweise komplett lahmlegte.
24.06.2026 | 1:46 minFahrgastverband: Fahrgäste brauchen verlässliche Informationen
Andreas Schröder vom Fahrgastverband Pro Bahn fordert schnelle Verbesserungen: "Die Sanierung war notwendig. Aber die Fahrgäste erwarten zu Recht, dass sie danach auch etwas davon haben." Vor allem brauche es eine zuverlässige Infrastruktur. "Und wenn Störungen auftreten, müssen die Menschen schnell und verständlich informiert werden.
Niemand möchte morgens am Bahnsteig stehen und rätseln, ob der Zug überhaupt noch kommt.
Andreas Schröder, Fahrgastverband Pro Bahn
Auf Pünktlichkeit werden die Pendler in Wuppertal noch lange warten müssen. Wann die Züge hier wieder nach Fahrplan fahren: ungewiss.
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