Münchner Sicherheitskonferenz:Gefährdet AfD-Teilnahme die Vertraulichkeit?
Unter dem Vorsitzenden Ischinger werden auch wieder AfD-Politiker zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen. SPD und Grüne sorgen sich um die Vertraulichkeit der Tagung.
Die AfD kann nach zwei Jahren erstmals wieder an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen. Bei SPD und Grünen wächst die Sorge um die Vertraulichkeit des Treffens.
07.02.2026 | 0:24 minZwei Jahre lang war der AfD der Zugang zur Münchner Sicherheitskonferenz versperrt. In der kommenden Woche nehmen erstmals wieder Vertreterinnen und Vertreter der in Teilen rechtsextremen Partei an dem renommierten Treffen zur Außen- und Sicherheitspolitik teil. Wegen der Russland-Nähe der AfD fürchten andere im Bundestag vertretene Parteien um die Vertraulichkeit der Tagung.
Münchner Sicherheitskonferenz: Kehrtwende der Leitung
Unter dem früheren Konferenzleiter Christoph Heusgen waren 2024 und 2025 keine Politikerinnen und Politiker der AfD eingeladen worden - wegen der Einstufung der Partei als teils gesichert rechtsextrem. Auch Vertreterinnen und Vertretern des BSW öffnete Heusgen nicht die Tür.
Zwei Jahre durfte die AfD nicht an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen. Jetzt der Kursschwenk - eine Einordnung von Hauptstadtkorrespondent Andreas Kynast.
29.12.2025 | 1:03 minIn diesem Jahr hat nach dreijähriger Pause wieder der ehemalige Diplomat Wolfgang Ischinger den Vorsitz des renommierten Treffens. Nach Ischingers Willen sollen in diesem Jahr Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien an der MSC teilnehmen. Die AfD sei immerhin die größte Oppositionspartei, sagte Ischinger Ende Januar vor Journalisten. Das sei ein Grund, "sie nicht auszuschließen".
... gilt als das weltweit wichtigste Treffen von Politikern und Experten zum Thema Sicherheitspolitik. Dieses Jahr findet sie vom 13. bis 15. Februar statt. Nach Angaben der Konferenzleitung haben bereits 65 Staats- und Regierungschefs zugesagt. Zu den prominentesten Gästen dürfte US-Außenminister Marco Rubio zählen. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll nach München kommen. Friedrich Merz (CDU) wird erstmals als Kanzler an der Konferenz teilnehmen.
(Quelle: dpa)
Nur AfD-Fachpolitiker eingeladen
Drei AfD-Fachpolitiker haben Einladungen erhalten. Neben dem verteidigungspolitischen Sprecher Rüdiger Lucassen werden die Abgeordneten Anna Rathert und Heinrich Koch an der Konferenz im Münchner Hotel Bayerischer Hof teilnehmen, wie ein Parteisprecher bestätigte.
Rathert ist Mitglied im Arbeitskreis Außen, Koch ist Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Die Parteichefs Alice Weidel oder Tino Chrupalla sind nicht eingeladen.
Russland-Nähe nährt Sicherheitsbedenken
Sicherheitspolitikerinnen von SPD und Grünen fürchten wegen der Teilnahme der AfD-Politiker um die Vertraulichkeit der Tagung. Sie werfen der AfD vor, sich zum Schaden Deutschlands für russische Interessen einspannen zu lassen.
In der Haltung zu Russland ist die AfD gespalten. Deutlich wird das an der Reise einzelner Abgeordneter zu einer Konferenz in Sotschi. Und an Aussagen des Co-Parteichefs.
16.11.2025 | 3:18 minAngesichts der Einstufung der AfD als teils gesichert rechtsextrem teile sie die Sicherheitsbedenken bezüglich einer Teilnahme der Partei, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Bettina Lugk (SPD), der Nachrichtenagentur AFP. Sie hätte es daher "für angemessen befunden", auch in diesem Jahr keine AfD-Mitglieder einzuladen.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sara Nanni, befürchtet insbesondere eine Weitergabe vertraulicher Informationen an Russland.
Wir können uns auf die Loyalität der AfD gegenüber deutschen Interessen schlicht nicht verlassen.
Sara Nanni, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen
AfD-Klage wegen Konferenzausschluss abgewiesen
Nach der Ablehnung durch den früheren Konferenzleiter Heusgen hatte die AfD versucht, sich auf dem Klageweg Zugang zur Konferenz zu erstreiten - noch bevor die Einladungen an die AfD-Fachpolitiker verschickt wurden. Die Partei sah sich als Opfer einer gezielten Ausgrenzung und forderte, als größte Oppositionsfraktion in außen- und sicherheitspolitischen Debatten eingebunden zu werden.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 nutzte US-Vizepräsident Vance seine Rede für eine Tirade gegen Europa. Verteidigungsminister Pistorius (SPD) reagierte schnell.
15.02.2025 | 2:48 minAnfang Februar wies das Landgericht München I die Klage endgültig als unbegründet ab. Als private Organisation könne die MSC selbst entscheiden, wen sie einlädt, die Arbeitsfähigkeit der AfD-Fraktion im Bundestag leide nicht darunter, dass sie nicht an der Veranstaltung teilnimmt, entschied das Gericht.
Vance sorgte auf Sicherheitskonferenz für Empörung
Im vergangenen Jahr hatte US-Vizepräsident JD Vance in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz angebliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Europa angeprangert und damit bei den europäischen Verbündeten für Schock und Empörung gesorgt. Als Beispiel führte er unter anderem eine politische Isolierung der AfD an. "Für Brandmauern ist kein Platz", sagte Vance und nutzte den in der CDU verwendeten Begriff zum Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der AfD.
Die US-Regierung unterstützt in Europa Rechtspopulisten wie die AfD, um der MAGA-Bewegung von US-Präsident Donald Trump ("Make America Great Again") in Europa einen größeren Einfluss zu verschaffen. In ihrer im Dezember veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie prangert die US-Regierung mit Blick auf die AfD eine angebliche "Zensur der Meinungsfreiheit und Unterdrückung der politischen Opposition" in Europa an.
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