Selenskyi zu Besuch in Berlin: Es ist kein Routinetreffen

Selenskyi zu Besuch in Berlin:Auch wenn es so wirkt: Es ist kein Routinetreffen

ZDF-Hauptstadtkorrespondent Wulf Schmiese.

von Wulf Schmiese

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Wolodymyr Selenskyi besucht Friedrich Merz in Berlin. Der verspricht ihm Hilfen für den Winter und darüber hinaus. Doch es geht um mehr: Den Auftakt einer diplomatische Offensive.

Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) begrüßt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, mit militärischen Ehren vor dem Bundeskanzleramt.

Der ukrainische Präsident Selenskyj bei Bundeskanzler Merz in Berlin zu Gast. Der Kanzler sicherte dabei der Ukraine Unterstützung für den Winter zu.

03.11.2026 | 1:51 min

Es ist schon Routine. Doch wieder ist ein Staatsgeheimnis daraus gemacht worden: Wolodymyr Selenskyj ist in der Stadt. Allerhöchste Sicherheitsstufe bedeutet das für Berlin. Erst nach Landung des ukrainischen Präsidenten darf vom Besuch berichtet werden.

Das strenge Protokoll ist keine Show, dieser Gast gilt als der am meisten gefährdete Präsident weltweit. Mit ihm könnte die Ukraine fallen - und damit am Ende sogar Europa.

Merz' Botschaft: Ukraine-Unterstützung als Selbstschutz

Die eigentliche Botschaft des Gastgebers Friedrich Merz geht in eine solche Richtung: Europa muss schon aus Selbstschutz unverbrüchlich an der Seite der Ukraine stehen. Wer über Frieden sprechen will, muss mit der Ukraine sprechen, und wer mit ihr spricht, muss auch mit Europa sprechen.

ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese aus Berlin

Zum Staatsbesuch des ukrainischen Präsidenten Selenskyj bei Bundeskanzler Merz berichtet ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese aus Berlin.

03.11.2026 | 1:14 min

Dass der deutsche Bundeskanzler dieses Europa personifiziert, das soll der Welt gezeigt werden mit Selenskyjs Berlin-Besuch. Es ist nun der siebte, seit Russland die Ukraine überfallen hat.

Große diplomatische Anstrengungen

Dieser Staatsbesuch ist gedacht als Auftakt einer Phase maximaler diplomatischer Dynamik. Jahrelanger Abnutzungskrieg, der in den fünften Winter geht und damit länger ist, als der Erste Weltkrieg insgesamt dauerte, hat beide Seiten zermürbt.

Merz und Selenskyj

Kanzler Merz sichert der Ukraine unverminderte Unterstützung zu und will den Druck auf Russland erhöhen. Das teilte er bei der Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj mit.

03.11.2026 | 31:12 min

Aussagen, dass Kiew und Moskau miteinander sprechen wollen, werden tatsächlich als Signale von Annäherung wirtschaftlich erschöpfter Gegner gesehen.

Unsere Botschaft an Russland lautet: Es ist Zeit für ein Ende.

Friedrich Merz nach dem Treffen im Kanzleramt

Merz: Hilfe fortsetzen, "bis dieser Krieg beendet ist"

Um aber nicht als der Unterstützung müde missverstanden zu werden, sagte er auch: "Wir werden unsere Hilfe fortsetzen, bis dieser Krieg beendet ist."

Das Treffen in Berlin dient der direkten vertraulichen Abstimmung zwischen der ukrainischen Führung und ihrem wichtigsten europäischen Verbündeten. Diese Rolle Deutschlands wird immer schwerer, weil sie mit hohen Kosten verbunden ist.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hält am 3. November 2026 im Bundeskanzleramt in Berlin gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten eine Pressekonferenz ab.

Deutschland kündigt der Ukraine weitere Unterstützung vor dem Winter an. Selenskyj betont den dringenden Bedarf an zusätzlicher Luftverteidigung.

03.11.2026 | 0:18 min

Symbolische 200 Millionen Euro Winterhilfe

Merz will beispielhaft sein, wenn er nun weitere Hilfe für die Ukraine verspricht. Dabei geht es nur um eine symbolische und vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen Euro an Winterhilfe, die der Bundestag noch genehmigen muss. Über 30 Staaten sollen folgen, und zwar all jene, deren Regierende Merz eingeladen hat in zwei Wochen zu einem Gipfel "Koalition der Willigen" in Berlin.

Für das Treffen nannte Merz drei Ziele: Weitere Hilfen für die Ukraine müssten koordiniert, insbesondere die Luftabwehr gestärkt und die Energieversorgung stabilisiert werden.

BSC: "Ein zentrales Format für deutsche Sicherheitspolitik"

Prof. Joachim Weber (Uni Bonn, CASSIS-Institut) analysiert die aktuellen Geschehnisse rund um die Berliner Sicherheitskonferenz (BSC) in phoenix vor ort am 03.11.2026 um 13:00 Uhr

03.11.2026 | 6:20 min

Zudem solle die Bereitschaft bekräftigt werden, nach einem Waffenstillstand Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu leisten. Und drittens braucht es diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Konflikts weltweit - Merz will sich um diese Allianz weiter kümmern, so wie er es schon auf seiner Asien-Reise letzte Woche getan hat.

Merz verknüpft Autorität der Kanzlerschaft mit Kriegsausgang

Merz fordert also mehr als bloßes militärisches Durchhalten, ihm geht es um die konkrete Ausgestaltung einer europäischen Nachkriegsordnung nach dem Krieg gegen die Ukraine.

An die Gespräche in Abu Dhabi schließen im Laufe des Jahres noch drei wichtige Gipfeltreffen an:

  • Am Rande des Apec-Wirtschaftsgipfels (18. und 19. November) im chinesischen Shenzen werden sich möglicherweise die Präsidenten der USA, Chinas und Russlands - Donald Trump, Xi Jinping und Wladimir Putin - zu einem Dreiergipfel treffen. China ist der wichtigste Unterstützer Russlands im Ukraine-Krieg. Führende westliche Politiker sagen, dass Putin seinen Krieg ohne chinesische Hilfe gar nicht weiterführen könnte.
  • Etwa zur selben Zeit ist in Berlin ein Gipfel der "Koalition der Willigen" geplant, der etwa 35 Staaten angehören, die die Ukraine unterstützen. Dabei wird es um weitere Hilfe für das Land gehen, vor allem um im Winter gegen Russland bestehen zu können.
  • Vom 13. bis 15. Dezember findet dann in Florida der G20-Gipfel statt. Die spannende Frage: Nimmt erstmals seit der russischen Invasion in der Ukraine der russische Präsident wieder teil? Und wenn ja: Lädt Gastgeber Trump dann auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein?

Der Außenkanzler verfolgt damit eine auch innenpolitische Strategie: Er versucht die Autorität seiner Kanzlerschaft auf das Engste mit dem Ausgang des Kriegs zu verknüpfen. Er will, das wurde heute deutlich, einen aus europäischer Sicht gerechten Frieden nicht nur mitmoderieren, sondern mitgestalten.

Der heikle Plan des "Außenkanzlers"

Zentrale Elemente einer Friedenslösung - sei es zu Sanktionen oder zur Sicherheitsarchitektur - können nur mit uns Europäern gelöst werden.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Selenskyj ergänzte: "Es kann nicht zu einem stabilen Frieden kommen, wenn Europa nicht am Verhandlungstisch sitzt."

Merz empfängt Selensky

Vor der nächsten Verhandlungsrunde mit Russland und den USA kommt Selenskyj heute nach Berlin. Im Gespräch mit Kanzler Merz geht es vor allem um die weitere Unterstützung der Ukraine.

03.11.2026 | 2:19 min

Merz setzt mit Unterstützung Selenskyjs fest darauf, die Ukraine als starken Partner in die Verhandlungen zu führen. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss: Sollte Europa an den Rand gedrängt werden oder die Ukraine am Verhandlungstisch scheitern, wäre die Außenpolitik der Kanzlerschaft Merz fundamental erschüttert. Der Besuch von Wolodymyr Selenskyj ist somit kein Routinetreffen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der heute-Sendung am 03.11.2026 ab 19 Uhr.

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