Drei Wochen nach der Amokfahrt:Leipzig zwischen Fußball-Euphorie und Hochsicherheitspollern
von Alban Löffler
Zum Conference-League-Finale wird in Leipzig gefeiert: Gleichzeitig läuft die politische Aufarbeitung der Amokfahrt vom 4. Mai weiter - und die Stadt diskutiert über neue Poller.
Zum Conference-League-Finale füllt ein Fanfest den Marktplatz von Leipzig. Nach der Amokfahrt Anfang Mai setzt die Stadt auf Sperren und Polizeikontrollen.
27.05.2026 | 2:21 minDrei Wochen nach der Amokfahrt in Leipzig sind zehntausende Fußballfans zum Finale der Conference League in die Stadt gekommen. Während die Anhänger schon vor dem Finale auf dem Marktplatz feiern, läuft in der Stadt die politische Aufarbeitung der tödlichen Fahrt.
Vorfreude auf Conference-League-Finale in Leipzig
Es fühlt sich ein bisschen nach Weltmeisterschaft im eigenen Land an: Schon einen Tag vor dem Finale sind die Fans von Rayo Vallecano und Crystal Palace in Leipzig eingetroffen, auf den Straßen wird Englisch und Spanisch gesprochen. Die Stadt veranstaltet auf dem Marktplatz ein Fanfest. "Eine großartige Stimmung hier, es ist fantastisch", sagt John Smith, er ist aus England angereist, um seine Mannschaft Crystal Palace im Finale zu sehen.
Auch Smith hatte Anfang Mai von der Amokfahrt gehört - die Tat, die Leipzig weiterhin beschäftigt: Wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem der Brite steht, kam das Auto schließlich zum Stehen. Der mutmaßliche Täter war zuvor durch die Grimmaische Straße gerast, zwei Menschen starben. Trotz dieser Vorgeschichte sagt Smith aber: "Ich fühle mich hier sehr sicher, das beschäftigt mich nicht."
Aus Ermittlerkreisen hieße es, der mutmaßliche Täter habe "psychische Auffälligkeiten gezeigt", berichtet ZDF-Reporter Thomas Bärsch aus der Leipziger Innenstadt.
05.05.2026 | 2:20 minStadt diskutiert nach Amokfahrt über Hochsicherheitspoller
Doch bei den Leipzigern hängt die Amokfahrt noch nach: "Wir sind noch sehr von diesem Ereignis getragen", sagt Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke). Direkt nach der Amokfahrt hatte die Stadt bereits temporäre Poller aufgestellt, um ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Nun diskutiert der Stadtrat darüber, wie die Innenstadt dauerhaft geschützt und ob das Verkehrskonzept nachgeschärft werden soll. Doch Rosenthal betont auch:
Es wird keine allumfassende Sicherheit geben - und wir wollen unsere Stadt auch nicht zu einer Festung machen.
Heiko Rosenthal, Ordnungsbürgermeister Leipzig (Die Linke)
In der Leipziger Innenstadt konnte man zwar schon vor der Amokfahrt viele absenkbare Poller sehen - doch sie stehen dort zur Verkehrsleitung. "Diese Poller sind nicht dafür gemacht, ein Fahrzeug aufzuhalten", erklärt Christian Schneider, Sachverständiger für Zufahrtsschutz.
In Leipzig spricht man deshalb über die Anschaffung von Hochsicherheitspollern - sie sind massiver und bieten mehr Schutz. Dabei geht es auch um Geld, doch Ordnungsbürgermeister Rosenthal sagt: "Das ist eine Frage der Prioritätensetzung, aus meiner Sicht ist das machbar."
In Leipzig hat ein mutmaßlicher Amokfahrer ein Auto in eine Fußgängerzone gesteuert. Zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Der Fahrer ist festgenommen, die Hintergründe noch unklar.
04.05.2026 | 2:09 minModerner Zufahrtsschutz ist unauffällig
Das Thema beschäftigt nicht nur die Stadt Leipzig: Christian Schneider war gerade auf einer internationalen Polizei-Fachmesse, dort hat er mit Kommunen und Behörden über sichere Innenstädte gesprochen. Der Zufahrtsschutzexperte betont, dass man guten Schutz nicht nur mit auffälligen Sperren, Pollern oder Schranken erreichen kann.
"Moderner Zufahrtsschutz ist diskret, wir müssen keine Festungen bauen", sagt Schneider - ein Beispiel sind begrünte Barrieren, die auf den ersten Blick wie Blumenbeete aussehen.
Vor dem Finale der Conference-League zwischen Crystal Palace und Rayo Vallecano in Leipzig hat es Krawalle gegeben. Mehr als 100 Anhänger der beiden Teams gerieten aneinander.
27.05.2026 | 0:18 minAusschreitungen zwischen Fans in der Innenstadt
Zurück auf den Marktplatz, auf das Fanfest zur Conference League: Für diese Veranstaltung setzt die Stadt auf das bewährte Großveranstaltungskonzept, eine Anpassung war laut dem Ordnungsbürgermeister nach der Amokfahrt nicht nötig.
Doch besonders bei solchen Großveranstaltungen gibt es viele Risiken, ein guter Zufahrtsschutz allein reicht nicht aus - das zeigt sich dann auch am Dienstagabend: In der Innenstadt kommt es zu heftigen Ausschreitungen zwischen spanischen und englischen Fans, es fliegen Flaschen und Kneipenmobiliar. Die Polizei, den ganzen Tag über mit vielen Beamten vor Ort, kann die Fanlager aber nach eigenen Angaben schnell trennen, die Lage beruhigt sich wieder.
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