"Markus Lanz": Von Beust kritisiert CDU-Wahlplakate

"Lanz"-Debatte um politische Rhetorik:"Nichtssagend", "inhaltslos": Von Beust kritisiert CDU-Plakate

von Felix Rappsilber

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Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust kritisiert bei "Lanz" die politische Rhetorik seiner eigenen Partei - und sieht in Floskeln einen Grund für Protestwahlverhalten.

Markus Lanz vom 19. März 2026: Markus Lanz, Ole von Beust, Boris Palmer, Kerstin Münstermann, Herfried Münkler

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 19. März 2026 in voller Länge.

19.03.2026 | 76:22 min

"Hellblauer Hintergrund, am besten die Landesfahne stilisiert, ein lächelnder Kandidat (...) und eine völlig nichtssagende Formulierung (...) - das sind völlig inhaltslose Dinge, die auch keiner glaubt." Der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust (CDU), hat am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" die Wahlplakate seiner eigenen Partei kritisiert.

Die CDU sei im Marketing der Neunzigerjahre stehen geblieben. Das sei ein "Grundproblem von CDU-Wahlkämpfen" und werblich eine "ziemliche Katastrophe", kritisierte von Beust, der sich zudem über politische Floskeln amüsierte: "Wenn Sie ein Problem haben, was langsam größer wird, die Öffentlichkeit drängt, es muss was passieren, Sie haben aber im Moment gar keine Lösung (...) parat, kommt meistens die Forderung: 'Das muss jetzt Chefsache werden.' Und der Chef sagt dann: 'Ich mache das zur Chefsache.'"

Passieren tut meistens überhaupt nichts, weil er gar nicht alleine entscheiden kann.

Ole von Beust, früherer Erster Bürgermeister Hamburgs

Mittel müssten bewilligt werden, politische Entscheidungen würden durch Ausschüsse und Gremien gehen: "Nur der Effekt ist: Indem gesagt wird, es ist Chefsache, wird der Eindruck erweckt, das Problem ist gelöst, nächstes Thema. Man gewinnt Zeit damit." Auch "das Zeitfenster" sei ein "völliges Kunstwort", was so klinge, "als sei irgendeine Strategie dahinter".

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Qualitz hat 2025 auf Wahlplakate verzichtet: Stattdessen schmückten Kunstwerke mit Tieren das Dorf. Die Aktion "Tiere des Dorfes" sollte für eine Auszeit sorgen.

21.02.2025 | 1:35 min

Münstermann: Floskeln aus Unsicherheit und Angst

Journalistin Kerstin Münstermann berichtete, dass sie diese Floskeln jeden Tag erlebe:

Es ist immer eine Unsicherheit, die dahinter steckt, einfach mal (...) das, was demjenigen wirklich auf dem Herzen liegt, geradeaus zu sagen - auch aus der Angst heraus, dass alle danach über ihn oder sie herfallen.

Kerstin Münstermann, Journalistin

Münstermann sagte: "Mittlerweile haben wir (...) ganz lange Pressekonferenzen und man denkt: Ihr redet euch so in Floskeln rein - oder um Kopf und Kragen." Von Beust gab eine weitere Erklärung für floskelhafte politische Rhetorik:

Mit einer übertriebenen Wortwahl entwickele ich den Eindruck: Da passiert was. Ich mache einen 'Doppel-Wumms', (...) ich mache einen '10-Punkte-Programm' - diese ganzen Worte, die Aktionismus und Tat vortäuschen.

Ole von Beust, früherer Bürgermeister Hamburgs

Wenn die Tat überhaupt komme, dauere der Prozess sehr lange. Werde dieser falsche Eindruck - "Jetzt passiert sofort was!" - erweckt, löse das Enttäuschung aus und führe zu Protestwahlverhalten.

Palmer: AfD durch Regieren kleiner kriegen

Gerade mit Blick auf anstehende Landtagswahlen kommt immer wieder die Frage auf: Wollen die CDU-Landesverbände die sogenannte Brandmauer zur AfD überhaupt noch aufrechterhalten?

Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister, sprach sich dafür aus, Alternativen argumentativ abzuwägen:

Die Perspektive einer Regierung, die ohne irgendeine Gemeinsamkeit aus BSW, vielleicht noch Linke, CDU und SPD zusammengeschweißt wird, weil die alle zusammen gehen müssen, um noch eine Mehrheit gegen die AfD zu kriegen, ist jetzt nicht so rosig.

Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister

Pressekonferenz anlässlich der Sitzung des Parteivorstands der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands in Berlin

Wie hast Du's mit der AfD? Schadet die Brandmauer der extremen Rechten oder nützt sie ihr? Die Union streitet. Kanzler Merz zumindest findet klare Worte.

20.10.2025 | 2:52 min

Palmer weiter: "Wenn die Sorge ist, dass die die Verfassung umstürzen wollen, kann man dann sagen, sie kriegen halt keinen Zugriff: kein Ministerpräsident, kein Justizminister, kein Innenminister. Dann kann da eigentlich nicht viel passieren."

Man könne ausprobieren, was die AfD mache, wenn sie tatsächlich mitwirken müsse: "Vielleicht kann man sie auf die Art und Weise erfolgreicher kleiner kriegen - Regieren ist nämlich anstrengend -, als sie hinter der Brandmauer wachsen zu lassen."

Münkler: Man muss eine Koalition gegen die AfD versuchen

Politikwissenschaftler Herfried Münkler hielt es dagegen für abwegig, dass sich die AfD auf eine Koalitionsbeteiligung ohne politische Ämter einlassen würde: "Wenn die CDU der Juniorpartner ist, wird sie nicht den Ministerpräsidenten stellen."

Friedrich Merz bei der Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Praesidiumsklausur der CDU im Konrad-Adenauer-Haus.

Bundeskanzler Friedrich Merz sieht bei den kommenden Landtagswahlen die AfD als „Hauptgegner.“ In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD aktuell deutlich vorn.

20.10.2025 | 2:16 min

Er warnte vor Palmers Szenario: "Man darf die strategischen Fähigkeiten [der AfD] nicht unterschätzen. Das würde dazu führen, dass die CDU die Probleme hat, die die Sozialdemokratie zurzeit hat. Deswegen sollte sie die Finger davon lassen."

Man muss versuchen, eine Koalition aus denjenigen, die der Rest sind und die die AfD verhindern können, zu bilden.

Herfried Münkler, Politikwissenschaftler

Auch von Beust lehnte Palmers Idee ab: "Wenn Sie sich die AfD-Jugendorganisation angucken oder das, was Höcke und andere sagen, das ist zutiefst völkisch durchtränkt und ekelhaft. (...) Sich mit diesen völkischen Hanseln einzulassen, ist völlig indiskutabel."

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 19.03.2026 ab 23:15 Uhr.
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