Kritik an Merz bei "Markus Lanz":Dennis Radtke (CDU): Bundesregierung wirkt "wenig empathisch"
von Felix Rappsilber
Dennis Radtke (CDU) wirft der Bundesregierung mangelnde Empathie vor. Angesichts der aktuellen Krisen fragt Journalistin Kerstin Münstermann: Warum meldet sich Merz nicht zu Wort?
Zur Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta, wie Migration in Nordafrika als geopolitisches Instrument eingesetzt wird sowie zur internen Lage in der CDU unter Friedrich Merz.
21.08.2026 | 75:43 minDie Debatte um irreguläre Migration hat wieder Fahrt aufgenommen, nachdem Ende Juli Zehntausende Menschen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht haben. Zwischen den europäischen Regierungen kam es zum Streit, innerhalb Deutschlands sorgten die Bilder aus Ceuta für Zweifel am europäischen Asylsystem.
Bei "Markus Lanz" am Donnerstagabend kam CDU-Politiker Dennis Radtke in dem Zusammenhang auch erneut auf die umstrittenen Stadtbild-Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz im Herbst 2025 zu sprechen. Radtke kritisierte die politische Sprache seines Parteichefs. Und sagte:
Selbst wenn wir jeden illegalen Migranten (...) aus Deutschland abgeschoben haben, wird sich an vielen Stellen im Stadtbild nichts verändern.
Dennis Radtke, CDU
Kanzler Friedrich Merz hat sich selbstkritisch zu seiner Aussage über das "Stadtbild" geäußert. In der ARD sagte der CDU-Politiker, er hätte sie früher präzisieren sollen.
09.12.2025 | 0:21 minMerz hatte damals im Zusammenhang mit irregulärer Migration und Abschiebungen von "Problemen im Stadtbild" gesprochen.
Radtke: Merz hat nur bedingt einen Punkt
CDU-Politiker Radtke schlug bei "Lanz" einen anderen Ton an: Weil Merz das "Stadtbild" und die Zunahme der Rückführungen illegaler Migranten in einen Zusammenhang gestellt hatte, habe er "nur bedingt einen Punkt".
Zwar würden auch seine Eltern sagen, dass Wattenscheid nicht mehr "wie früher" aussehe. "Aber Wattenscheid wird nie wieder so aussehen wie in den 1970er-, 1980er-Jahren", betonte er. Daran, dass der letzte deutsche Metzger in der Fußgängerzone zugemacht habe und es dort nur noch einen Halal-Metzger gebe, werde sich auch nichts verändern, "wenn wir den letzten illegalen Migranten aus Wattenscheid abgeschoben haben".
Nach dem Migranten-Andrang in Ceuta beginnt die EU, den Schock zu verarbeiten. Die Bilder aus Spaniens Exklave hätten "Panikreaktionen" ausgelöst, sagt ZDF-Korrespondent Röller.
01.08.2026 | 2:24 minRadtke: 2015 wird sich nicht wiederholen
Radtke sagte: "Wir sind am Ende ein Rechtsstaat und das heißt, der Rechtsstaat schiebt auch mit rechtsstaatlichen Mitteln ab und der Rechtsstaat setzt sich auch mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr." Daher warnte der CDU-Politiker vor falschen migrationspolitischen Versprechungen der rechtspopulistischen AfD:
Die AfD erklärt einfach: 'Wir können diesen Zustand beenden, von heute auf morgen.' Und so einfach ist es eben nicht.
Dennis Radtke, CDU
Er sprach sich dafür aus, Migrationspolitik mit einem "kühlen Kopf" anzugehen: "Sofort diesen Impuls zu haben, 2015 darf sich nicht wiederholen? Natürlich darf sich das nicht wiederholen, aber es wird sich auch nicht wiederholen", sagte er mit Blick auf die Zuwanderung zahlreicher Geflüchteter 2015 aus Syrien und dem Irak. Denn dafür seien mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem die politischen Weichen gestellt worden.
Das gemeinsame europäische Asylsystem, kurz GEAS, ist in Kraft getreten. So will die EU irreguläre Migration stoppen und Asylverfahren an den Außengrenzen beschleunigen.
12.06.2026 | 1:37 minMünstermann: Warum meldet sich Merz nicht zu Wort?
Kerstin Münstermann, Leiterin der Parlamentsredaktion der "Rheinischen Post", kritisierte bei "Markus Lanz" vor allem das derzeitige laute Schweigen des Bundeskanzlers. Mit Blick auf die Waldbrände und die Dürre in Deutschland, den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen und die Krise in Ceuta sei es "bitter", fragen zu können: "Warum meldet sich Friedrich Merz jetzt gar nicht zu Wort?"
Münstermann betonte, dem Bundeskanzler keine Faulheit zu unterstellen, weil sie sich sicher sei, dass er "alles" mitkriege:
Dennoch (...) hat dieser Kanzler in diesem Sommer die Chance ausgelassen, doch mehr als 13 Prozent Zustimmung zu seiner Politik zu erfahren, indem er sich mal zu Themen äußert, die Menschen angehen.
Kerstin Münstermann, "Rheinische Post"
Der Start von Kanzler Merz verlief holprig: Erst im zweiten Wahlgang erhielt er die Mehrheit. Auch ein Jahr später läuft es für ihn noch nicht rund – wie bewerten die Deutschen ihn und seine Regierung?
06.05.2026 | 1:03 minMangelt es der politischen Mitte an Empathie?
In Nordrhein-Westfalen habe es in einer Form gebrannt, wie es dort fast noch nie gebrannt habe, so Münstermann. Die Feuerwehrleute würden dagegen kämpfen, würden Menschen und Eigentum retten: "Ein X-Post, der sagt 'Vielen Dank!', das reicht nicht." Münstermann kritisierte:
Ich finde, [Merz] könnte empathisch sein. (...) Er könnte am Tag danach (...) hinfahren und den Menschen, die da wirklich teilweise unter Einsatz ihres Lebens kämpfen, dafür danken.
Kerstin Münstermann
Das sei nicht nur ein "Friedrich-Merz-Thema", sondern auch ein "Thema dieser Bundesregierung" und "mehr und mehr ein generelles Problem der politischen Mitte in diesem Land", ergänzte Radtke: "An manchen Stellen entsteht der Eindruck: Es ist wenig empathisch und es ist mitunter losgelöst von der Lebenswirklichkeit, die Millionen Menschen in unserem Land haben."
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu Friedrich Merz
- Analyse
Kritik an Personalwechseln des Kanzlers:Ein Scherbengericht für Friedrich Merz
von Mathis Feldhoffmit Video3:10 - Exklusiv
ZDF-Politbarometer:Klare Mehrheit sieht Reformen der Bundesregierung kritisch
mit Video6:02 Sommer-Pressekonferenz des Kanzlers:Merz: "Bin ein lernfähiges System"
mit Video88:15Streit über CDU und konservative Politik:Merz' Regierung: Zu viel SPD, zu wenig CDU?
mit Video28:01