Dennis Radtke bei "Lanz": Regierung wirkt "wenig empathisch"

Kritik an Merz bei "Markus Lanz":Dennis Radtke (CDU): Bundesregierung wirkt "wenig empathisch"

von Felix Rappsilber

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Dennis Radtke (CDU) wirft der Bundesregierung mangelnde Empathie vor. Angesichts der aktuellen Krisen fragt Journalistin Kerstin Münstermann: Warum meldet sich Merz nicht zu Wort?

Markus Lanz vom 20. August 2026: Markus Lanz, Dennis Radtke, Kerstin Münstermann, Daniel Thym, Hans-Christian Rößler

Zur Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta, wie Migration in Nordafrika als geopolitisches Instrument eingesetzt wird sowie zur internen Lage in der CDU unter Friedrich Merz.

21.08.2026 | 75:43 min

Die Debatte um irreguläre Migration hat wieder Fahrt aufgenommen, nachdem Ende Juli Zehntausende Menschen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht haben. Zwischen den europäischen Regierungen kam es zum Streit, innerhalb Deutschlands sorgten die Bilder aus Ceuta für Zweifel am europäischen Asylsystem.

Bei "Markus Lanz" am Donnerstagabend kam CDU-Politiker Dennis Radtke in dem Zusammenhang auch erneut auf die umstrittenen Stadtbild-Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz im Herbst 2025 zu sprechen. Radtke kritisierte die politische Sprache seines Parteichefs. Und sagte:

Selbst wenn wir jeden illegalen Migranten (...) aus Deutschland abgeschoben haben, wird sich an vielen Stellen im Stadtbild nichts verändern.

Dennis Radtke, CDU

Bundeskanzler Friedrich Merz im Austausch mit Bürgern in der ARD-Sendung "Arena"

Kanzler Friedrich Merz hat sich selbstkritisch zu seiner Aussage über das "Stadtbild" geäußert. In der ARD sagte der CDU-Politiker, er hätte sie früher präzisieren sollen.

09.12.2025 | 0:21 min

Merz hatte damals im Zusammenhang mit irregulärer Migration und Abschiebungen von "Problemen im Stadtbild" gesprochen.

Radtke: Merz hat nur bedingt einen Punkt

CDU-Politiker Radtke schlug bei "Lanz" einen anderen Ton an: Weil Merz das "Stadtbild" und die Zunahme der Rückführungen illegaler Migranten in einen Zusammenhang gestellt hatte, habe er "nur bedingt einen Punkt".

Zwar würden auch seine Eltern sagen, dass Wattenscheid nicht mehr "wie früher" aussehe. "Aber Wattenscheid wird nie wieder so aussehen wie in den 1970er-, 1980er-Jahren", betonte er. Daran, dass der letzte deutsche Metzger in der Fußgängerzone zugemacht habe und es dort nur noch einen Halal-Metzger gebe, werde sich auch nichts verändern, "wenn wir den letzten illegalen Migranten aus Wattenscheid abgeschoben haben".

Spanien, Ceuta: Soldaten der spanischen Armee und Beamte der Guardia Civil stehen Wache, während Migranten aus der spanischen Exklave Ceuta nach Marokko zurückkehren.

Nach dem Migranten-Andrang in Ceuta beginnt die EU, den Schock zu verarbeiten. Die Bilder aus Spaniens Exklave hätten "Panikreaktionen" ausgelöst, sagt ZDF-Korrespondent Röller.

01.08.2026 | 2:24 min

Radtke: 2015 wird sich nicht wiederholen

Radtke sagte: "Wir sind am Ende ein Rechtsstaat und das heißt, der Rechtsstaat schiebt auch mit rechtsstaatlichen Mitteln ab und der Rechtsstaat setzt sich auch mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr." Daher warnte der CDU-Politiker vor falschen migrationspolitischen Versprechungen der rechtspopulistischen AfD:

Die AfD erklärt einfach: 'Wir können diesen Zustand beenden, von heute auf morgen.' Und so einfach ist es eben nicht.

Dennis Radtke, CDU

Er sprach sich dafür aus, Migrationspolitik mit einem "kühlen Kopf" anzugehen: "Sofort diesen Impuls zu haben, 2015 darf sich nicht wiederholen? Natürlich darf sich das nicht wiederholen, aber es wird sich auch nicht wiederholen", sagte er mit Blick auf die Zuwanderung zahlreicher Geflüchteter 2015 aus Syrien und dem Irak. Denn dafür seien mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem die politischen Weichen gestellt worden.

Mit dem neuen Asylsystem will die EU ihre Außengrenzen besser vor illegaler Einwanderung schützen.

Das gemeinsame europäische Asylsystem, kurz GEAS, ist in Kraft getreten. So will die EU irreguläre Migration stoppen und Asylverfahren an den Außengrenzen beschleunigen.

12.06.2026 | 1:37 min

Münstermann: Warum meldet sich Merz nicht zu Wort?

Kerstin Münstermann, Leiterin der Parlamentsredaktion der "Rheinischen Post", kritisierte bei "Markus Lanz" vor allem das derzeitige laute Schweigen des Bundeskanzlers. Mit Blick auf die Waldbrände und die Dürre in Deutschland, den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen und die Krise in Ceuta sei es "bitter", fragen zu können: "Warum meldet sich Friedrich Merz jetzt gar nicht zu Wort?"

Münstermann betonte, dem Bundeskanzler keine Faulheit zu unterstellen, weil sie sich sicher sei, dass er "alles" mitkriege:

Dennoch (...) hat dieser Kanzler in diesem Sommer die Chance ausgelassen, doch mehr als 13 Prozent Zustimmung zu seiner Politik zu erfahren, indem er sich mal zu Themen äußert, die Menschen angehen.

Kerstin Münstermann, "Rheinische Post"

Befragung einer Frau

Der Start von Kanzler Merz verlief holprig: Erst im zweiten Wahlgang erhielt er die Mehrheit. Auch ein Jahr später läuft es für ihn noch nicht rund – wie bewerten die Deutschen ihn und seine Regierung?

06.05.2026 | 1:03 min

Mangelt es der politischen Mitte an Empathie?

In Nordrhein-Westfalen habe es in einer Form gebrannt, wie es dort fast noch nie gebrannt habe, so Münstermann. Die Feuerwehrleute würden dagegen kämpfen, würden Menschen und Eigentum retten: "Ein X-Post, der sagt 'Vielen Dank!', das reicht nicht." Münstermann kritisierte:

Ich finde, [Merz] könnte empathisch sein. (...) Er könnte am Tag danach (...) hinfahren und den Menschen, die da wirklich teilweise unter Einsatz ihres Lebens kämpfen, dafür danken.

Kerstin Münstermann

Das sei nicht nur ein "Friedrich-Merz-Thema", sondern auch ein "Thema dieser Bundesregierung" und "mehr und mehr ein generelles Problem der politischen Mitte in diesem Land", ergänzte Radtke: "An manchen Stellen entsteht der Eindruck: Es ist wenig empathisch und es ist mitunter losgelöst von der Lebenswirklichkeit, die Millionen Menschen in unserem Land haben."

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Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 21.08.2026 ab 23:15 Uhr.

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