Debatte um AfD-Verbot bei "Lanz":CDU-Politiker Ziemiak: "Die Politik der AfD ist gefährlich"
von Felix Rappsilber
Schriftsteller Harald Martenstein positioniert sich gegen ein AfD-Verbotsverfahren. Paul Ziemiak (CDU) warnt vor der AfD und bringt einen "heißen Sommer der Reformen" ins Spiel.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 26. Februar 2026 in voller Länge.
26.02.2026 | 75:16 min"Gegen das Verbot der AfD zu sein ist eine legitime Position, die von aktuell mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geteilt wird." - Kolumnist Harald Martenstein sprach sich am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" gegen ein AfD-Verbotsverfahren aus.
Wenige Stunden nach einem Aufsehen erregenden Gerichtsbeschluss: In einem Eilverfahren hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass der Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als "gesichert rechtsextremistisch" einstufen darf. Melanie Amann erklärte:
Nie wieder Faschismus, Totalitarismus, Diktatur - das Parteiverbotsverfahren ist ein Instrument (...), um sicherzustellen, dass das nie wieder passiert.
Melanie Amann, Juristin
Es gehe nicht darum, dass einzelne Politiker eine "missliebige Partei" ausschalten wollten: "[Ein Parteiverbotsverfahren] ist ein aus der Politik und von Staatsorganen angestoßener Prozess, in dem Richter nach juristischen, verfassungsrechtlichen Prinzipien prüfen: Ist diese Partei eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung - ja oder nein?"
Das Kölner Verwaltungsgericht untersagt dem Verfassungsschutz, die AfD als "gesichert rechtsextrem" einzustufen. Das Verbot gilt vorerst bis zum Abschluss des Hauptverfahrens.
26.02.2026 | 2:18 minMartenstein: AfD ist andere Partei als die NSDAP
Martenstein hielt dagegen: Indem Amann "Nie wieder!" betone, setze sie die AfD mit der NSDAP gleich: "Das ist historischer Unsinn. Die AfD ist eine andere Partei als die NSDAP. Die NSDAP hat die größte Mordmaschinerie der bisherigen Geschichte geschaffen."
Die NSDAP sei gekennzeichnet durch uniformierte Paramilitärs in den Straßen, durch den Willen, einen Weltkrieg zu beginnen, durch die Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen und durch die Inhaftierung aller politischen Gegner. Er sagte: "Ich glaube nicht, dass Sie dergleichen bei der AfD diagnostizieren können."
Martenstein wollte nicht missverstanden werden:
Wenn man gegen das Verbot einer Partei ist, bedeutet das nicht gleichzeitig eine Liebeserklärung an diese Partei.
Harald Martenstein, Schriftsteller
Die Partei bleibe "Alarmstufe gelb" - ein rechtsextremer Verdachtsfall. Doch Alarmstufe rot dürfe der Verfassungsschutz Stand jetzt nicht ausrufen, so Rechtsexpertin Sarah Tacke.
26.02.2026 | 2:31 minAmann: AfD-Verbotsverfahren in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt prüfen
Amann entgegnete, dass sie lediglich hergeleitet habe, woher die Idee des Parteiverbotsverfahrens stamme. Die Juristin ordnete den aktuellen Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln ein:
Es gibt Bestrebungen in der AfD, die verfassungsfeindlich sind, aber die Frage ist - und da sagt das Gericht Nein: (...) Sind die repräsentativ für die gesamte AfD?
Melanie Amann, Juristin
Daher sei sie skeptisch, dass ein Parteiverbotsverfahren Erfolg hätte. Aber: "Warum fangen wir nicht mal an mit Thüringen, (...) mit Sachsen, Sachsen-Anhalt, mit den einzelnen Untergliederungen der Partei, die das Verfassungsgericht (...) auch verbieten kann?"
Das Verwaltungsgericht Köln untersagt dem Verfassungsschutz vorläufig, die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen. ZDFheute live analysiert die Entscheidung.
26.02.2026 | 9:39 minParteiverbotsverfahren - Ultima Ratio der Verfassung
Auch Paul Ziemiak zweifelte am Erfolg eines AfD-Verbotsverfahrens. Gleichwohl warnte der CDU-Politiker: "Manche könnten den Eindruck haben, [ein Parteiverbotsverfahren] sei eine Prüfinstanz für die Frage: Ist das für Deutschland gefährliche oder nicht gefährliche Politik? (...) Das Verbot einer Partei ist die Ultima Ratio der Verfassung."
Egal, ob man so ein Parteiverbotsverfahren anstrebt oder nicht, die Politik der AfD halte ich für gefährlich für unser Land - wirtschaftlich, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die Sicherheit.
Paul Ziemiak, CDU-Politiker
Die AfD darf vom Verfassungsschutz vorerst nicht als gesichert rechtsextrem eingestuft werden. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet, wie die Parteien darauf reagieren.
26.02.2026 | 1:20 minMartenstein: Union fährt mit ausgeschaltetem Scheinwerfer
Martenstein sagte, die AfD würde aus "Frustration über das Angebot der anderen" gewählt: "Das Gefühl Es-geht-nichts-voran ist wirklich ein beherrschendes in weiten Teilen der Bevölkerung."
Die "zentralen Zukunftsprobleme, vor denen wir stehen", seien die Wirtschaftskrise, die Migration und die Bildungskrise. Er kritisierte: "Diesen Problemen ist der Parteitag der CDU ausgewichen. Ich frage mich: Wie lange kann die Union noch weiterfahren mit ausgeschaltetem Scheinwerfer?"
Martenstein wandte sich an Ziemiak:
Der Kampf gegen diesen politischen Gegner hat dadurch zu erfolgen, dass man die Probleme bearbeitet, die diesem Gegner die Wähler zutreiben.
Harald Martenstein, Schriftsteller
Der Verfassungsschutz muss bezüglich der AfD vorerst auf den Ausgang des Hauptsacheverfahrens warten. ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke erklärt, was diese Eilentscheidung bedeutet.
26.02.2026 | 1:24 minZiemiak: Heißer Sommer der Reformen könnte passieren
Ziemiak betonte, die "Frage der Reformen in Deutschland" für "ganz substanziell" zu halten: "Wir haben ja noch die SPD in der Regierung und da kommen wir zum Problem." "Die SPD ist das Problem?", hakte Lanz nach. Ziemiak erwiderte:
Wir haben (...) ganz gute Lösungen, aber es gibt ein paar Probleme mit der SPD. Das ist die Frage der Reformbereitschaft und daran arbeiten wir.
Paul Ziemiak, CDU-Politiker
Das solle man "öffentlich nicht so sehr" diskutieren, appellierte Ziemiak, sondern sich vor allem zusammensetzen. Er gab sich optimistisch: "Ein heißer Sommer der Reformen könnte passieren, zum Beispiel wenn die Rentenkommission zum Abschluss kommt."
Mehr zur AfD
Gericht gibt Eilantrag statt:Beschluss: AfD nicht gesichert rechtsextremistisch - vorerst
mit Video2:18- Interview
Gericht kippt Einstufung vorerst:Experte: "Der AfD ist kein Persilschein erteilt worden"
mit Video9:39 Affäre um Verflechtungen:AfD-Spitze weist Vorwürfe zu Vetternwirtschaft zurück
von David Gebhard, Anne Herzlieb, Julia Klaus, Marta Oroszmit Video11:16Landesverfassungsschutz:Rechtsextremismus: AfD Niedersachsen hochgestuft
mit Video0:34