Kriegsdienst:Immer mehr Menschen nehmen ihre Verweigerung zurück
Immer mehr Menschen in Deutschland ziehen ihre Verweigerung des Kriegsdienstes wieder zurück. Das belegen Zahlen des zuständigen Bundesamtes.
Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2026 deuten auf einen Rekord hin: Demnach haben im ersten Halbjahr 402 Menschen ihre Kriegsdienstverweigerung widerrufen.(Symbolbild)
Quelle: dpaDie Zahl derjenigen, die ihre Kriegsdienstverweigerung in Deutschland widerrufen, könnte in diesem Jahr laut einem Zeitungsbericht einen neuen Höchststand erreichen.
Hochrechnung ergibt Rekord
Im ersten Halbjahr 2026 seien 402 Verzichtserklärungen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) eingegangen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf eine Sprecherin des Bundesamtes. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr würde dies demnach einen neuen Rekord bedeuten.
Bei den Plänen von Verteidigungsminister Pistorius zur Stärkung der Bundeswehr spielen Reservisten eine wichtige Rolle. ZDF-Korrespondentin Ines Trams mit den Hintergründen.
01.07.2026 | 0:36 min2023 gingen beim Bundesamt den Angaben zufolge 536 Verzichtserklärungen ein, 2024 waren es 626, 2025 dann 781 und im ersten Halbjahr 2026 schließlich 402.
Rückzug durch formlose Erklärung
Für ein Zurückziehen der Kriegsdienstverweigerung reicht demnach eine formlose Erklärung mit Unterschrift. In der Folge "gilt die antragstellende Person rechtlich nicht mehr als Kriegsdienstverweigerer und unterliegt im Falle einer Reaktivierung der Wehrpflicht beziehungsweise im Spannungs- oder Verteidigungsfall wieder der uneingeschränkten Wehrpflicht", teilte die Sprecherin mit.
Die Zahl der Bewerbungen für die Bundeswehr ist deutlich gestiegen. Laut Verteidigungsministerium sind bislang rund 38.500 Bewerbungen eingegangen, ein Plus von 24 Prozent zum Vorjahreszeitraum.
25.06.2026 | 0:25 minZuletzt hatte das Bundesamt bekannt gegeben, dass im Zuge der möglichen Wiedereinsetzung der Wehrpflicht die Zahl der Kriegsdienstverweigerer derzeit stark zunehme. Waren es 2023 noch 1.079, wuchs die Zahl im Jahr darauf auf 2.249, 2025 dann auf 3.879 und im ersten Halbjahr 2026 schließlich auf 5.862.
Wehrdienst-Modernisierungsgesetz seit 2026 in Kraft
Der Hintergrund: Die allgemeine Wehrpflicht wurde durch das Wehrpflichtgesetz eingeführt, das der Bundestag am 7. Juli 1956 beschloss. Seit 2011 ist sie ausgesetzt. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage trat am 1. Januar 2026 das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz in Kraft.
Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium Bilanz: Knapp 300.000 Briefe wurden verschickt, 530 der Angeschriebenen wurden rekrutiert.
24.06.2026 | 0:35 minEs führt keine allgemeine Wehrpflicht ein, sondern setzt zunächst auf einen freiwilligen Wehrdienst. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt unberührt. Reichen die Freiwilligen nicht aus, kann der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen. Dann wäre auch eine verpflichtende Einberufung wehrpflichtiger Männer möglich.
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