CDU-Ministerpräsident an SPD: "Mitliefern" statt "große Sprüche"

CDU-Ministerpräsident von Sachsen:Kretschmer an SPD: "Mitliefern" statt "große Sprüche"

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

|

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert von der SPD, dass sie jetzt in der Koalition "mitliefern" müsse. Zudem sprach er sich im ZDF gegen eine CDU-Minderheitsregierung aus.

Michael Kretschmer im Interview bei "Berlin direkt"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert im ZDF-Interview, dass die SPD in Zukunft in der Koalition "mitliefern" müsse. Es reiche nicht, "große Sprüche" zu machen.

11.10.2026 | 6:01 min

In Berlin trifft sich seit Sonntagabend das CDU-Präsidium, um in einer Krisensitzung über die Folgen der vergangenen Wahlniederlagen zu beraten. Auch dabei: Sachsens Ministerpräsident und stellvertretender Parteichef Michael Kretschmer (CDU).

Er wolle nicht dabei "zuschauen", wie "dieses Land an Rechtsextreme übergeht", sondern Themen wie hohe Energiepreise und Lebenshaltungskosten "aus der Mitte" klären, sagte er in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Das funktioniere aber nur, "wenn die SPD mitmacht".

Die SPD, die kann hier nicht in Berlin demonstrieren gehen und große Sprüche machen, sondern die muss mitliefern in dieser Koalition.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

15. Bundesparteitag der AfD Symbolbild

Nach der Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten stellt sich besonders in der CDU die Frage: Wie umgehen mit dieser immer stärker werdenden Partei? Teile der Partei fordern einen Kurswechsel.

11.10.2026 | 3:07 min

Kretschmer lehnt Minderheitsregierung ab

Kretschmer spielt damit auf eine spontane Demonstration der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin an. Zahlreiche Abgeordnete waren am Dienstagabend durch das Brandenburger Tor bis zum Bebelplatz gelaufen, um gegen die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten zu protestieren.

Im Bund gebe es jetzt "verschiedene Optionen", wie es weitergehen könnte, so der CDU-Ministerpräsident. Eine Minderheitsregierung, wie es gerüchteweise Teile der Partei vorschlagen, lehnt Kretschmer aber ab.

Ein klares Nein zu einer Minderheitsregierung. Aber auch ein klares Ja zur Einforderung von Verantwortung.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

Brandmauer-Diskussion "bringt uns keinen Meter weiter"

Angesprochen auf seine Meinung zur "Brandmauer", also der Abgrenzung seiner Partei von der AfD, sagte Kretschmer, dass diese Diskussion "uns keinen Meter weiter" bringe. Man dürfe "nicht auf andere schauen, sondern selber handeln". In diesem Zusammenhang stimmte er auch einer Aussage der Grünen-Fraktionschefin Britta Hasselmann zu, die im ZDF forderte, die "Lebenslagen" von Menschen zu "sehen" und Lösungen anzubieten.

Ich glaube, wir haben aus christlicher Sicht auch Lösungen für schwierige Themen und deswegen sollten wir die Themen klären und nicht warten, bis andere die Macht übernommen haben.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

Sächsischer Abgeordneter gegen "Unvereinbarkeitsbeschlüsse"

Ausgerechnet ein sächsischer Bundestagsabgeordneter der CDU forderte in der "Welt am Sonntag" das Ende von strikten Abgrenzungen. "Die starren Unvereinbarkeitsbeschlüsse bringen uns nicht voran", sagte Florian Oest. Leitplanken für Entscheidungen sollten unter anderem das christliche Menschenbild und die soziale Marktwirtschaft sein.

Unter anderem die CDU-Familienministerin Karin Prien beharrt dagegen auf einer klaren Grenze zur AfD. "Sonst wird es die CDU, wird es die Union in dieser Form auf Dauer nicht mehr geben", so Prien.

Nach den Landtagswahlen - CDU Berlin

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, die Sozialreformen schnell umzusetzen. Mittlerweile stellt sich nur die Frage: Zieht die eigene Partei da noch mit?

11.10.2026 | 4:03 min

Kretschmer: Wichtige Themen sind "nicht angegangen worden"

Ein Problem der schwarz-roten Koalition ist laut Kretschmer, dass sie sich zu lange mit "Nebenthemen" beschäftigt hat. Die für ihn entscheidenden Themen wie Wettbewerbsfähigkeit, Energie, Bürokratie und Arbeitsmarkt seien "nicht angegangen worden".

Das sei auch der Grund, warum Deutschland aktuell "in keinem guten Zustand" sei. Entsprechend "ernsthaft" sei auch die Stimmung im Parteipräsidium um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), das sich in der CDU-Zentrale trifft.

Was uns eint, ist das gemeinsame Verständnis: Es geht nur mit wirtschaftlichem Wachstum.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Über das Thema berichtet das ZDF am 11.10.2026 um 19:10 Uhr in der Sendung "Berlin direkt".

Mehr zur Union

  1. Bayern, Ingolstadt: Der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beantwortet vor Beginn der konstituierenden Sitzung des Stiftungsrates für die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) die Fragen von Journalisten. Archivbild

  2. AfD-Wahlplakat mit Alice Weidel fuer die Bundestagswahl, im Hintergrund ein Werbebanner an der CDU-Zentrale mit dem Bild von Friedrich Merz.

    Diskussion über den Umgang mit der AfD:"Riesenbelastung": CSU-Vize Weber kritisiert Brandmauer

    mit Video4:10

  3. Dennis Radtke am Rednerpult bei 38. CDU-Bundesparteitag

    Innerparteilicher Druck auf Merz:"Wacht auf": CDU-Sozialflügel warnt vor Zerfall der Koalition

    mit Video2:34

  4. Ministerpräsient Mario Voigt

    Treffen des CDU-Präsidiums:CDU-Klausur: Voigt fordert niedrigere Lebenshaltungskosten

    mit Video4:21