Kommunale Wärmeplanung: Ein Kraftakt für Deutschlands Kommunen

Kommunale Wärmeplanung:Milliardenkosten für die Wärme der Zukunft

Redakteur Peter Böhmer, ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.

von Peter Böhmer

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In Dortmund wird fleißig gebuddelt für die Energiewende: Die Stadtwerketochter DEW21 baut die Fernwärme aus. Die kommunale Wärmeplanung wird ein Kraftakt - für alle Kommunen.

Ein Mitarbeiter des Energiekonzerns EnBW kontrolliert die Fernwärmeverteilerstation eines Heizkraftwerks

Die kommunale Wärmeplanung wird ein Kraftakt für die Kommunen - sie bringt Milliardenkosten für den Umbau. Wie gehen Kommunen mit den Herausforderungen der Wärmewende um?

22.12.2025 | 6:20 min

"Wir gehen davon aus, dass wir eine Verzwei- bis dreifachung unserer Baustellentätigkeit haben werden, was natürlich unsere Bürger entsprechend belasten wird", sagt Gerhard Holtmeier, der Chef des Energie- und Wasserversorgers DEW21, deren Hauptgesellschafter die Dortmunder Stadtwerke sind. Die DEW unterstützt als Dienstleister die Stadt mit Daten und Expertise bei der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung.

Alle Kommunen über 100.000 Einwohner müssen bis Mitte nächsten Jahres ihre Pläne vorstellen, wie sie bis 2045 klimaneutrale Wärme bereitstellen können. Die Kommunen unter 100.000 Einwohnern haben noch Zeit bis 2028.

Energiewende: Wärmepumpen und Fernwärme im Fokus

Experten sagen, dass die Wärme der Zukunft vor allem aus zwei Quellen kommen wird: "Wir sehen vor allem Wärmepumpen und dekarbonisierte Fernwärme als die zentralen Technologien", sagt Robert Meyer vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Auch Biomasse und Wasserstoff könnten eine Rolle spielen.

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Wichtig dabei: Wie sieht es vor Ort aus? Dortmund etwa nutzt die Abwärme der Gasrußwerke Dortmund. Dort wird unter anderem Ruß hergestellt für die Reifenproduktion. "Bei der Produktion fallen pro Jahr in etwa 260 Gigawattstunden Abwärme an. Das entspricht dem Wärmebedarf von etwa 30.000 Haushalten. Das sind ganze Stadtteile, die wir mit Fernwärme versorgen", sagt Geschäftsführer Peter Hartmann.

Unsere Energie verpufft also nicht in der Luft.

Peter Hartmann, Gasrußwerke Dortmund

Dortmund erzeugt seine Fernwärme schon heute zu etwa 80 Prozent klimaneutral, heißt es bei DEW21. Fernwärme macht vor allem in dicht besiedelten Stadtteilen Sinn, wo eine Rohrleitung viele Haushalte versorgt. Das wollen sie ausbauen, die Fernwärme verdreifachen.

Kritikpunkt Fernwärme: Preispolitik

Fernwärme ist nicht unumstritten: Als Kunde ist man an die Preispolitik des Anbieters gebunden, kann nicht einfach wechseln. Sogenannte "Preisgleitklauseln" sollen Auswüchse verhindern, aber die Verbraucherzentrale Bundesverband moniert unberechtigte Preiserhöhungen: "In vielen Fällen wird das Marktelement nicht in einer nach unserer Auffassung zielführenden Form abgebildet oder aber auch zu gering gewichtet". Der Verband führt derzeit Sammelklagen gegen vier Versorger.

Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung. (Archivbild)

Um rund 27 Prozent haben sich die Preise für Fernwärme für Kunden zuletzt erhöht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es laufen Klagen und Verfahren.

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Je weiter man von dicht besiedeltem Gebiet entfernt wohnt, umso wirtschaftlicher kann die private Wärmepumpe sein. Denn da lohnt es sich für die Versorger nicht, in ein neues Leitungsnetz zu investieren. Allerdings: sich für eine Wärmepumpe zu entscheiden, ist auch eine Altersfrage: "Je älter die Menschen sind, umso schwerer tun sie sich, 20.000 oder 30.000 Euro zu investieren", sagt Gerhard Holtmeier.

Da rettet man die bestehende Heizung eher ins nächste Jahrzehnt.

Gerhard Holtmeier, Energie- und Wasserversorger DEW21

"Klimaneutrale Versorgung erfordert große Vorlaufinvestitionen"

Klar ist: Die Energiewende wird Milliarden kosten. Eine von der Kreditanstalt für Wiederaufbau beauftragte Studie sagt: 535 Milliarden Euro müssen bis 2045 in die Wärme- und Stromnetze investiert werden.

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Tobias Grau ist Chef der Stadtwerke in Velbert. Auch hier arbeiten sie schon an den Konzepten für die Wärmeplanung. Grau spricht gern von "Wärme-Ehrlichkeit". Heißt: "Es wird teurer werden, weil die klimaneutrale Versorgung große Vorlaufinvestitionen erfordert und diese Investitionen zu tätigen, entweder als Eigenheimbesitzer mit der Wärmepumpe, oder wir als Stadtwerke mit den Wärmesystemen."

Das sind Investitionen, die finanziert werden müssen und am Ende auch preisbestimmend sein werden.

Tobias Grau, Stadtwerke in Velbert

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Velbert hat unter anderem fünf Nahwärmezentralen, kleine stadtteilintegrierte Blockheizkraftwerke, die Fernwärme ins System geben. Noch läuft das mit fossilem Gas, aber: Langfristig sollen Großwärmepumpen die fossilen Brennstoffsysteme ersetzen - dekarbonisierte Fernwärme auf Basis von Strom, der dann auch klimaneutral erzeugt wird.

"Das ist eine tolle Aufgabe, ganz neu planen zu können", sagt Tobias Grau, "es ist aber auch eine schwierige Aufgabe, weil in Velbert momentan noch zwei Drittel der Raumwärme von Erdgasheizungen erwärmt werden. Aber wir machen das nicht an einem Tag, sondern sehr strukturiert über einen langen Zeitraum." Die Kommunale Wärmeplanung wird ein Marathonlauf, das Ziel: klimaneutrale Energie.

Peter Böhmer ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Kommunale Wärmeplanung: Kraftakt für Kommunen" am 22.12.2025 um 10:40 Uhr.

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