Forschungsprojekt in Aachen:Wie ein Herzschrittmacher mit Kindern mitwachsen soll
von Cengiz Ünal
Kinder mit Herzfehler benötigen in manchen Fällen einen Herzschrittmacher. Die OPs belasten und müssen wiederholt werden. In Aachen wird an einem mitwachsenden Implantat geforscht.
Auch Kinder haben Herzfehler und brauchen Herzschrittmacher. Das Problem: ein Schrittmacher ist eine große Apparatur für einen kleinen Körper. In Aachen arbeiten sie an einer Lösung.
29.09.2026 | 1:45 minJohanna wurde mit einem Herzfehler geboren. Mit sieben Monaten erhält die heute 13-Jährige ihren ersten Schrittmacher, im Alter von sechs und zehn Jahren jeweils einen weiteren. Zurück bleiben die Narben am Bauch und die seelische Belastung vor jedem Eingriff:
Am meisten Angst habe ich vor dem Zugang legen, weil ich Angst habe vor Spritzen, das ist gruselig. Ich habe immer eine Panikattacke davor.
Johanna, 13 Jahre alt
Das Herz ist der Motor des Körpers und der einzige Muskel, der unabhängig vom Gehirn arbeitet. Doch wie funktioniert das Herz und was schadet ihm? Das sind die wichtigsten Fakten zum Herz.
29.09.2025 | 5:08 minHerzschrittmacher bei Kindern - welche Probleme es gibt
Jährlich werden in Deutschland rund 8.000 Kinder mit einem Herzfehler in Deutschland geboren. Etwa 100 von ihnen brauchen einen Herzschrittmacher.
Allerdings sind diese nicht kindgerecht. Die Kinderkardiologin Prof. Dr. Ulrike Herberg beschreibt das Problem so:
Herzschrittmacher haben eine gewisse Größe, weil sie eine Batterie und eine Elektronik beinhalten. Und die sind relativ groß für kleine Kinder.
Prof. Dr. Ulrike Herberg, Uniklinik RWTH Aachen
Außerdem muss die Batterie im Schnitt alle vier bis sechs Jahre ausgetauscht werden. Bei Kindern kommt hinzu, dass das Schrittmacher-Kabel mit dem Wachsen zu kurz wird und ein neues eingebaut werden muss.
- Programmierung: Je nach Diagnose und Erkrankung können die Stärke und Frequenz der elektrischen Impulse eingestellt werden.
- Anpassung: Bei körperlicher Belastung können Herzschrittmacher die Herztätigkeit und somit den Pulsschlag anpassen. Dies geschieht zum Beispiel beim Treppensteigen oder beim Sport.
- Aufzeichnung: Wie bei einem EKG kann der Schrittmacher die Herztätigkeit in Ruhe und unter Belastung aufzeichnen und mögliche Störungen erfassen und speichern.
- Überwachung: Eine Überwachung durch Kardiologen per Telemedizin ist technisch möglich.
Herzschrittmacher aus körpereigenen Zellen
An der Uniklinik RWTH Aachen forscht ein Team um den Medizintechniker Prof. Dr. Stefan Jockenhövel an einer möglichen Alternative: dem Biopacer, ein biologischer Herzschrittmacher.
Durch einen seltenen Gendefekt benötigen Abelina und ihre Schwester Marlena ein neues Herz. Die beiden haben Glück. Doch über 8.000 Menschen in Deutschland warten auf eine Organspende.
05.06.2026 | 3:14 minDie Idee klingt zunächst ungewöhnlich: Statt Elektronik soll lebendes Gewebe die elektrische Reizleitung im Herzen übernehmen. Dafür entwickeln die Forschenden ein Implantat aus körpereigenen Zellen. Es soll elektrische Signale weiterleiten und sich in das Herzgewebe integrieren.
Im Idealfall könnte ein solches Implantat mit dem Kind mitwachsen und dadurch spätere Operationen reduzieren.
Prof. Dr. Stefan Jockenhövel, Uniklinik RWTH Aachen
Mehrere Forschungsphasen abgeschlossen
Der Ursprung des Projekts reicht etwa zehn Jahre zurück. Inzwischen sind mehrere Forschungsphasen abgeschlossen. Unter anderem gelang es den Wissenschaftlern, aus menschlichen Zellen Strukturen für eine biologische Reizleitung zu entwickeln.
Der Weg vom Labor bis zu einem sicheren Implantat für Kinder ist allerdings noch lang. Aktuell geht es unter anderem darum, die elektrische Funktion und Sicherheit des Biopacers genauer zu untersuchen.
Die Vision der Aachener Forschung ist dennoch klar: Ein Herzschrittmacher aus lebendem Gewebe könnte eines Tages mit dem jungen Herzen mitwachsen - und Kindern mit schweren Herzrhythmusstörungen wiederkehrende Operationen ersparen.
Cengiz Ünal berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.
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