Krankenversicherung:Wirtschaftsweiser fordert: Beamte in gesetzliche Kasse
Der Wirtschaftsweise Truger will Beamte in die gesetzliche Krankenversicherung einbeziehen. Er warnt vor einem wachsenden Klassensystem durch Privilegien im Staatsdienst.
Beamte in die GKV? Sie könnten durch ihr gutes Gehalt die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung stärken, meint Ökonom Truger.
Quelle: imago/ZoonarDer Wirtschaftsweise Achim Truger spricht sich für die Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aus. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er:
Dass Beamte aus der gesetzlichen Krankenversicherung rausgehalten werden, halte ich für völlig falsch. Durch ihr gutes Gehalt könnten sie die Kassenlage der GKV durchaus stärken.
Achim Truger, Wirtschaftsweiser in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Beamte sind in der Regel nicht gesetzlich, sondern privat krankenversichert.
Die Bundesregierung hatte im April den Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Geplant sind Einsparungen bei Ärzten, Kliniken und Pharmafirmen.
29.04.2026 | 1:16 minÖkonom: Braucht es so viele Beamte?
Truger stellte zudem infrage, "ob es überhaupt so viele Beamte braucht". "Lehrer und Universitätsprofessoren wie ich müssten beispielsweise nicht zwingend verbeamtet werden", so Truger.
"Das wäre langfristig ein guter Weg, Staatsdiener stärker in die Solidargemeinschaft einzubinden, sonst hat man irgendwann eine Art Klassensystem", sagte der Wirtschaftsweise.
Ärzte üben scharfe Kritik an der geplanten Reform der gesetzlichen Krankenkassen und warnen: Einsparungen im Budget würden zu weniger Arztpraxen und Terminen führen.
12.05.2026 | 1:27 minTruger sieht unfaire Verteilung der Kosten im Gesundheitssystem
Der Wirtschaftswissenschaftler kritisierte zudem eine unfaire Verteilung der Kosten im Gesundheitssystem zulasten der Beitragszahler. "Dass es den Beamten zum Teil so gut geht, hängt auch damit zusammen, dass man das Leben der anderen über die Jahre verschlechtert hat. Etwa indem der Beitragszahler für den Großteil der Kosten der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern aufkommen muss." Truger fügte hinzu:
Da macht sich der Bund einen schlanken Fuß.
Achim Truger, Wirtschaftsweiser
Seit Wochen wird über die Gesundheitsreform diskutiert. Löst sie die Probleme des Gesundheitssystems? Mirko Drotschmann erklärt, worum es geht und welche Leistungen wegfallen.
14.05.2026 | 13:22 minTruger ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, den sogenannten Wirtschaftsweisen. Das Gremium beurteilt für die Bundesregierung die konjunkturelle Lage.
Zwei Millionen Beamte in Deutschland
Die gesetzlichen Kassen - und damit die Versicherten - bezahlen aktuell einen Großteil der Versicherungskosten der Bürgergeld- beziehungsweise Grundsicherungs-Beziehenden. Das heißt, dass Privatversicherte nicht zur Finanzierung beitragen.
Aktuell gibt es fast zwei Millionen Beamtinnen und Beamte in Deutschland. Sie können zu Beginn ihrer Laufbahn wählen, ob sie in der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung versichert sein wollen. Aufgrund finanzieller Vorteile sind rund 93 Prozent aller Beamtinnen und Beamten privat krankenversichert.
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