Experte Volker Quaschning:"Gaskraftwerke ja, aber nicht so wie Frau Reiche es plant"
Die Bundesregierung plant den Bau neuer Gaskraftwerke. In NRW gibt es Proteste dagegen. Energieexperte Quaschning kritisiert die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Klimaschutzinitiativen protestieren heute an mehreren Orten im Ruhrgebiet, etwa vor einem Panzerwerk. Grund dafür ist der Plan von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, neue Gaskraftwerke zu bauen.
29.05.2026 | 1:42 minZDFheute: Neue Gaskraftwerke sollen gebaut werden. Was sagen Sie zum Umfang und zur Art der Planung von Ministerin Katherina Reiche? Ist das der richtige Weg?
Volker Quaschning: Bei Gaskraftwerken muss man differenzieren. Wir können Erdgas verbrennen. Das ist aber fossiles Gas, das uns in Abhängigkeit hält und das Klimaproblem verschärft. Wir könnten aber auch langfristig grünen Wasserstoff verbrennen.
Wir wissen, dass wir Gaskraftwerke für die Dunkelflaute brauchen werden, die dann aus Klimaschutzsicht sinnvollerweise mit grünem Wasserstoff laufen. Die Erdgaskraftwerke helfen uns beim Klimaschutz so gut wie gar nicht und momentan auch nicht unbedingt bei der Stromversorgung.
Insofern muss man differenzieren: Gaskraftwerke ja, aber nicht so wie Frau Reiche es plant.
Fossile Gaskraftwerke in diesem Umfang werfen uns beim Klimaschutz zurück und verschärfen die Abhängigkeiten von riskanten Energieimporten, die wir derzeit schon haben.
Volker Quaschning, Energieexperte
Die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung ignoriert nach Ansicht von Wissenschaftlern die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes und verschiebt wirksamen Klimaschutz in eine unbestimmte Zukunft.
17.03.2026 | 10:13 minZDFheute: Experten sagen, dass grüner Wasserstoff gar nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht in absehbarer Zeit. Macht dieser Weg über Gaskraftwerke, die Wasserstoff oder Gas verbrennen, denn dann überhaupt noch Sinn?
Quaschning: Wasserstoff wird auch langfristig, das zeigen alle Studien, knapp und teuer bleiben, richtig teuer. Deswegen macht es auch überhaupt keinen Sinn, jetzt zu beschließen, dass wir weiter Gas zum Heizen verwenden, also diesen wertvollen Wasserstoff einfach nur verbrennen. Wir müssen ihn für die Industrie und für die Gaskraftwerke reservieren.
Aber bei der Stromerzeugung haben wir auch ein Problem. Hier gibt es die Dunkelflaute, bei der wir wirklich zwei oder drei Wochen im Winter zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien haben. So lange Zeiträume können wir dann mit anderen Speichertechnologien, wie mit Batterien nicht mehr überbrücken. Dafür ist der Wasserstoff bei der Stromversorgung sinnvoll, aber auch nur dafür.
Das heißt also, wir müssen unbedingt darauf achten, dass wir die Zeitfenster, in denen der Wasserstoff eingesetzt wird, so kurz wie möglich halten. Aber das ist derzeit gar nicht der Plan.
Volker Quaschning, Energieexperte
Statement von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) zum Gebäudemodernisierungsgesetz.
13.05.2026 | 18:03 minWir müssen eigentlich jetzt erst mal die Batteriespeicher schnell ausbauen. Sie bieten die Speicherlösung für den Sommer. Dafür brauchen wir erst einmal gar keine Gaskraftwerke. Erst wenn wir die Kohle abschalten wollen, dann kommen die Gaskraftwerke ins Spiel, sollten dann aber auch mit Wasserstoff laufen und nur so wenig Stunden im Jahr wie möglich.
... ist Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin). Schwerpunkte seiner Forschung sind unter anderem die Modellierung und Simulation von regenerativen Energiesystemen, photovoltaische Eigenverbrauchssysteme mit Speichern und Energiekonzepte für eine nachhaltige Energieversorgung.
Laut Veranstalter demonstrierten im April Zehntausende deutschlandweit gegen die Energiepolitik der Bundesregierung. Im Zentrum der Kritik: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
18.04.2026 | 1:09 minZDFheute: Wenn wir uns die verschiedenen Arten der Energieerzeugung und die fossilen Energieträger ansehen: Hat das Gas einen entscheidenden Vorteil oder sieht es in Wirklichkeit doch anders aus?
Quaschning: Aus Klimaschutzsicht hat das Gas nicht so wahnsinnig große Vorteile. Aus deutscher Sicht natürlich schon. Wir betrachten hier in Deutschland nur die CO2-Bilanz - also das, was aus dem Schornstein rauskommt. Das ist bei einem Gaskraftwerk deutlich weniger als bei einem Kohlekraftwerk. Deswegen führt der Ersatz von Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke auf dem Papier erst einmal zu drastischen CO2-Einsparungen.
Aber bei der Gasförderung wird jede Menge an extrem klimaschädlichem Methan frei, das auch noch in der Atmosphäre landet. Wenn man sich also den Gesamtzyklus anschaut, sind Gaskraftwerke gar nicht so wahnsinnig viel besser.
Volker Quaschning, Energieexperte
Grüner Wasserstoff ist ein zentraler Energieträger der Energiewende. Er ermöglicht klimaneutrale Prozesse in Industriebranchen und dient als Speicher für überschüssigen erneuerbaren Strom.
09.05.2026 | 0:36 minDas heißt, wenn wir wirklich das Klima schützen wollen, müssen wir schauen, dass wir das Ausbautempo bei der Photovoltaik und der Windenergie massiv steigern und am Ende nicht nur Kohle durch Gas setzen. Das hilft dem Weltklima relativ wenig.
ZDFheute: Wo stehen wir in zwei bis drei Jahren, wenn Sie sich die Klimapolitik der Bundesregierung heute ansehen?
Quaschning: Wir sehen, dass wir mit der aktuellen Klimaschutzpolitik der Bundesregierung überhaupt keine Chance haben, die Klimaschutzziele zu erreichen, also die Klimaneutralität im Jahr 2045, die das Klimaschutzgesetz vorgibt. Das sagt ja auch der Expertenrat für Klimafragen.
Und insofern wird früher oder später das Verfassungsgericht vermutlich hier eine klare Ansage machen.
Das heißt, man wird dann die Regierung auffordern, das Klimaschutzgesetz auch wirklich einzuhalten. Und dann werden alle wieder sehr bedröppelt aus der Wäsche gucken.
Volker Quaschning, Energieexperte
Neue Gaskraftwerke sollen einspringen, wenn Wind und Sonne zu wenig Strom liefern. Die EU-Kommission will die Maßnahmen rasch genehmigen. Frank Bethmann ordnet die Pläne ein.
16.01.2026 | 1:41 minDas kann man natürlich heute schon absehen, dass das kommen wird. Und dann werden wir über Nacht mit Hauruck-Aktionen versuchen, die Energiepolitik, die jetzt in die falsche Richtung läuft, wieder zu korrigieren. Genau solche Aktionen werden dann natürlich auch wieder für Verdruss und für Politikverdrossenheit in der Bevölkerung sorgen.
Deswegen würde ich mir sehr wünschen, wenn sich jetzt alle demokratischen Parteien einmal zusammensetzen und wirklich einen gangbaren Weg, bei dem die Experten auch sagen, der ist machbar, der führt uns zum Ziel, auf den Tisch legen.
Das Interview führte Heiko Rahms aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Energie und Energiepolitik
- Kolumne
Terra X - die Wissens-Kolumne:Energie der Zukunft braucht Physik
von Axel Kleidon Weltweit erstes Schwarmkraftwerk:Strom aus dem Rhein: Was schwimmende Mini-Kraftwerke können
von Luisa Houbenmit Video1:51- Interview
Schnitzer für Ausbau der Erneuerbaren:Wirtschaftsweise kritisiert Regierung für Energie-Management
mit Video5:41 Gegen fossile Energien:Zehntausende protestieren gegen Energiepolitik
mit Video1:09