Linken-Abgeordneter in der Kritik:Chat mit Sohn von Clanchef Remmo: Koçak spricht von "Fehler"
Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak räumt nach einem Chat mit Remmo-Sohn Firas Fehler ein. Der Linken-Politiker will nun sein Kommunikationsverhalten aufarbeiten.
Koçak sitzt seit 2025 für Berlin-Neukölln im Bundestag. Er gewann dort das bundesweit erste Direktmandat der Linken in einem ehemals westdeutschen Wahlkreis.
Quelle: dpa | Bernd von JutrczenkaDer Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich für einen Austausch mit Firas Remmo, dem Sohn von Clanchef Issa Remmo, entschuldigt. Auf seinen Social-Media-Plattformen schrieb Koçak:
Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen.
Ferat Koçak, Linken-Bundestagsabgeordneter
Er verstehe, dass bereits der Anschein einer solchen Nähe "lückenlos ausgeräumt werden muss".
Zuvor hatte Firas Remmo laut der "Zeit" Bildschirmfotos eines wohl privaten Chats mit Koçak veröffentlicht. Den Aufnahmen zufolge richtete der Abgeordnete "Grüße mit Respekt" an Issa Remmo aus und bat Firas Remmo darum, ein Video einer Bundestagsrede zu verbreiten. In dieser hatte Koçak den Begriff Clankriminalität kritisiert.
Post von Koçak bei X
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Koçak kündigt Aufarbeitung an
Koçak erklärte, er habe zunächst nicht gewusst, mit wem er kommuniziert habe. Über seine Kanäle in den sozialen Medien schreibe er jede Woche mit Hunderten Menschen aus Neukölln. Firas Remmo habe er wie jeden anderen Neuköllner behandelt und dessen Vater aus Höflichkeit zurückgegrüßt.
Erst kurz danach habe Koçak erfahren, um wen es sich handele. Anschließend weitergeschrieben zu haben, sei ein Fehler gewesen. Als Person des öffentlichen Lebens trage er besondere Verantwortung, erklärte der Abgeordnete. Er wolle sich nun zurückziehen, sein Kommunikationsverhalten gemeinsam mit seinem Team aufarbeiten und Transparenz herstellen.
Der Besuch von Clan-Chef Remmo bei der Linken-Wahlparty sorgt für Wirbel. "Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt", sagte Linken-Spitzenkandidatin Eralp im ZDF (ab Minute 03:10).
21.09.2026 | 4:06 minIssa Remmo besuchte Wahlparty der Linken
Zuvor hatte bereits der Besuch Issa Remmos bei einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln für Kritik gesorgt. Der Bezirksverband erklärte, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden. Es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu ihm.
Nach Angaben der Linken war die Wahlparty öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen. Koçak erklärte, er distanziere sich klar von Issa Remmos Besuch. Währenddessen sei er selbst nicht anwesend gewesen.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU bezeichnete Remmos Erscheinen bei der Veranstaltung als "verstörendes Signal". Eine Partei, die Verantwortung für Berlin übernehmen wolle, müsse deutlich machen, dass es keine Nähe zu Strukturen der organisierten Kriminalität geben dürfe.
Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte bei "maybrit illner", es sei sicher kein Zufall gewesen, "dass der Chef des Remmo-Clans da auf der Wahlparty vorbeigegangen ist". "Der wird schon vorher mal Kontakte gehabt haben."
21.09.2026 | 0:29 minTeile der Familie dem kriminellen Milieu zugerechnet
Die aus dem Libanon stammende Großfamilie Remmo lebt seit den 1980er-Jahren in Berlin und umfasst mehrere Hundert Menschen. Einen Teil der Familie rechnet die Polizei dem kriminellen Milieu zu. Angehörige wurden unter anderem wegen des Diebstahls der Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Berliner Bode-Museum und des Einbruchs in das Grüne Gewölbe in Dresden verurteilt.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten. Kritiker sehen darin eine Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Familienzugehörigkeit. Auch die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.
Kritik wegen weiteren Gastes
Auf der Linken-Wahlparty war nach Medienberichten zudem ein propalästinensischer Aktivist anwesend, der wegen israelfeindlicher Positionen in der Kritik steht. Er wird mit der Volksfront für die Befreiung Palästinas in Verbindung gebracht. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten stufen die Organisation als terroristisch ein.
Auf Bildern in sozialen Medien ist Koçak gemeinsam mit dem Aktivisten zu sehen. Der Abgeordnete erklärte dazu, er distanziere sich ausdrücklich von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen jeglicher Art.
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