Projekt in Bremen:"Helping Hands" - wenn Ehrenamt zum Schulfach wird
von Nathalie Siegler
Betreuung im Seniorenheim, spielen mit geflüchteten Kindern oder Naturschutz: An einer Bremer Schule ist ehrenamtliches Engagement Teil des Unterrichts.
An einer Bremer Gesamtschule können Schüler das Fach "Helping Hands" wählen: ehrenamtliches Engagement. Sie helfen etwa im Seniorenheim oder beim Naturschutz.
06.02.2026 | 2:05 minSie besuchen Senior*innen im Pflegeheim und unterstützen geflüchtete Kinder: Schüler*innen einer Bremer Schule, an der ehrenamtliches Engagement Teil des Unterrichts ist. Das Modell soll soziale Einrichtungen entlasten, Empathie fördern und macht Schülerinnen wie Helena Biesewig auch Spaß:
Am wichtigsten ist mir eigentlich, dass Rosi sich freut.
Helena Biesewig, Schülerin
Rund die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen engagiert sich freiwillig. Daniela Sonntag hat zwei Menschen getroffen, die zeigen, wie viel Verantwortung und Leidenschaft in ihrer Generation steckt.
15.12.2025 | 2:56 minDie 15-Jährige besucht einmal pro Woche gemeinsam mit einer Mitschülerin die 88-jährige Rosi Schulz in einem Bremer Seniorenheim. Eine Stunde lang spielen sie Kniffel oder Karten und unterhalten sich.
Das ist ein Zeitvertreib, wenn man mit jungen Leuten spielt, das macht mir Spaß.
Rosi Schulz, Seniorin
Trotzdem fühle sie sich manchmal einsam, erzählt die Seniorin.
In Niedersachsen bekommt ein Pflegeheim kurzzeitig Unterstützung vom Roboter "Ameca". Forschende wollen testen, ob Gespräche mit dem Roboter dabei helfen können, Einsamkeit zu lindern.
20.01.2026 | 1:14 minPflege unter Zeitdruck
Wie Rosi Schulz geht es vielen älteren Menschen. In Pflegeeinrichtungen fehlt häufig Zeit für persönliche Gespräche. Die Pflegekräfte seien belastet, bestätigt Cornelia Schulz, die Schwiegertochter der Seniorin. Oft müssten wenige Kräfte viele Bewohner versorgen.
Laut Statistischem Bundesamt werden bundesweit bis 2049 mindestens 280.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Die Pflege ist für Angehörige häufig eine Belastungsprobe. Cornelia Schulz und ihr Mann sind täglich im Heim. Gegen das Einsamkeitsgefühl reiche das dennoch nicht immer aus. Die Kooperation zwischen Schule und Pflegeeinrichtung sei eine Entlastung - und sorge dafür, dass der "Tag möglichst gefüllt" sei.
Freiwilliges Engagement stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch das eigene Wohlbefinden. Studien zeigen, dass Ehrenamt glücklich macht. Wie findet man das richtige Engagement?
13.01.2026 | 3:07 minEhrenamt im Stundenplan
Das Engagement der Schüler*innen ist kein freiwilliges Angebot, sondern ein Unterrichtsfach. Zwei Schulstunden pro Woche sind dafür vorgesehen. Die Jugendlichen gewinnen dabei auch neue Perspektiven: Rosi Schulz wuchs während des Zweiten Weltkriegs bei Lübeck auf. Ihre Schilderungen von Nächten mit Bombenalarm seien eindrücklicher als der Schulunterricht, berichten die Schüler*innen.
Andere Mitschüler*innen engagieren sich im Ehrenamtsunterricht in einem Bremer Übergangswohnheim. Dort spielen sie mit Kindern aus geflüchteten Familien, malen und üben Deutsch mit Kindern im Kita- und Grundschulalter.
Es ist richtig schön zu merken, dass sie uns vertrauen.
Liv Blumberger, Schülerin
Ihre Mitschülerin Tuula Hubing schätzt es, "andere Kulturen, Sprachen, Traditionen und Religionen kennenzulernen".
Großeltern kümmern sich oft um Kinder, wenn die Eltern keine Zeit haben. Doch manchmal ist das nicht möglich. In dem Fall können Leihgroßeltern einspringen - und von den Verbindungen profitieren.
26.01.2026 | 2:57 minEntlastung sozialer Einrichtungen
Für die Einrichtungen ist das Engagement eine wichtige Hilfe. Für viele Kinder sei es zudem der erste Kontakt mit der deutschen Sprache, teilweise noch vor Schule oder Kita.
In Zeiten von finanziellen Kürzungen ist das eine sehr große Unterstützung.
Natasha Deasy, Integrative Projektkoordinatorin Übergangswohnheim
Freiwillig arbeiten im Sinne des Gemeinwohls: Tim, Katrin und Matthias zeigen, wie vielfältig Ehrenamt sein kann - und welche Bedeutung ihr Einsatz für die Gesellschaft hat.
02.12.2025 | 28:36 minLernen fürs Leben
Die Kooperation zwischen Schule und sozialen Einrichtungen hat sich bewährt. Seit 2008 gibt es das Wahlpflichtfach "Helping Hands" an der Gesamtschule Mitte Bockstraße in Bremen.
Die Schüler*innen engagieren sich auch in Landschaftspflege- und Naturschutzprojekten. In Berichten dokumentieren sie, was sie in ihren Stunden gemacht, gelernt und erlebt haben. Das bewertet Lehrerin Luzia Bodden halbjährlich. Das Fach fördere vor allem Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung, sagt sie. Erziehungswissenschaftler Christian Palentien von der Universität Bremen bestätigt das:
Das ist eine sinnvolle Ergänzung des Fächerkanons, weil Kinder soziale Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Verantwortung lernen, weil Kinder lernen über Schule hinauszudenken.
Prof. Dr. Christian Palentien, Erziehungswissenschaftler Uni Bremen
Das mache das Modell auch für andere Schulen wünschenswert. Vor allem vor dem Hintergrund, dass in vielen Familien soziale Kompetenzen nicht mehr ausreichend erlernt würden. Entscheidend sei vor allem, so Lehrerin Luiza Bodden, dass die Erfahrungen Empathie förderten: "Ein Gewinn für die Gesellschaft."
Nathalie Siegler ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bremen.
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