Innenminister Dobrindt plant hohe Hürden für Wohnraum-Enteignung

Gegen "Vergesellschaftungs-Fetisch":Dobrindt plant hohe Hürden für Vergesellschaftungen

|

Innenminister Dobrindt will das Enteignen von großen Wohnkonzernen, wie in Berlin geplant, erschweren. Nun legt er erste Eckpunkte für ein Gesetz vor. Die Linke hält dagegen.

Häuser für Wohnungen werden in Ostfildern gebaut.

Grünen-Parteivorsitzender Felix Banaszak zu den Koalitionsverhandlungen in Berlin: Linke muss Probleme in den eigenen Reihen lösen.

25.10.2026 | 4:31 min

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will Vergesellschaftungen, wie sie die Linke in Berlin plant, durch hohe Hürden deutlich erschweren. Das sieht das geplante Investitionsschutzgesetz der Bundesregierung vor. Das Bundesinnenministerium legte dazu am Sonntag Eckpunkte vor, nach denen eine Vergesellschaftung von Mietwohnungen nur möglich sein soll, wenn deren Notwendigkeit ausdrücklich nachgewiesen wird.

Linken-Ko-Chef Luigi Pantisano äußerte die Erwartung, dass ein solches Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben werde.

25.09.2026, Berlin: Elif Eralp (Mitte r), Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus, steht während eines Landesparteitags der Berliner Linken mit einem Blumenstrauß auf dem Podium. Auf dem Parteitag soll darüber abgestimmt werden, ob die Linke die Grünen und die SPD nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zu Sondierungsgesprächen einlädt.

Die Berliner Linke macht den Weg frei für Sondierungen mit Grünen und SPD. Doch Streit über Antisemitismus und Enteignungen belastet die Gespräche mit möglichen Partnern.

25.09.2026 | 2:30 min

Berliner Linke will große Wohnungsunternehmen enteignen

Auslöser für das Gesetzesvorhaben sind die Pläne einer möglichen rot-grün-roten Regierung in Berlin, große Wohnungsbauunternehmen mit mehr als 10.000 Wohnungen zu vergesellschaften.

Dafür sollen bis zu 16 Milliarden Euro als Entschädigungssumme bereitgestellt werden, was unter dem Verkehrswert der Wohnungen liegen dürfte. Linke, Grüne und SPD hatten sich auch auf den Neubau von 100.000 Wohnungen geeinigt und einen Mietendeckel für landeseigene Immobilien.

Mietrecht

Vor 5 Jahren stimmte Berlin für die Enteignung großer Wohnungskonzerne, jetzt will die Bundesregierung solche Pläne verbieten. Berliner kämpfen derweil mit steigenden Mieten und fehlenden Alternativen.

09.07.2026 | 2:38 min

Nach Dobrindts Plänen soll das geplante Gesetz drei zentrale Vorgaben enthalten:

  1. Bei Verstaatlichungen sollen Entschädigungen ausschließlich zum Verkehrswert möglich sein. Dieser müsse durch ein Wertgutachten ermittelt werden.
  2. Die Entschädigung soll unmittelbar in Geld erfolgen.
  3. Eine Vergesellschaftung soll nur möglich sein, wenn ihre Notwendigkeit ausdrücklich nachgewiesen wird.

Zuvor müssten andere Maßnahmen wie Investitionen in den Wohnungsbau oder dessen Förderung vollständig ausgeschöpft worden sein. Das Bundesinnenministerium bestätigte diese Eckpunkte. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Gegenüber dem Blatt sagte er:

Wir werden in einem Investitionsschutzgesetz deutlich machen, dass willkürlicher linker Vergesellschaftungs-Fetisch mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.

Alexander Dobrindt, Innenminister (CSU), zur "Bild-Zeitung"

Linken-Co-Chef: "Setzen Interessen der Menschen durch"

Linken-Ko-Chef Pantisano erklärte zu den Plänen, die Bundesregierung habe "Angst vor einer starken Linken, die in Berlin die Interessen der Menschen durchsetzt". Die Bürger Berlins hätten sich zwei Mal für die Vergesellschaftung der großen Wohnungsbestände entschieden: Zuerst in einem Volksentscheid und dann noch einmal, indem sie die Linke "nach einem Mieten-Wahlkampf" zur stärksten Kraft gewählt hätten.

Die Bundesregierung zeige mit ihrem Vorgehen, dass ihr "die Aktionäre von Vonovia wichtiger sind als die Mieterinnen und Mieter in Berlin", betonte Pantisano. Ein solches Gesetz werde vor dem Bundesverfassungsgericht "keinen Bestand haben".

Die wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Caren Lay, nannte Dobrindts Pläne in der "Welt" "ein juristisches Himmelfahrtskommando, das keinerlei Sperrwirkung für die Vergesellschaftung in Berlin entfalten" werde.

Union: Vorschläge "vernünftig und fair"

Die Unionsfraktion im Bundestag stellte sich hingegen hinter den Innenminister. Dessen Vorschläge seien "vernünftig und fair und als Bedingungen einer Enteignung in einer sozialen Marktwirtschaft unerlässlich", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) der "Welt". Nur so könne "das Vertrauen in den Investitionsstandort Deutschland angesichts chaotischer Regierungspläne in Berlin" gesichert werden.

Der rechtspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Tobias Matthias Peterka, sagte der "Welt", eine "Konkretisierung zum Schutz privaten Eigentums" sei grundsätzlich sinnvoll. Bezeichnend sei aber, "dass dies heute in Deutschland notwendig scheint".

Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF immer wieder, zuletzt die Sendung "berlin direkt" am 25.10.2026 ab 19:10 Uhr.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Berlin nach der Wahl

  1. Josef Schuster
    Interview

    Antisemitismus-Vorwürfe:Schuster fordert klare Positionierung der Linken

    mit Video2:13

  2. Elif Eralp, Linken-Spitzenkandidatin bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026, kommt zu der Fraktionssitzungen ihrer Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus.
    FAQ

    Nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin:Ziel Rotes Rathaus: Linke will mit SPD und Grünen regieren

    von Nicola Albrecht
    mit Video2:30

  3. Elif Eralp, Linke-Bürgermeisterkandidatin in Berlin, spricht bei der Bundespressekonferenz.

    Kritik an "Instrumentalisierung":150 jüdische Berliner verteidigen Linke - Zentralrat warnt

    mit Video2:48

  4. Marietta Slomka (l.) und Helene Reiner (r.) in "heute journal - der Podcast"

    heute journal - der Podcast:Wohnen: Muss der Staat mehr eingreifen?

    Video41:59