Einwohner, Wirtschaft, Bildung, Soziales:So ist Ihre Region für die Zukunft aufgestellt
von Marcel Burkhardt und Marie Ries
Bis 2045 dürfte Deutschland 1,5 Millionen Einwohner verlieren. Eine Studie hat die Zukunftsfähigkeit aller 400 Städte und Kreise untersucht - mit überraschenden Ergebnissen.
Eine Demografie-Studie zeigt, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung in den Kreisen und Städten entwickelt und was das für die Bevölkerung in Zukunft bedeutet.
06.10.2026 | 1:07 minAuf dem Land gehen vielerorts die Lichter aus, während einige Boom-Metropolen in Deutschland aus allen Nähten platzen? So drastisch formulieren es die Autorinnen und Autoren einer neuen Studie zur demografischen Lage der Nation zwar nicht, wohl aber kommen sie zu dem Schluss, dass die Bundesrepublik vor großen Herausforderungen steht.
Bis 2045 etwa 1,5 Millionen weniger Einwohner
Der Grund: Deutschland schrumpft in der breiten Fläche. Laut der Gemeinschaftsstudie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot-Stiftung wird die Einwohnerzahl bis 2045 voraussichtlich von heute 83,3 Millionen Menschen auf circa 81,8 Millionen sinken. In gut zwei Dritteln der 400 Kreise und kreisfreien Städte werden künftig wohl weniger Menschen leben.
Beim Blick auf die aktuelle Lebenssituation in Deutschland und die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Regionen zeichnet die Studie ein sehr differenziertes Bild mit Noten und einem Ranking:
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Für die 400 Kreise und kreisfreien Städte haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einzelnoten vergeben in den Kategorien Demografie, Wirtschaft, Bildung und Soziales.
So punkten beispielsweise Cloppenburg und Offenbach stark in der Kategorie Demografie, Schmalkalden-Meiningen, Jena und der Saale-Orla-Kreis in Thüringen bei Sozialem - und Heidelberg hat eine glatte 1,0 in der Kategorie Bildung.
Aus den Einzelnoten ergibt sich eine Gesamtnote zur Zukunftsfähigkeit. Geben Sie den Namen Ihres Kreises oder Ihrer kreisfreien Stadt ein, um die Bewertungen Ihrer Region zu sehen:
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Wie zukunftsfähig die Regionen sind, wird anhand von 26 Indikatoren aus vier Bereichen bewertet. Zur Demografie zählen etwa die Altersstruktur, die Geburtenrate sowie die Zu- und Fortzüge. Bei der Wirtschaft geht es um Einkommen, Bruttoinlandsprodukt, kommunale Schulden und den Arbeitsmarkt.
Die Bildung umfasst unter anderem die Schulabbrecherquote, Ausbildungsplätze und den Anteil hochqualifizierter Arbeitskräfte in einer Region. In die Kategorie Soziales gehören etwa Ganztagsbetreuung, Kinderarmut, Erholungsflächen und Vereinsdichte.
Demografie und Wirtschaft fließen zu je einem Drittel in die Gesamtnote ein, Bildung und Soziales zu je einem Sechstel.
Ostdeutschland: Besonders großer Einwohnerrückgang
Viele ländliche Gebiete werden sich bis 2045 auf einen weiteren Bevölkerungsrückgang einstellen müssen. Insgesamt liegen 42 der 50 Regionen mit dem stärksten Einwohnerschwund im Osten.
Allerdings ziehe sich der Trend längst nicht mehr nur an der ehemaligen Grenze entlang, betont Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann im Gespräch mit ZDFheute: "Schrumpfung ist kein ostdeutsches Phänomen."
Laut einer Studie liegt das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem in Ostdeutschland bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. Doch die Vermögensunterschiede bleiben groß.
28.05.2026 | 1:50 minHamburg und Bayern gelten als besonders "zukunftsfähig"
Anders als viele ländliche Regionen in Ost und West werden Metropolen wie Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, München und deren Umfeld voraussichtlich weiter wachsen.
Insgesamt sind die Aussichten für Bayern besonders positiv; in puncto Zukunftsfähigkeit liegen aktuell 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte im Freistaat. Im Ländervergleich befindet sich Bayern hinter Hamburg und vor Baden-Württemberg im Spitzen-Trio.
Babyboomer gehen - Arbeitskräftemangel verschärft sich
Während Bayerns Wirtschaft vor allem auch vom Zuzug junger Arbeitskräfte weiter profitieren sollte, stehen andere Bundesländer vor immensen Herausforderungen am Arbeitsmarkt, wenn in den kommenden Jahren die sogenannten Babyboomer in großer Zahl in Rente gehen.
Insgesamt sinkt die Bevölkerung im Erwerbsalter bundesweit um 4,7 Prozent - in Bundesländern wie Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland gar um zwölf bis 18 Prozent.
In Deutschland könnten bis 2029 rund 723.000 Fachkräfte fehlen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht die größte Lücke im Verkauf und bei der Kinderbetreuung.
07.09.2026 | 0:30 minForderung an Politik: Rückzug aus der Fläche stoppen
Um ländliche Regionen zu stärken, fordern die Autorinnen und Autoren der Studie neues Denken. Denn bislang reagierte die Politik auf schrumpfende Einwohnerzahlen meist mit der Bündelung öffentlicher Angebote.
Dorfläden, Schulen, Arztpraxen und Buslinien ziehen sich aus der Fläche zurück. Die Folge: immer längere Wege für die Menschen auf dem Land. "Gerade für ältere Menschen wird das zunehmend zum Problem", sagt Manuel Slupina, Leiter des Themengebiets Stadt & Land der Wüstenrot-Stiftung.
"Politik muss Bevölkerungsrückgang gestalten"
Ein weiteres Problem: "Es verschwinden nicht nur Versorgungsangebote, sondern auch soziale Treffpunkte", so Slupina im ZDFheute-Gespräch. Er fordert daher neue Lösungen für die Versorgung:
Die Politik wird den Bevölkerungsrückgang in vielen Regionen nicht aufhalten können, aber sie kann und muss ihn gestalten.
Manuel Slupina, Wüstenrot-Stiftung
Lösungen für "attraktives Leben" auf dem Land
Dafür brauche es "neue Formen der Daseinsvorsorge und Lösungen, die zu den Regionen passen", sagt Slupina und meint damit zum Beispiel multifunktionale Dorfläden, "in denen man sich nicht nur zum Einkaufen trifft, sondern auch auf einen Kaffee oder Kinoabend".
Marlene Brühl kaufte ein ganzes Dorf in der Altmark. Sie beschließt, daraus einen neuen, nachhaltigen Lebensort zu entwickeln, mit sanierten Häusern, Tiny Houses und gemeinsam genutzter Infrastruktur.
06.06.2026 | 5:07 minAls weitere Erfolgsbeispiele nennt Slupina "Gesundheitskioske", die Menschen bei Fragen rund um Gesundheit, Pflege und Altenhilfe unterstützen. Und: "Bürgerbusse schließen Lücken im öffentlichen Nahverkehr und bringen ältere Menschen etwa zum Arzt, zum Einkaufen oder auch zur Eisdiele", berichtet er aus der Praxis.
Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann ergänzt, dass die Politik mit Vertrauen in Engagement vor Ort und den nötigen finanziellen Mitteln dazu beitragen könne, "dass das Leben auch in schrumpfenden Regionen attraktiv bleibt".
Redaktion: Kathrin Wolff
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