Schrittweise ab 2027:Bundestag macht Weg frei für antragsloses Kindergeld
Kindergeld ohne Antrag: Künftig sollen Behörden die Daten in vielen Fällen selbst austauschen. Die Bundesregierung verspricht weniger Bürokratie. Start ist ab 2027 geplant.
Das Kindergeld kommt künftig oft automatisch: Der Bundestag hat den Weg für die antragslose Auszahlung freigemacht. Die Umsetzung erfolgt in zwei Stufen ab 2027.
Quelle: ddpDer Bundestag hat den Weg für die Einführung des antragslosen Kindergelds frei gemacht. Das Parlament beschloss am Donnerstag in Berlin den entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung.
Vorgesehen ist, dass im Regelfall Kindergeld künftig automatisch nach der Geburt eines Kindes an die Eltern ausbezahlt wird. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) rechnet damit, dass durch die Reform rund 300.000 Anträge auf Kindergeld im Jahr entfallen. Es muss noch der Bundesrat zustimmen.
Noch vor der Sommerpause will die Bundesregierung die großen Sozialreformen auf den Weg bringen. Weil die Zeit drängt, sollen in dieser Woche wichtige Weichen dafür gestellt werden.
29.06.2026 | 2:34 minDie Reform mache "vielen jungen Familien das Leben leichter", erklärte Klingbeil. Die automatische Kindergeld-Auszahlung bedeute für sie: "Mehr Zeit fürs Baby statt für lästige Bürokratie."
Einführung erfolgt in zwei Stufen
In einem ersten Schritt - voraussichtlich im März 2027 - soll das Kindergeld für jedes weitere Kind von Eltern, die bereits mindestens ein älteres Kind haben, automatisch ausgezahlt werden. Es geht dann an jene Person, die bisher das Kindergeld erhält.
Die Koalition hat sich geeinigt: Mit einem umfassenden Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung wollen Union und SPD Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen.
02.07.2026 | 2:56 minIn einer zweiten Stufe - voraussichtlich ab November 2027 - soll auch für erste Kinder das Kindergeld antragslos ausgezahlt werden. Lediglich bei Unklarheiten sollen die Eltern weiterhin einen Antrag stellen müssen.
Ziel ist Bürokratie abzubauen
Die "Möglichkeit zur antragslosen Kindergeldgewährung soll die Familienkasse nutzen, wenn alle entscheidungserheblichen Tatsachen bekannt sind, keine Zweifel an der Anspruchsberechtigung bestehen und eine Kontoverbindung bekannt ist", heißt es in dem Gesetzestext. "Das Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, ohne das zusätzliche Risiko ungerechtfertigter Auszahlungen einzugehen."
Das Bundeszentralamt für Steuern vergibt für jedes neugeborene Kind eine Steuer-ID. Die Information über die Geburt erhält das Bundeszentralamt für Steuern von den Standesämtern über die Meldebehörden. Anschließend informiert es die Familienkasse über die Geburt eines Kindes. Für die automatische Auszahlung genügt künftig das Vorliegen einer IBAN-Kontonummer.
In allen Fällen soll die Familienkasse weiterhin die Anspruchsberechtigung prüfen. Dafür erforderliche Informationen sollen aber zwischen den Behörden ausgetauscht werden, ohne dass eine Übermittlung durch die Eltern erforderlich ist.
Die SPD plant eine antragslose Auszahlung des Kindergeldes. Voraussichtlich ab März 2027 soll die automatische Auszahlung zunächst für Neugeborene, deren Eltern schon ein Kind haben, starten.
19.02.2026 | 0:40 minVoraussetzung für das automatisierte Verfahren soll sein, dass mindestens ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind im Inland wohnt, ein Elternteil im Inland arbeitet und dass die Kontoverbindung vorliegt.
Kinderhilfswerk begrüßt Reform - mit Kritik
Das Deutsche Kinderhilfswerk begrüßte die Neuregelung.
Diese könnte ein erster Schritt sein, um Familien ihnen zustehende Leistungen einfacher zukommen zu lassen, und damit positive Auswirkungen auf die materielle Absicherung von Kindern haben.
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks
Er kritisierte aber, dass nichterwerbstätige Eltern von dem Verfahren ausgeschlossen würden und Geburten des ersten Kindes zunächst nicht erfasst werden.
Es sei zudem problematisch, dass das antragslose Kindergeld in mehreren Ausbaustufen umgesetzt werden, so Hofmann.
2026 steigen Entfernungspauschale, Kindergeld und die Rente – die Gastrosteuer hingegen sinkt. Kranken- und Kfz-Versicherung werden teurer.
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