K.o.-Tropfen: Hubig plant härtere Strafen

Kabinett berät Gesetzentwurf:Hubig plant härtere Strafen für Einsatz von K.o.-Tropfen

von Stefanie Reulmann

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Immer häufiger werden bei Straftaten K.o.-Tropfen eingesetzt. Justizministerin Hubig plant deshalb eine Gesetzesänderung. Ihr Ziel: Höhere Strafen für Täter und mehr Opferschutz.

Aus einer kleinen Glasamppulle fließt klare Flüssigkeit in ein mit Eiswürfeln und klarer Flüssigkeit gefülltes Glas. Auf der rechten Seite dieser Montage tanzen Frauen, am oberen Bildrand ist eine überdimensionierte Disko-Kugel abgebildet.

Farb- und geruchlos: K.-o.-Tropfen heimlich in ein Getränk gemixt setzen Opfer außer Gefecht. (Montage)

Quelle: ZDF/Docdays Productions

Die Zahl der Vergewaltigungsdelikte ist in den letzten Jahren um rund 70 Prozent angestiegen. Das zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik. Während es 2018 noch 8.106 erfasste Fälle waren, ist die Zahl 2025 auf 13.920 gestiegen.

Täter nutzen bei Sexual- und Raubdelikten zunehmend K.o.-Tropfen, um ihre Opfer wehrlos zu machen. Die Beweisführung ist schwierig, die meisten Taten werden nicht angezeigt. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant nun eine Gesetzesänderung, die höhere Mindeststrafen vorsieht.

Was sind K.o.-Tropfen und wie werden sie verabreicht?

Als K.o.-Tropfen bezeichnet man GBL (Gamma-Butyrolacton) und BDO (1,4-Butandiol), chemische Substanzen, die als Lösungs- oder Reinigungsmittel genutzt werden. Im Körper werden sie in GHB (Gammahydroxybuttersäure) umgewandelt, auch Liquid Ecstasy genannt.

Die Substanzen sind farb- und geruchslos. Sie werden dem Opfer heimlich ins Getränk gemischt, können aber auch per "Needle Spiking" mit einer Nadel durch die Kleidung in die Haut gespritzt werden.

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Wie wirken K.o.-Tropfen und was macht sie so gefährlich?

Die Wirkung setzt bereits 10 bis 20 Minuten nach der Einnahme ein und kann bis zu vier Stunden anhalten. Das GHB ist eine psychoaktive, also bewusstseinsverändernde  Substanz, die zunächst zu Euphorie, Enthemmung oder Entspannung führen kann.

Abhängig von der Dosierung und der körperlichen Konstitution kommt es im Anschluss zu Schwindel, Übelkeit, Atemproblemen, bis hin zu Kontrollverlust und Bewusstlosigkeit, in manchen Fällen zum Tod.

Sind K.o.-Tropfen illegal?

Liquid Ecstasy (GHB) fällt seit März 2002 unter das Betäubungsmittelgesetz. GBL und BDO sind legal erhältlich und können als Reinigungsmittel verwendet werden. Der missbräuchliche Einsatz als K.o.-Tropfen ist aber strafbar. Die Abgabe über den Versandhandel an Endverbraucher und der Verkauf zum Konsum sind seit April 2026 verboten.  

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Was macht die Strafverfolgung so schwierig?

Die Substanzen werden sehr schnell vom Körper abgebaut, sind oft nur sechs bis zwölf Stunden nachweisbar. Betroffene sollten deshalb sofort medizinische Hilfe holen, Blut- und Urinproben sichern lassen und die Polizei informieren. Sind die K.o.-Tropfen nicht mehr nachweisbar, ist die Beweisführung schwierig. Hinzu kommt, dass viele Opfer aufgrund der Wirkung Erinnerungslücken haben oder gar keine Aussage zum Tatgeschehen machen können. Auch aus Scham gehen viele nicht zur Polizei.

Das zeigt auch die Dunkelfeldstudie, die Justizministerium, Innenministerium und BKA im Februar gemeinsam vorgestellt haben. Demnach "vermuten 5,2 Prozent der Bevölkerung, mindestens einmal im Leben K.o.-Tropfen untergemischt bekommen zu haben".





Wie ist die aktuelle Gesetzeslage?

Der Bundesgerichtshof hat im Oktober 2024 entschieden, dass der Einsatz von K.o.-Tropfen bei einem sexuellen Übergriff rechtlich nicht als Einsatz eines "gefährlichen Werkzeugs" zu werten sei. Als solches gilt etwa ein Messer.

Wird bei der Tat ein "gefährliches Werkzeug" verwendet, droht eine höhere Strafe. Da das Gericht K.o.-Tropfen nicht als solches eingestuft hat, werden Täter in der Folge milder bestraft. Das will die Bundesregierung ändern.

Aus einer kleinen Glasamppulle fließt klare Flüssigkeit in ein mit Eiswürfeln und klarer Flüssigkeit gefülltes Glas. Auf der rechten Seite dieser Montage tanzen Frauen, am oberen Bildrand ist eine überdimensionierte Disko-Kugel abgebildet.

Sie sind farblos, schmecken nach nichts und sind hochgefährlich. Sogenannte K.-o.-Tropfen kursieren seit Jahrzehnten und werden missbraucht, um Frauen und Männer willenlos zu machen.

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Welche konkreten Gesetzesänderungen soll es geben?

Die Strafrechtsparagrafen 177, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung, und 250, schwerer Raub, sollen geändert werden. Künftig soll es heißen: Bestraft werde, wer  "bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug oder Mittel verwendet".

Das schließt psychoaktive Substanzen wie K.o.-Tropfen mit ein, wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung der Dunkelfeld-Studie im Februar bereits ankündigte:

Der Einsatz von K.o.-Tropfen wird künftig so geahndet wie der Einsatz einer Waffe.

Alexander Dobrindt, CSU, Innenminister

Tätern, die bei Sexual- und Raubdelikten K.o.-Tropfen einsetzen, droht künftig eine Mindeststrafe von fünf Jahren.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 13.05.2026 ab 06:30 Uhr.

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