Bischöfe wählen Wilmer zum Vorsitzenden:Wofür das neue Gesicht der Katholiken in Deutschland steht
von Jürgen Erbacher
Bodenständig, kommunikativ, auf Ausgleich bedacht. Das ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Manchen ist er zu fromm, am Reformprozess hält er fest.
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der sechs Jahre im Amt war.
24.02.2026 | 1:39 minEmsland, Bronx, Rom, Hildesheim. Das sind wichtige Stationen im Leben des neuen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Der 64-Jährige ist in den nächsten sechs Jahren das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland.
Soviel Aufmerksamkeit ist dem Ordensmann noch etwas unangenehm. Das merkt man ihm bei der ersten Pressekonferenz als Vorsitzender am Morgen an. Sein Statement hat er gut vorbereitet, liest es vom Handy ab, an das er sich fest klammert. Die anschließenden Fragen der Presse beantwortet er knapp und stets abgewogen.
Wilmer wird andere Akzente setzen als Bätzing
Wilmer wird als Vorsitzender andere Akzente setzen als sein Vorgänger. Das machte er mit den ersten Worten deutlich. Seine Hauptaufgabe sehe er darin, Gott ins Zentrum zu stellen. Es klingt etwas frommer als bei Bischof Georg Bätzing, der die vergangenen sechs Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz stand. Dennoch stehen sich die beiden in theologischen und strukturellen Fragen sehr nahe.
Der Ton ist ein anderer. Wilmer spricht bedächtiger als Bätzing. Vielleicht konnten so auch die Konservativen in der Konferenz ihre Stimme dem Emsländer geben.
Nach sechs Jahren stand Bätzing nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung.
19.01.2026 | 0:15 minWilmer steht für synodale Kirche
Keinen Zweifel lässt Wilmer daran, dass er für eine synodalen Kirche steht, also die Beteiligung von Laien an Beratung und Entscheidungen. In seinem Bistum gibt es seit einiger Zeit Gemeinden, in denen Laien das Sagen haben, die Priester eher nur um des Kirchenrechts Willen in die Leitung eingebunden sind.
... verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.
Quelle: KNA
Obwohl Wilmer eher vorsichtig agiert, nutzt er doch alle kreativen Möglichkeiten, die Kirchenrecht und Theologie erlauben. Den Synodalen Weg, den die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken in den vergangenen sechs Jahren als Reformprozess initiiert hatten, ist er konsequent mitgegangen. Seine Wahl als Vorsitzender bedeutet in diesem Punkt Kontinuität.
Vor gut sechs Jahren startete das Reformprojekt zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Im Januar zog die letzte Synodalversammlung in Stuttgart drei Tage lang Bilanz.
29.01.2026 | 2:45 minWilmer mit großer weltkirchlicher Erfahrung
Im Vergleich zu den letzten Vorsitzenden ist Wilmer der mit der größten weltkirchlichen Erfahrung. Ende der 1990er Jahren arbeitete er an einer Schule seines Ordens in den Bronx in New York; von 2015 bis 2018 war er Generaloberer der Herz-Jesu-Priester und bereiste in dieser Funktion die Welt.
Diese Erfahrung und sein Sprachentalent werden den Dialog mit dem Vatikan und anderen Ortskirchen weltweit erleichtern. In den vergangenen Jahren suchte er bei zahlreichen Besuchen im Vatikan den Kontakt nicht nur zu den Chefs der Behörden, sondern auch zum Mittelbau. Er weiß, wie wichtig es ist, mit der Arbeitsebene Kontakt zu halten. Das wurde dort sehr genau wahrgenommen.
Viele Menschen fühlen sich ihrer Kirche weniger verbunden als früher. Bei der Deutschen Bischofskonferenz geht es auch darum, wie die Kirche Menschen besser erreichen kann.
22.09.2025 | 1:48 minWie wird Vatikan auf Wilmer reagieren?
Ob man sich im Vatikan über die Wahl Wilmers zum neuen Vorsitzenden freut, muss sich erst noch zeigen. Als Papst Franziskus 2023 damit liebäugelte, den deutschen Ordensmann zum Chef eines vatikanischen Dikasteriums zu machen, intervenierten konservative Kardinäle und organisierten Widerstand. Er galt ihnen als zu starker Verfechter des Synodalen Wegs und sie störte, dass Wilmer in einem Interview gesagt hatte, der Missbrauch von Macht "stecke in der DNA" der Kirche.
Der Emsländer ließ sich nicht beirren, suchte das Gespräch mit den betreffenden Kurienkardinälen, seine Aussage revidierte er aber nicht.
Lukas kämpft für Veränderung in der katholischen Kirche. Reformen, die Clara verhindern will.
12.03.2023 | 27:13 minWilmers wichtigste Aufgabe: Brücken bauen
Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es jetzt, Brücken zu bauen innerhalb der Bischofskonferenz, innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland und zum Vatikan. In der Bischofskonferenz war Wilmer bisher der Sozialbischof.
Fragen der Gerechtigkeit, des Friedens und eines guten Miteinanders in der Gesellschaft stehen bei ihm weit oben auf der Agenda. Die Gesellschaft erwarte eine selbstbewusste und prophetische Kirche an dieser Stelle, ist er überzeugt. Auch mit Blick auf gesellschaftspolitische Fragen ist daher mit dem neuen Vorsitzenden zu rechnen.
Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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