Bischofskonferenz wählt Vorsitzenden:Gesucht: Krisenmanager mit guten Beziehungen zum Vatikan
von Jürgen Erbacher
Die Deutsche Bischofskonferenz wählt einen neuen Vorsitzenden. Es braucht einen Brückenbauer zwischen Reformern und Bewahrern, zwischen Rom und Deutschland.
Wen wählt die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrem neuen Vorsitzenden?
Quelle: dpaBischof Georg Bätzing stellt sich nach einer Amtszeit nicht mehr zur Wahl als Vorsitzender der Bischofskonferenz. Lange hielt er sich eine erneute Kandidatur offen. Erst Mitte Januar winkte er ab.
Offiziell führt er die lange Amtszeit von sechs Jahren an. Er wäre am Ende der zweiten Amtszeit 70 Jahre alt und das Amt koste viel Kraft. Allerdings war nicht klar, ob Bätzing erneut die Mehrheit der knapp 60 Bischöfe hinter sich würde versammeln können. Sowohl bei Reformern als auch bei konservativen gab es Unmut über seine Amtsführung.
Vor gut sechs Jahren startete das Reformprojekt zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Ab heute zieht die letzte Synodalversammlung in Stuttgart drei Tage Bilanz.
29.01.2026 | 2:45 minErfolg von Bätzing: Synodalen Weg abgeschlossen
Ein Erfolg Bätzings ist, dass er den Reformprozess Synodaler Weg gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ohne größere Unfälle ins Ziel brachte. Selbstbewusst trug Bätzing im Vatikan die Reformwünsche der Mehrheit der deutschen Katholikinnen und Katholiken vor wie etwa die Weihe von Frauen zu Diakoninnen. Das brachte ihm große Sympathien unter den Gläubigen, rief zugleich aber den Widerstand konservativer Bischöfe auf den Plan.
Die bisweilen wenig diplomatische Art, mit der er auf dem vatikanischen Parkett agierte, führte allerdings auch bei den Reformbefürwortern zu Unmut. Ein Verdienst Bätzings ist es, dass die Bischofskonferenz klare Kante zeigt gegenüber völkisch nationalistischen Ideen in der Politik und im Februar 2024 in einer Erklärung feststellte, dass rechtsextreme Parteien wie die AfD für Christen nicht wählbar sind.
Für die katholische Kirche geht das heilige Jahr zu Ende. Bereits gestern versammelten sich zahlreiche Gläubige vor dem Petersdom in Rom.
06.01.2026 | 0:29 minDeutsche Bischofskonferenz ist gespalten
Nicht gelungen ist es Bätzing, die Spaltung innerhalb der Bischofskonferenz zu überwinden. Eine kleine Gruppe von Bischöfen um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer verweigert sich bis heute den Reformbemühungen der Mehrheit der Bischöfe und Laien im Land. Immer wieder versuchen sie, auch über die Bande Vatikan, Sand ins Getriebe der Veränderungsprozesse zu streuen.
Bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wird über die Probleme der katholischen Kirche diskutiert. Eine Gemeinde in Frankfurt testet bereits neue Wege aus.
22.09.2025 | 1:31 minEine der wichtigsten Aufgaben des Nachfolgers Bätzings ist es, hier Brücken zu bauen. Papst Leo XIV. machte deutlich, dass er Bewegung auf beiden Seiten der Bischofskonferenz erwarte. Der neue Vorsitzende wird zudem weiter an Reformen bei den Strukturen aber auch in der Theologie arbeiten müssen sowie an der konsequenten Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.
Tausende demonstrieren in Lippstadt mit Chefarzt Volz gegen ein Abtreibungsverbot am Klinikum. Hintergrund ist eine arbeitsrechtliche Klage wegen kirchlicher Vorgaben zur Reproduktionsmedizin.
08.08.2025 | 1:45 minMacht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz begrenzt
Allerdings ist die Macht des Vorsitzenden begrenzt. Auch wenn er nach außen das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland ist, hat er intern wenig Macht, keine Richtlinienkompetenz. Er ist eher Moderator, "primus inter pares", der um Mehrheiten werben oder diese durch diplomatisches Geschick erreichen muss. Dabei ist es wichtig, in enger Abstimmung mit dem Vatikan zu handeln, damit Kritiker nicht weiter Widerstand über die römische Bande spielen können. Dazu wird er mehr Präsenz in Rom zeigen müssen, als das bei Bätzing der Fall war.
Kandidaten gibt es bei der Wahl des Vorsitzenden nicht, auch keine Personaldebatte. Am Dienstagmorgen wird nach einer Aussprache über das Profil des neuen Vorsitzenden direkt abgestimmt. In den ersten beiden Wahlgängen braucht es eine Zweidrittelmehrheit, danach reicht die einfache Mehrheit.
Zwei Pfarrer im ländlichen Sachsen möchten mit Social-Media- Auftritten oder Moped-Gottesdiensten die Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen und den Zusammenhalt stärken.
13.12.2025 | 4:54 minWelche Namen für die Bätzing-Nachfolge gehandelt werden
Fünf Namen werden immer wieder genannt, darunter der Paderborner Erzbischof Udo Bentz, der ehemals Sekretär des langjährigen Vorsitzenden Kardinal Karl Lehmann war, sowie der Hildesheimer Heiner Wilmer, der gut im Vatikan vernetzt ist und viele Sprachen spricht.
Der Trierer Stefan Ackermann bewies als langjähriger Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz, dass er kritische Situation meistern kann. Würzburgs Oberhirte Franz Jung führt seit Jahren mit Geschick den Verband der Diözesen Deutschlands, den Rechts- und Finanzträger der Bischofskonferenz. Peter Kohlgraf aus Mainz steht als Leiter der Pastoralkommission der Bischofskonferenz für eine reformorientierte Kirche an der Seite der Menschen. Ob wirklich einer der fünf das Rennen macht, ist allerdings offen.
Jürgen Erbacher ist Leiter ZDF-Redaktion Religion und Leben.
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Der 64-Jährige ist Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing.
24.02.2026 | 1:46 minMehr zur katholischen Kirche
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