Alter, Lebensmodell, Erwerbstätigkeit:Stadt und Land: So leben die Menschen in Deutschland
von Luisa Billmayer
Wie setzt sich die deutsche Bevölkerung zusammen? Ein Blick auf Stadt und Land zeigt, wie sich Regionen bei Alter, Geschlecht, Erwerbstätigkeit und weiteren Aspekten unterscheiden.
Der demografische Wandel steht häufig im Zusammenhang mit einer alternden Bevölkerung. Doch in den Großstädten zeichnet sich ein anderes Bild.
21.10.2026 | 0:41 minDeutschland wird immer älter: Doch die Herausforderungen des demografischen Wandels unterscheiden sich regional. In städtischen und ländlichen Kreisen ist die Gruppe der 55- bis 65-Jährigen - also die Jahrgänge der Babyboomer - besonders groß.
In Großstädten hingegen leben vergleichsweise viele Menschen zwischen 20 und 40. Ein Grund dafür ist die Binnenwanderung: Junge Erwachsene zieht es häufig für Ausbildung, Studium oder den Berufseinstieg in die Großstädte.
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Demografie: So unterscheiden sich Stadt und Land
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beschreibt die Bevölkerungspyramide von Großstädten daher als "Schmetterling". In den städtischen und ländlichen Kreisen gleiche die Altersstruktur einem "Diamanten".
Bevölkerungspyramiden zeigen die absolute Zahl der Menschen in Deutschland nach Alter und Geschlecht. Früher hatte das Schaubild häufig die Form einer Pyramide: Die Gruppe der Jüngeren war größer als die der Älteren.
Deutschland schrumpft?! Bis 2045 dürfte die Bevölkerung auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Dies zeigt sich in der Studie "Demografische Lage der Nation".
06.10.2026 | 2:00 minRegionale Unterschiede zwischen Großstädten, städtischen und ländlichen Kreisen
Für diese Analyse wurden Bevölkerungsdaten des Mikrozensus 2025 in drei Siedlungsstrukturen unterteilt und jeweils untersucht. Anhand der Bevölkerungsdichte und des Anteils der Menschen, die in Städten leben, teilt sich Deutschland auf in:
- 68 kreisfreie Großstädte, wie Berlin, Hamburg, München oder Köln
- 131 städtische Kreise, wie Esslingen, Rosenheim, Pinneberg oder Zwickau
- 201 ländliche Kreise, wie Nordfriesland, Garmisch-Partenkirchen, Mecklenburgische Seenplatte oder Hochsauerlandkreis
In kreisfreien Großstädten leben mehr unverheiratete Personen als in den anderen untersuchten Regionen: Laut BiB sind diese Unterschiede im Alter zwischen 30 und 40 besonders groß.
Auch beim Familienstand zeigen die Daten Geschlechterunterschiede: Frauen heiraten über alle Regionen hinweg etwas früher als Männer. Zudem sind Frauen deutlich häufiger und in jüngeren Jahren verwitwet.
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Wo leben Familien?
Beim Blick auf die Lebensform der Menschen in Stadt und Land zeigt sich, dass in städtischen und ländlichen Kreisen mehr Familien leben als in der Großstadt. "Mit der Familiengründung gewinnen städtische und ländliche Kreise an Anziehungskraft", erklärt das BiB die Beobachtung.
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Demografischer Wandel steht in Deutschland häufig im Zusammenhang mit einer alternden Bevölkerung. Doch auch andere Faktoren können Kommunen belasten, erklärt Harun Sulak, Mitautor der BiB-Studie:
Kreise mit vielen Familien stehen vor der Herausforderung, ausreichend Betreuungsplätze und Schulen für die Kinder und Jugendlichen bereitzustellen.
Harun Sulak, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Familie, Trennung oder Alter: Wohnbedürfnisse verändern sich. Ein Leipziger Projekt setzt auf flexible Wohnungen, die sich an neue Lebenssituationen anpassen lassen – ohne Umzug.
14.07.2026 | 2:06 minWo leben Menschen mit Migrationshintergrund?
Außerdem zeigen die Daten, dass in Großstädten mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben. Migrationshintergrund bedeutet: Eine Person selbst oder mindestens ein Elternteil ist nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren. 31 Prozent der deutschen Bevölkerung hat Migrationshintergrund.
Besonders deutlich ist der Unterschied bei Kindern und Jugendlichen: In kreisfreien Großstädten haben etwa 55 Prozent der Minderjährigen einen Migrationshintergrund - in städtischen Kreisen sind es 45 Prozent, in ländlichen Kreisen 30 Prozent.
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Großstädte und städtische Kreise seien für Menschen aus dem Ausland attraktiver als ländliche Regionen, erklärt das BiB. Das liege zum einen an den dort gebotenen Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Außerdem gebe es in größeren Städten oft Netzwerke von Zugewanderten aus den jeweiligen Herkunftsländern.
Vollzeit, Teilzeit, nicht erwerbstätig: So unterscheiden sich Stadt und Land
Die BiB-Analyse zeigt auch regionale Unterschiede bei der Art der Beschäftigung. Besonders in städtischen und ländlichen Kreisen arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, Männer häufiger in Vollzeit. In Großstädten sind die Geschlechterunterschiede etwas geringer. "Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass in den städtischen und ländlichen Kreisen der Anteil an Müttern höher ist", erklärt das BiB die Daten.
Allerdings sind allgemein in Großstädten wie Hamburg, Köln oder Erfurt mehr Menschen nicht erwerbstätig: Junge Menschen studieren in diesen Regionen oft länger und steigen später ins Berufsleben ein als in ländlichen Regionen. Gleichzeitig gibt es in den Großstädten mehr nicht-erwerbstätige Frauen. "Das hängt vor allem damit zusammen, dass in den kreisfreien Großstädten viele zugewanderte Frauen leben, die noch nicht erwerbstätig sind", erklärt Harun Sulak.
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Wo die Babyboomer künftig fehlen werden
In den städtischen und ländlichen Kreisen machen die starken Jahrgänge, die aktuell 55- bis 65-Jährigen, einen großen Teil der Erwerbstätigen aus. Gehen sie in Rente, werden Lücken entstehen.
Die geburtenstarken Jahrgänge werden alt - und verkaufen möglicherweise ihre Immobilien. Das große Angebot könnte die Preise drücken.
29.09.2026 | 0:50 min"Mit den Babyboomern werden viele Leute mit einer Berufsausbildung aus dem Erwerbsleben aussteigen", sagt Sulak. Männer dürften Lücken in handwerklichen Berufen und der Industrie hinterlassen, so Harun Sulak. Frauen würden künftig in ländlichen Kreisen vor allem im öffentlichen Dienst und im sozialen Bereich fehlen. Aufgrund dieser Bedingungen geht das BiB davon aus, dass die Unterschiede zwischen Großstädten und ländlicheren Regionen in den nächsten 15 Jahren zunehmen werden.
Redaktion: Lukas Wagner
Grafiken: Jens Albrecht
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