Änderungen bei Kinder- und Jugendhilfe:Aus für begleitetes Trinken: Regierung will Regel streichen
Bislang ist der Konsum von Bier, Wein und Sekt in der Öffentlichkeit in Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit 14 oder 15 Jahren erlaubt. Damit soll jetzt Schluss sein.
Kein Alkohol mehr für 14- und 15-Jährige - so will es die Koalition.
Quelle: dpaFür Konsum und Kauf von Bier, Wein und Sekt soll künftig eine strikte Altersgrenze von 16 Jahren gelten. Das Bundeskabinett billigte Pläne von Familienministerin Karin Prien (CDU), das "begleitete Trinken" von 14- und 15-Jährigen unter Aufsicht der Eltern abzuschaffen.
Dies ist Teil einer Reform der Kinder- und Jugendhilfe, die Zuständigkeiten neu ordnen und Milliardenkosten dämpfen soll. Das berührt unter anderem Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Schulen. Sozialverbände befürchten Rückschritte.
Jugendliche sollen besser vor Gesundheitsgefahren geschützt werden
Die Streichung des "begleiteten Trinkens" hat inhaltlich wenig mit der Strukturreform zu tun, passte für Prien aber in den Gesetzentwurf, der jetzt in den Bundestag geht. Darin heißt es:
Die Ausnahmeregelung im Jugendschutzgesetz, die den Verzehr oder Erwerb alkoholischer Getränke durch 14- und 15-jährige Jugendliche in Begleitung einer personensorgeberechtigen Person erlaubt, wird gestrichen.
Gesetzentwurf zur Streichung des "begleiteten Trinkens"
Das Kabinett hat Reformen beschlossen, unter anderem auch die sogenannte Frühstartrente. Vorsorgedepots für Kinder ab dem Geburtsjahr 2020 sollen 10 Euro monatlichen Zuschuss vom Staat bekommen.
12.08.2026 | 0:25 minZiel ist, Jugendliche besser vor Gesundheitsgefahren durch Alkohol zu schützen. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse unterstützten das 2025 knapp zwei Drittel der Erwachsenen.
Aus für begleitetes Trinken ab 14 Teil von größerem Paket
Der gesamte, 56 Seiten starke Gesetzentwurf hat ein umfassenderes Ziel: Als erster Teil einer Strukturreform sollen die Pläne helfen, die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt "zukunftsfest aufzustellen", wie das Familienministerium unterstreicht. "Hilfen sollen schneller und passgenauer bei den Familien ankommen, kommunale Strukturen gestärkt, und unnötige Bürokratie abgebaut werden."
Das hat Auswirkungen auf viele Punkte von der Unterbringung in Pflegefamilien bis zur vereinfachten Altersfeststellung bei unbegleiteten ausländischen Minderjährigen. Am meisten Unruhe lösten jedoch vorab Neuerungen für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen aus. Sie haben bei Hilfebedarf Anspruch auf eine Assistenz in Kita oder Schule.
Die Gesamtkosten für die Kinder- und Jugendhilfe sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts zuletzt deutlich gestiegen. 2024 gaben Bund, Länder und Gemeinden dafür 78,8 Milliarden Euro aus. Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind nur ein kleiner Teil. Zwei Drittel der Kosten entfielen laut Statistik auf die Kindertagesbetreuung, ein weiteres Viertel auf Hilfen zur Erziehung, einschließlich der Unterbringung junger Menschen in Heimen, WGs oder Pflegefamilien.
Priens Reform soll laut Entwurf ab 2028 rund 149 Millionen Euro pro Jahr sparen. Die erwartete Summe wächst bis 2036 auf 1,3 Milliarden Euro jährlich.
Trotz klammer Kassen soll der Staat nicht an Hilfen für Menschen mit Behinderungen sparen – das fordern mehrere Sozialverbände.
05.05.2026 | 1:23 minVerbände kritisieren Entwurf
Vorgesehen ist laut dem aktuellen Entwurf, dass dies möglichst als "Gruppenangebote" für mehrere Kinder und Jugendliche geleistet wird. Gibt es ein solches "infrastrukturelles Angebot" vor Ort nicht, "besteht weiter ein individueller Anspruch auf die Anleitung und Begleitung" als Einzelfallhilfe.
Die Formulierung wurde im Vergleich zu einem früheren Entwurf neu gefasst, denn Fachleute haben Vorbehalte. "Besonders kritisch sehen wir die Möglichkeit, Schulassistenz stärker gemeinsam für mehrere Kinder zu organisieren", sagte Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. "Für manche Kinder kann eine gemeinsame Inanspruchnahme von Assistenz funktionieren." Das gelte aber nicht für Kinder mit komplexeren Behinderungen.
Der Paritätische Gesamtverband zeigte sich enttäuscht vom Reformentwurf:
Unterm Strich bleibt eine Verwaltungslogik, die an Akten und Zuständigkeiten denkt und an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht.
Paritätischer Gesamtverband
Die Idee einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe werde komplett aufgegeben, moniert der Verband.
Für einkommensschwache Familien bietet das Familienministerium Rheinland-Pfalz Erholungsangebote an. Etwa einen Urlaub für jene, die ihn sich sonst nicht leisten könnten.
07.08.2026 | 2:30 minSystem soll übersichtlicher werden
Familienministerin Prien betonte, der individuelle Rechtsanspruch auf bedarfsgerechte Hilfen bleibe "uneingeschränkt bestehen". Doch erklärte die CDU-Politikerin auch, Familien müssten sich auch künftig auf Hilfen verlassen können.
Erklärtermaßen soll das ganze System einfacher, wirksamer und übersichtlicher werden. Einige Beispiele:
- Den Kommunen soll es ermöglicht werden, Hilfen über einen zentralen Ansprechpartner für junge Menschen mit Behinderungen zu organisieren.
- Das Verfahren zur Verteilung unbegleiteter ausländischer Minderjähriger und zur Altersfeststellung soll einfacher werden.
- Familien, die Unterstützung brauchen, sollen zunächst einfach zugängliche Angebote nutzen, bevor eine erzieherische Hilfe greift.
- Angebote wie Elternkurse, Beratungsstellen oder Familienfreizeiten sollen gestärkt werden.
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