Armut, Steuererhöhung, Migration: Die Ängste der Deutschen

Studie "Die Ängste der Deutschen 2026":Worum sich die Menschen am meisten sorgen

ZDF-Korrespondent Stefan Schlösser. Im Hintergrund ist ein Bahnhof zu sehen.

von Stefan Schlösser

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Reicht das Geld noch zum Leben? Was wird aus der Rente? Wann springt die Wirtschaft wieder an? Die Deutschen blicken einer Studie zufolge eher düster auf Politik und Wirtschaft.

Symbolbild: Passanten in der Fussgängerzone von München

Ob Politik, Wirtschaft, Umwelt oder Gesellschaft - eine Studie zeigt, welche Sorgen die Deutschen besonders umtreiben.

01.10.2026 | 1:01 min

Kraftstoffpreise jenseits der Zwei-Euro-Marke - die Fahrt zur Tankstelle macht für Millionen von Autofahrern und Autofahrerinnen nur allzu deutlich, wie teuer das Leben geworden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass die Angst vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten bei 59 Prozent der Befragten am größten ist.

Das ist unmittelbar spürbar, dass schlicht das Geld nicht für den gesamten Monat reicht, und insofern haben die Menschen hier zu kämpfen, davon sind sie unmittelbar betroffen.

Prof. Isabelle Borucki, Politikwissenschaftlerin Philipps-Universität Marburg

Die R+V-Versicherung führt seit 1992 jedes Jahr eine repräsentative Umfrage durch und befragt rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit.

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25.09.2026 | 1:57 min

Steuererhöhungen, Leistungskürzungen und Zuwanderung

Wirtschaftliche Sorgen belasten die Befragten laut der aktuellen Studie dabei am stärksten. Auf Platz 2 der größten Ängste und von 53 Prozent genannt, Steuererhöhungen und Leistungskürzungen.

Angesichts der seit Monaten andauernden Diskussionen um Reformen, Stichwort die so genannte Rente mit 63, scheinen größere Einschnitte unausweichlich. 51 Prozent befürchten eine noch schlechtere Wirtschaftslage und 50 Prozent, dass Wohnen unbezahlbar wird.

Am ehemaligen Flughafen Tegel stehen Geflüchtete Menschen vor einer Leichtbauhalle.

Weniger Asylbewerber beziehen staatliche Leistungen. Ende 2025 waren es in Deutschland rund 390.000 Menschen. Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr, erklärt das Statistische Bundesamt.

10.09.2026 | 0:40 min

Obwohl die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland abnimmt, ist die Sorge vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete weiterhin groß. 52 Prozent der Befragten trauen dem Staat offenbar nicht zu, dass er die Lage dauerhaft in den Griff bekommt. Platz drei der Studie.

Schlechte Noten für Politiker

Dazu passt, dass die verantwortlichen Politiker und Politikerinnen mit der Schulnote 4,1 im Schnitt schlecht bewertet werden. Letztes Jahr gab es noch eine 3,8. Ein deutliches Anzeichen für einen gestiegenen Vertrauensverlust.

"Die Menschen trauen der Politik nicht mehr zu, die Probleme auch tatsächlich anzugehen und dann auch Lösungen zu erarbeiten, die für alle sinnvoll sind", bringt es die Politikwissenschaftlerin Prof. Isabelle Borucki auf den Punkt. Sie begleitet die Studie als Beraterin.

Angst vor Naturkatastrophen nimmt ab

Auffällig ist, dass einige Sorgen bei vielen Menschen offenbar aus dem Fokus geraten. Trotz dieses Hitzesommers mit drastischen Auswirkungen für Wirtschaft, Landwirtschaft und Gesundheit sinkt die Sorge vor den Folgen des Klimawandels deutlich um sechs Prozentpunkte, die Angst vor Naturkatastrophen sogar um neun Prozentpunkte. Jeweils Tiefstwerte in der Langzeitbetrachtung.

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"Die menschliche Psyche ist nicht dafür ausgelegt, dauerhaft mit Krisen konfrontiert zu werden", sagt Prof. Judith Mangelsdorf. Sie ist Deutschlands erste Professorin für Positive Psychologie.

Ängste werden dann abgebaut zugunsten anderer Emotionen wie Müdigkeit, Rückzug und auch ein gewisses Maß an Lethargie.

Prof. Judith Mangelsdorf, Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie

Selbstwirksamkeit vs. Sorgen und Ängste

Manche Probleme, gerade die, die man selbst nicht beeinflussen kann, werden ein Stück weit verdrängt. Um sich von den ganzen Sorgen und Ängsten nicht erdrücken zu lassen, hat Judith Mangelsdorf einen konkreten Tipp:

Wo sehen Sie positive Veränderungen und Menschen, die sich stark machen? Und wo können Sie selbst einen Unterschied beitragen? Wenn das zusammenkommt, dann werden Sorgen gepaart mit so etwas wie Selbstwirksamkeit und damit auch mit einem Glauben an eine bessere Zukunft.

Prof. Judith Mangelsdorf

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Bei aller Sorge: Der Durchschnittswert aller Ängste hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert - er ist nur um einen Prozentpunkt gestiegen. In den vergangenen 35 Jahren war er nur dreimal niedriger.

Auffallend besorgt scheinen die Deutschen - gemäß der Studie - also auch in diesem Jahr nicht zu sein. Manche Sorgen allerdings nehmen so viel Raum ein, dass andere komplett in den Hintergrund treten.

Stefan Schlösser ist Reporter im ZDF-Landesstudio in Hessen.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal update im Ausblick am 01.10.2026 ab 00:30 Uhr.

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